29.09.2026
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Brennende Powerbank zwingt Lufthansa-Flug nach Lyon: Warum kleine Akkus zur großen Gefahr werden

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@2026 IMAGO

Eine brennende Powerbank hat den Lufthansa-Flug LH1170 von Frankfurt nach Lissabon am Samstagabend zu einer außerplanmäßigen Landung in Lyon gezwungen. Niemand wurde verletzt, doch der Vorfall zeigt eindrücklich, weshalb Lithium-Akkus inzwischenzu den kritischsten Gegenständen im Passagiergepäck zählen.

Ein Zwischenfall mit weitreichenden Folgen

Der Airbus A321-200 war um 20.47 Uhr in Frankfurt gestartet. Ziel war Lissabon, doch während des Fluges geriet die Powerbank eines Passagiers im Sitzbereich in Brand. Die Kabinenbesatzung reagierte sofort und brachte das Gerät in einem speziellen Lithium-Safe-Bag unter – einer feuerbeständigen Tasche, die für den Umgang mit brennenden oder überhitzten Lithium-Akkus entwickelt wurde.

Damit war die Gefahr aus Sicht der Piloten jedoch nicht automatisch beendet. Die Cockpitcrew entschied sich, den Flug vorsichtshalber nach Lyon umzuleiten. Die Maschine landete dort kurz vor 22 Uhr sicher. Nach der Freigabe durch die Feuerwehr konnten die 198 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder das Flugzeug über die Treppen verlassen.

Da ein Weiterflug wegen der nächtlichen Betriebsbeschränkungen nicht mehr möglich war, brachte Lufthansa die Reisenden in Hotels unter. Für den folgenden Tag wurden alternative Verbindungen nach Lissabon organisiert. Die Passagiere kamen somit ohne Verletzungen davon, mussten ihre Reise aber mit deutlicher Verspätung fortsetzen.

Warum Lithium-Akkus an Bord besonders problematisch sind

Eine Powerbank speichert elektrische Energie in Lithium-Ionen-Zellen. Diese Technologie ermöglicht kompakte Geräte mit hoher Kapazität, bringt aber ein spezifisches Risiko mit sich: Wird eine Zelle beschädigt, überhitzt oder intern kurzgeschlossen, kann eine sogenannte thermische Kettenreaktion entstehen.

Dabei steigt die Temperatur zunächst in einer einzelnen Zelle. Die Hitze kann anschließend benachbarte Zellen erfassen und einen Brand auslösen. In manchen Fällen entstehen Flammen, dichter Rauch oder eine explosionsartige Reaktion. Das Problem besteht darin, dass sich ein solcher Vorgang nicht immer einfach durch das Abschalten des Geräts stoppen lässt.

In einem Flugzeug kommt ein weiterer Faktor hinzu. Die Kabinenbesatzung verfügt zwar über Feuerlöscher und spezielle Behälter, kann ein beschädigtes Gerät aber nicht einfach nach draußen bringen. Gleichzeitig befindet sich die Maschine möglicherweise weit entfernt von einem geeigneten Flughafen. Deshalb wird ein Akku-Brand in der Luft grundsätzlich sehr ernst genommen – selbst wenn die Flammen schnell unter Kontrolle gebracht werden.

Die neuen Lufthansa-Regeln im Überblick

Lufthansa hat ihre Vorschriften für Powerbanks seit dem 15. Januar 2026 verschärft. Die Änderungen betreffen nicht nur den Transport, sondern vor allem die Nutzung während des Fluges.

RegelBedeutung
Nur im HandgepäckEine Powerbank gehört niemals in den aufgegebenen Koffer.
Nicht ins Gepäckfach über dem SitzDas Gerät soll möglichst schnell entdeckt werden können.
Nicht benutzenSmartphones, Tablets oder andere Geräte dürfen während des Fluges nicht über die Powerbank geladen werden.
Nicht aufladenAuch das Laden der Powerbank über eine Bordsteckdose ist untersagt.
Bis 100 WhGeräte bis zu dieser Kapazität dürfen grundsätzlich ohne vorherige Genehmigung mitgeführt werden.
100 bis 160 WhHier ist eine vorherige Zustimmung der Airline notwendig.

Reisende dürfen in der Regel höchstens zwei Powerbanks mitnehmen. Die Geräte sollten unter dem Vordersitz, in der Sitztasche oder am eigenen Körper aufbewahrt werden – nicht unbeaufsichtigt im Gepäckfach. Die Einschränkungen gelten auch bei mehreren anderen Airlines der Lufthansa Group.

Was Reisende vor dem Abflug prüfen sollten

Viele Passagiere achten beim Kauf auf die Milliampere-Stunden-Angabe, übersehen aber die für Flugreisen entscheidende Wattstunden-Zahl. Die Umrechnung lautet:

\text{Wattstunden} = \frac{\text{Milliamperestunden} \times \text{Volt}}{1000}

Eine typische Powerbank mit 20.000 mAh und einer Zellspannung von etwa 3,7 Volt kommt auf rund 74 Wh. Sie liegt damit unter der häufig verwendeten Grenze von 100 Wh. Eine besonders leistungsstarke Powerbank kann diese Grenze jedoch überschreiten, selbst wenn ihre Größe auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich erscheint.

Wer sich fragt, wie lange hält eine Powerbank, sollte nicht nur auf die Kapazität achten. Entscheidend sind auch der Zustand des Akkus, die Zahl der Ladezyklen, die Ausgangsleistung und der Energieverbrauch des angeschlossenen Smartphones. Eine gebrauchte Powerbank mit nachlassender Zellqualität kann sich stärker erwärmen und unzuverlässiger arbeiten als ein neues Modell.

Eine kleine Powerbank ist zwar leichter zu transportieren, aber nicht automatisch sicherer. Auch ein kompaktes Gerät kann bei einem internen Defekt Feuer fangen. Entscheidend sind die Qualität der Zellen, ein funktionierender Überhitzungsschutz und ein stabiles Gehäuse.

Sind Zertifikate ein ausreichender Schutz?

Beim Kauf suchen viele Verbraucher nach einer Powerbank mit CCC-Zertifizierung. Das China Compulsory Certificate kann bei bestimmten Produkten ein Hinweis darauf sein, dass sie chinesische Sicherheits- und Qualitätsanforderungen erfüllen. Für Reisende in Europa sollte dieses Zeichen jedoch nicht als alleinige Sicherheitsgarantie verstanden werden.

Wichtiger ist, ob der Hersteller nachvollziehbare Angaben zur Kapazität macht, Schutzschaltungen integriert und klare Kontaktinformationen bereitstellt. Skepsis ist angebracht, wenn eine Powerbank ungewöhnlich billig ist, eine extrem hohe Kapazität bei sehr geringem Gewicht verspricht oder nur mit widersprüchlichen technischen Daten angeboten wird.

Auch Suchbegriffe wie Powerbanks Stiftung Warentest führen nicht automatisch zu einer eindeutigen Kaufentscheidung. Produkttests können bei Leistung, Ladegeschwindigkeit und Verarbeitung helfen, ersetzen aber nicht die Prüfung der Airline-Regeln. Ein Modell kann im Alltag gut abschneiden und trotzdem wegen seiner Kapazität oder Bauweise für eine konkrete Fluggesellschaft ungeeignet sein.

Was bei einem Akku-Brand zu tun ist

Passagiere sollten eine auffällige Powerbank nicht selbst in das Gepäckfach legen oder unter einer Jacke verstecken. Anzeichen für einen kritischen Defekt können starke Hitze, ein aufgeblähtes Gehäuse, ungewöhnlicher Geruch, Zischen, Rauch oder eine plötzliche Verformung sein.

In einem solchen Fall gilt:

  • Sofort die Kabinenbesatzung informieren.
  • Das Gerät nicht weiter benutzen und nicht an ein Ladekabel anschließen.
  • Die Powerbank nicht mit bloßen Händen anfassen, wenn sie bereits sehr heiß ist.
  • Den Anweisungen der Crew folgen und Abstand halten.
  • Beschädigte Akkus nach der Landung nicht in einen normalen Papierkorb werfen.

Die Besatzung ist für solche Situationen geschult und verfügt über geeignete Löschmittel sowie spezielle Behälter. Eigenmächtige Löschversuche oder das Werfen des Geräts in eine Tasche können die Lage verschlimmern.

Warum die Regeln künftig weiter verschärft werden könnten

Der Vorfall auf dem Lufthansa-Flug macht deutlich, dass ein Brand durch eine Powerbank kein rein theoretisches Risiko ist. Die zunehmende Zahl elektronischer Geräte im Reisegepäck erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass beschädigte Akkus an Bord gelangen.

Für Airlines entstehen daraus mehrere Herausforderungen. Sie müssen Sicherheitsregeln verständlich kommunizieren, Personal schulen und gleichzeitig verhindern, dass Passagiere durch unterschiedliche Vorgaben verschiedener Fluggesellschaften verunsichert werden. Denkbar sind künftig strengere Kontrollen der Wattstunden-Angabe, klarere Kennzeichnungen oder technische Lösungen, mit denen auffällige Akkus schneller erkannt werden.

Auch Hersteller stehen unter Druck. Eine höhere Energiedichte macht Geräte kleiner und leistungsfähiger, erhöht aber die Anforderungen an Qualitätskontrolle und Schutzmechanismen. Der Trend zu extrem günstigen No-Name-Produkten könnte dabei zum Sicherheitsproblem werden, wenn Angaben zur Kapazität nicht stimmen oder minderwertige Zellen verwendet werden.

Der Lufthansa-Zwischenfall endete glimpflich. Dennoch macht er deutlich, dass eine Powerbank kein harmloses Reiseaccessoire ist. Wer sie im Handgepäck transportiert, sollte die Kapazitätsgrenze prüfen, das Gerät vor Beschädigungen schützen und es an Bord weder verwenden noch aufladen. Kleine Vorsichtsmaßnahmen können in großer Höhe entscheidend sein.

Quellen

Brennende Powerbank zwingt Lufthansa-Maschine zur Landung
Powerbank fängt Feuer an Bord: Lufthansa-Flug aus Frankfurt nach Lyon umgeleitet

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