Dzenan Pejcinovic ist mehr als nur ein neuer Stürmer für den VfB Stuttgart – er ist die taktische Lösung für ein Problem, das die Schwaben seit dem Abgang von Serhou Guirassy im Sommer 2024 beschäftigt. Der 21-Jährige bringt genau jene physische Präsenz und torgefährliche Instinkte mit, die in der Offensive von Sebastian Hoeneßgefehlt haben. Mit seiner Verpflichtung für 25 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg reagiert der Champions-League-Teilnehmer nicht nur auf die sportliche Notwendigkeit, sondern setzt auch ein klares Zeichen in Sachen Kaderplanung.
Ein Transfer mit Vorgeschichte
Die Geschichte hinter diesem Wechsel ist mindestens so spannend wie die sportliche Perspektive. Ursprünglich suchte der VfB Stuttgart bereits im Sommer 2025 nach einem Ersatz für Nick Woltemade, der für bis zu 85 Millionen Euro zu Newcastle United gewechselt war. Die erste Wahl, Hyeon-gyu Oh vom KRC Genk, scheiterte am Medizincheck – ein früherer Kreuzbandriss erwies sich als zu großes Risiko.
Monatelang musste der VfB mit nur zwei zuverlässigen Stürmern auskommen. Deniz Undav und Ermedin Demirovic leisteten zwar hervorragende Arbeit, doch beide fielen jeweils einmal länger aus. Trainer Sebastian Hoeneß hatte bereits beim Trainingsauftakt der Saison 2025/2026 klargestellt: „Fest steht, dass wir auf der Position noch Bedarf sehen.” Diese Worte sollten sich nun, mit einem Jahr Verzögerung, bewahrheiten.
Die Verhandlungen mit Wolfsburg zogen sich über Wochen hin. Der Absteiger aus Niedersachsen forderte hartnäckig 25 Millionen Euro, während Stuttgart zunächst nicht bereit war, diese Summe zu zahlen. Letztlich setzte sich die sportliche Logik durch: Für einen jungen deutschen Nationalspieler mit Entwicklungspotenzial ist der Preis angemessen.
Das taktische Puzzleteil
Was macht Dzenan Pejcinovic so besonders für den VfB Stuttgart? Die Antwort liegt in der komplementären Wirkung zum bestehenden Sturm-Trio. Deniz Undav ist ein technisch versierter Angreifer mit hoher Spielintelligenz, der am liebsten um einen echten Mittelstürmer herum agiert. Ermedin Demirovic wiederum bringt Körperlichkeit mit und kann Gegenspieler binden. Doch beide haben eine Schwäche: Neither ist ein dominanter Kopfballspieler.
Genau hier schließt sich die Lücke. Mit 1,90 Metern Körpergröße bringt Dzenan Pejcinovic eine Kopfballstärke mit, die im Stuttgarter Spiel seit Guirassys Weggang fehlt. In der Saison 2025/2026 gewann er bei Wolfsburg 50 Kopfduelle – eine Zahl, die seine Luftüberlegenheit unterstreicht. Diese Fähigkeit eröffnet Hoeneß neue taktische Optionen, insbesondere bei Flanken und Standardsituationen.
Doch es geht nicht nur um Größe. Der 21-Jährige ist ein klassischer Stoßstürmer mit ausgeprägtem Torriecher. Neun Bundesliga-Treffer in der Vorsaison bei Wolfsburg belegen seine Abschlussqualität. Seine Schussstatistik zeigt: 48 Torschüsse, davon 23 auf Ziel, ergeben eine Trefferquote von rund 16 Prozent – für einen jungen Stürmer ein solider Wert.
Physis und Pressing: Die Hoeneß-Faktoren
Sebastian Hoeneß legt großen Wert auf ein intensives Gegenpressing. Auch hier passt Dzenan Pejcinovic ideal ins Profil. Der Deutsche U-21-Nationalspieler gilt als sehr laufstark – 206,1 Kilometer Laufdistanz in 30 Einsätzen sprechen für sich. Seine 537 Sprints und 1.609 intensive Läufe zeigen, dass er bereit ist, auch defensiv zu arbeiten.
Diese Laufbereitschaft im Gegenpressing ist keine Nebensächlichkeit. In der modernen Bundesliga entscheidet sich der Erfolg oft in den Übergangsphasen. Ein Stürmer, der Bälle im gegnerischen Drittel zurückerobern kann, ist Gold wert. Dzenan Pejcinovic hat in der vergangenen Saison neun Ballgewinne im Angriffsdrittel verzeichnet – eine Zahl, die Hoeneß freuen dürfte.
Zudem macht der 21-Jährige viele Bälle fest. Diese Fähigkeit, als Wandspieler zu fungieren und das Spiel kurzzeitig zu beruhigen, fehlte dem VfB seit Guirassys Abgang zum BVB. In Kombination mit seiner Athletik ermöglicht dies schnelle Umschaltmomente – genau das, was Stuttgart in der Champions League benötigen wird.
Die finanzielle Dimension
25 Millionen Euro für Dzenan Pejcinovic – das klingt nach viel Geld. Doch im Kontext des Stuttgarter Transfers ist es eine durchdachte Investition. Nach Deniz Undav (2024, 26,7 Millionen Euro) ist er der zweitteuerste Einkauf der Schwaben überhaupt. Für einen 21-jährigen deutschen Nationalspieler mit sieben U-21-Einsätzen und zwei Toren ist das ein marktüblicher Preis.
Vergleicht man dies mit den 85 Millionen Euro, die Newcastle für Woltemade zahlte, erscheint die Summe sogar günstig. Der VfB hat hier ein Talent verpflichtet, das noch Entwicklungspotenzial besitzt. Sein Marktwert wird aktuell auf 7,5 Millionen Euro geschätzt – doch das spiegelt nicht sein tatsächliches Potenzial wider.
Wichtig ist auch die Vertragslaufzeit. Dzenan Pejcinovic unterschrieb bis 2030 – eine langfristige Bindung, die dem Klub Planungssicherheit gibt. Sollte sich der Stürmer weiterentwickeln, könnte der VfB in wenigen Jahren von einer Wertsteigerung profitieren.
Nationalelf-Perspektive
Ein weiterer Aspekt, der diesen Transfer interessant macht, ist die Nationalmannschaft. Dzenan Pejcinovic fällt beim Neuaufbau der DFB-Auswahl immer wieder als Name. Als deutscher U-21-Nationalspieler hat er bereits internationale Erfahrung gesammelt. Ein Wechsel zu einem Champions-League-Teilnehmer wie Stuttgart könnte seine Entwicklung beschleunigen und ihn näher an die A-Nationalelf bringen.
Für den VfB ist das ein zusätzlicher Bonus. Spieler, die im Fokus der Nationalmannschaft stehen, bringen oft eine besondere Mentalität mit. Sie sind es gewohnt, unter Druck zu performen und sich ständig zu beweisen. Diese Einstellung kann im Mannschaftsgefüge ansteckend wirken.
Die menschliche Komponente
Nicht zu unterschätzen ist die Motivation des Spielers selbst. Dzenan Pejcinovic äußerte sich nach dem Transfer deutlich: „Ich sehe die Möglichkeit, den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen, mich bei einem Topverein und Champions-League-Teilnehmer weiterzuentwickeln.” Diese Worte zeigen, dass er nicht nur wegen des Geldes gekommen ist, sondern weil er sportlich wachsen will.
Ein Spieler mit dieser Einstellung ist wertvoll. Er wird im Training alles geben, um sich zu beweisen. Die Konkurrenz mit Undav und Demirovic wird ihn zusätzlich pushen – und umgekehrt. Diese interne Konkurrenz kann allen drei Stürmern helfen, ihr Bestes zu geben.
Ausblick: Drei Wettbewerbe, eine breitere Basis
Der VfB Stuttgart steht in der Saison 2025/2026 vor einer großen Herausforderung: Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League erfordern einen breiten Kader. Mit nur zwei Stürmern wäre das kaum zu bewältigen gewesen. Dzenan Pejcinovic gibt Hoeneß nun die Möglichkeit, zu rotieren, ohne Qualität zu verlieren.
Besonders in der Champions League wird diese Tiefe entscheidend sein. Gegen internationale Gegner braucht es unterschiedliche Profile – mal einen schnellen Stürmer, mal einen kopfballstarken Neuner. Mit Undav, Demirovic und Dzenan Pejcinovic hat der VfB diese Vielfalt.
Ob der Transfer zur „Win-Win-Situation” wird, wie es in der Stuttgarter Pressemitteilung heißt, hängt nun von der Leistung auf dem Platz ab. Doch die Voraussetzungen stimmen: Ein motivierter Spieler, ein passendes taktisches Profil und ein Klub, der ihn entwickeln will. Der Woltemade-Ersatz ist da – wenn auch mit einem Jahr Verspätung.
Quellen
Deshalb passt Dzenan Pejcinovic gut zum VfB Stuttgart
Dzenan Pejcinovic zum VfB Stuttgart? Wolfsburg fordert 25 Millionen Euro für den VfL-Stürmer

