Die indische Regierung hat kürzlich erklärt, dass WHO-Richtlinien zur Luftqualität nur beratend wirken und nicht bindend sind. Stattdessen setzt Indien auf eigene nationale Standards (NAAQS), die deutlich über den internationalen Empfehlungen liegen. Diese Haltung stößt auf Kritik, da Städte wie Delhi extreme Smog-Werte aufweisen.
Die Smog-Krise in Delhi
Delhi mit rund 35 Millionen Einwohnern kämpft jährlich im Winter mit dichter Luftverschmutzung durch Feinstaub (PM2.5). Messwerte erreichen Werte von bis zu 500 Mikrogramm pro Kubikmeter, während die WHO nur 15 Mikrogramm empfiehlt. Ein Tag in dieser Luft entspricht dem Rauchen von 25 Zigaretten und verkürzt die Lebenserwartung um bis zu acht Jahre.
WHO-Standards vs. indische NAAQS
Die WHO fordert jährlich maximal 5 Mikrogramm PM2.5 pro Kubikmeter, Indien hingegen 40 Mikrogramm. Globale Rankings wie IQAir oder die WHO-Datenbank werden von der Regierung als “nicht offiziell” abgetan. Kritiker wie Oppositionspolitiker Rahul Gandhi fordern eine parlamentarische Debatte unter Premierminister Narendra Modi.
Gesundheitliche Folgen
Luftverschmutzung verursacht in Indien jährlich 1,5 Millionen Todesfälle und wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. In Städten sterben 8 bis 11,5 Prozent der Menschen an Feinstaub-bedingten Erkrankungen wie Lungenkrebs oder Herzproblemen. Nordindische Regionen wie Bihar und Uttar Pradesh sind am stärksten betroffen.
Ursachen und Kritik
Winternebel, Strohverbrennung auf Feldern und Delhis Lage in einem Becken verschärfen den Smog. Die Regierung ignoriert Studien von Harvard oder The Lancet und setzt auf Programme wie NCAP, die jedoch Ziele verfehlen. Experten plädieren für strengere Kontrollen und regionale Behörden.
Quellen
Indien erkennt Smog-Werte der WHO nicht an
Ist Luftverschmutzung das größte Gesundheitsrisiko in Indien? Studie besagt, dass es die Lebenserwartung um 5 Jahre verkürzt