10.10.2026
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Brandenburg-Umfrage: AfD erreicht 40 Prozent – Parteienlandschaft vor einem politischen Umbruch

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@2026 dpa

Brandenburg Politik steht voreinem politischen Warnsignal: In einer neuen Insa-Umfrage kommt die AfD auf 40 Prozent und liegt damit doppelt so hoch wie die SPD von Ministerpräsident Dietmar Woidke. Doch die Zahlen sind keine Wahlprognose. Sie zeigen vielmehr, wie großdie Herausforderung für die Regierungsparteien und wie offen die politische Lage im Landgeworden ist.

Ein Abstand, der die Regierung unter Druck setzt

Die Insa-Erhebung wurde im Auftrag der Märkischen Allgemeinen Zeitung, der Märkischen Oderzeitung und der Lausitzer Rundschau durchgeführt. Zwischen dem 29. September und dem 6. Oktober wurden 1.000 Wahlberechtigte in Brandenburg befragt. Neben der AfD mit 40 Prozent erreicht die SPD 20 Prozent; die CDU fällt auf neun Prozent. Die Linke käme ebenfalls auf neun Prozent, Grüne und BSW jeweils auf sieben Prozent.

Gegenüber der Insa-Umfrage vom März gewinnt die AfD sechs Prozentpunkte hinzu. Die SPD verliert vier Punkte, die CDU fünf. Die Verschiebung ist also nicht allein ein Aufstieg der AfD: Sie geht mit deutlichen Verlusten bei den Parteien einher, die Brandenburg regieren. Zusammen erreichen SPD und CDU in dieser Erhebung nur 29 Prozent.

Das macht die Umfrage politisch bedeutsam. Eine Regierung braucht nicht nur eine Mehrheit im Parlament, sondern auch Vertrauen, um schwierige Entscheidungen zu erklären und durchzusetzen. Wenn die Koalitionsparteien in einer Befragung so weit hinter einer einzelnen Oppositionspartei zurückliegen, wächst der Druck, die eigene Bilanz und die Verbindung zu den Wählerinnen und Wählern neu zu prüfen.

Gleichzeitig wäre es falsch, aus einem Wert von 40 Prozent unmittelbar auf eine künftige Sitzverteilung oder ein Wahlergebnis zu schließen. Die Umfrage hat eine statistische Fehlertoleranz und bildet nur die politische Stimmung zum Zeitpunkt der Befragung ab. Wahlbeteiligung, aktuelle Ereignisse und spätere Entscheidungen der Wählerinnen und Wähler können das Ergebnis verändern.

Warum die 40 Prozent mehr als eine Zahl sind

Ein Umfragewert zeigt zunächst, welche Partei Befragte wählen würden, wenn die Wahl am kommenden Sonntag stattfände. Er erklärt nicht automatisch, warum sie diese Wahlabsicht haben. Dafür braucht es zusätzliche Daten zu Themen, Motiven und sozialen Gruppen. Dennoch ist die Größenordnung bemerkenswert: Die AfD erscheint in dieser Erhebung nicht bloß als eine von mehreren starken Parteien, sondern mit einem Abstand, der die Konkurrenz zur Reaktion zwingt.

Für die SPD ist die Lage besonders heikel. Ministerpräsident Dietmar Woidke kann auf Regierungsverantwortung und Bekanntheit bauen. Zugleich zeigt ein Wert von 20 Prozent, dass die Amtsinhaberschaft allein keine Zustimmung garantiert. Die Partei muss vermitteln, welche konkreten Ergebnisse ihrer Arbeit im Alltag spürbar sind – etwa bei Arbeitsplätzen, Verkehr, medizinischer Versorgung und der Funktionsfähigkeit öffentlicher Einrichtungen. Allgemeine Appelle an Stabilität dürften wenig tragen, wenn Menschen vor Ort den Eindruck haben, dass praktische Probleme ungelöst bleiben.

Auch die CDU steht vor einer strategischen Frage. Neun Prozent wären ein deutlicher Rückschlag für einen Koalitionspartner, der sich als Alternative zur SPD und als Gegengewicht zur AfD positionieren muss. Eine schwache Umfrage kann innerparteiliche Debatten über Kurs, Personal und Profil verschärfen. Doch ein rascher Wechsel der Rhetorik ist nicht automatisch eine Antwort auf Vertrauensverlust. Entscheidend ist, ob die Partei nachvollziehbare Lösungen anbietet und erkennbar für sie einsteht.

Die kleineren Parteien dürfen ihre Werte ebenfalls nicht als sichere Mandate behandeln. Die Linke käme auf neun Prozent, Grüne und BSW jeweils auf sieben. Dass diese Parteien wieder in den Landtag einziehen könnten, hängt nicht nur von ihrer aktuellen Unterstützung ab, sondern auch davon, ob sie bis zur Wahl stabil bleibt. Parteien nahe der Fünf-Prozent-Hürde müssen besonders auf Mobilisierung und Wahlbeteiligung achten.

Brandenburg ist politisch nicht einheitlich

Die Landespolitik wird häufig als Gegensatz zwischen Potsdam und dem ländlichen Raum beschrieben. Das greift zu kurz. Brandenburg umfasst Gemeinden im Berliner Umland mit starkem Zuzug ebenso wie Regionen, die mit Alterung, Wegzug und dünnerer Infrastruktur umgehen müssen. Teile des Metropolenraums wachsen, während andere Gebiete mit sinkenden Einwohnerzahlen und einer älter werdenden Bevölkerung konfrontiert sind. Das Durchschnittsalter in Brandenburg lag Ende 2025 bei 47,7 Jahren.

Diese Bevölkerungsentwicklung Brandenburgs ist für die Politik relevant, weil unterschiedliche Regionen unterschiedliche Erwartungen an den Staat haben. Wo viele neue Einwohner hinzukommen, geht es häufig um Wohnraum, Kitas, Schulen, Verkehr und eine Verwaltung, die mit dem Wachstum Schritt hält. In schrumpfenden oder älter werdenden Regionen stehen dagegen Erreichbarkeit, Versorgungssicherheit, medizinische Angebote und die Zukunft lokaler Einrichtungen stärker im Vordergrund. Diese Interessen sind nicht zwangsläufig gegensätzlich, verlangen aber unterschiedliche Antworten.

Daraus folgt eine wichtige Aufgabe für Parteien: Landespolitik muss regional konkret werden. Wer überall dieselbe Botschaft wiederholt, riskiert, an den tatsächlichen Alltagserfahrungen vorbeizureden. Eine überzeugende politische Ansprache beginnt nicht bei Vermutungen darüber, was Menschen denken, sondern bei nachvollziehbaren Angeboten und überprüfbaren Ergebnissen.

Was Kommunalwahlen zeigen – und was nicht

Die Landratswahl Brandenburg 2026 im Landkreis Barnim liefert ein Beispiel dafür, warum landesweite Umfragen und einzelne Wahlen nicht gleichgesetzt werden sollten. In der Stichwahl am 10. Mai gewann der amtierende SPD-Landrat Daniel Kurth mit 66,1 Prozent gegen den AfD-Kandidaten Matthäus Mikolaszek, der 33,9 Prozent erhielt. Die Wahlbeteiligung lag bei 43,1 Prozent.

Das Ergebnis beweist nicht, dass sich die landesweite Stimmung umgekehrt hätte. Bei einer Landratswahl treten konkrete Personen an; Bekanntheit, Amtsführung, lokale Bündnisse und Themen im Landkreis können eine große Rolle spielen. Es zeigt aber, dass ein hoher AfD-Wert in einer landesweiten Umfrage nicht automatisch bedeutet, dass die Partei jede Direktwahl gewinnt. Lokale Kandidaturen und die Mobilisierung im zweiten Wahlgang können das Resultat deutlich beeinflussen.

Auch die Stichwahlen Brandenburg machen sichtbar, wie stark lokale Bedingungen zählen. In Strausberg stand am 11. Oktober eine Bürgermeister-Stichwahl zwischen zwei parteilosen Kandidaten an. Dort ging es um ein kommunales Amt und eine konkrete Entscheidung vor Ort – nicht um die landesweite Kräfteverteilung zwischen Parteien.

Für die Parteien liegt darin eine strategische Lehre: Bei Wahlen, in denen Personen und lokale Fragen im Mittelpunkt stehen, kann eine glaubwürdige Kandidatin oder ein glaubwürdiger Kandidat entscheidend sein. Bei einer Landtagswahl treten zusätzlich die Regierungsbilanz, die bundespolitische Stimmung und mögliche Koalitionen stärker in den Vordergrund.

Der Blick auf den Bund

Die Brandenburger Umfrage steht in einem bundespolitischen Umfeld, in dem sich die Kräfteverhältnisse ebenfalls bewegen. In einer aktuellen Ipsos-Sonntagsfrage zur Bundestagswahl liegt die AfD bei 28 Prozent, CDU und CSU gemeinsam bei 20 Prozent. Die SPD erreicht 13 Prozent, die Grünen 15 Prozent und die Linke zwölf Prozent. FDP und BSW liegen in dieser Erhebung unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Diese Zahlen sind nicht direkt mit der Brandenburger Umfrage vergleichbar: Es handelt sich um unterschiedliche Befragungen mit unterschiedlichen Bezugsgrößen. Zusammengenommen zeigen sie aber, dass die Diskussion über den Zuspruch zur AfD nicht allein eine regionale ist. Für die Parteien im Land bedeutet das: Landespolitische Botschaften konkurrieren mit bundesweiten Debatten, die Stimmungen verstärken oder überlagern können.

Was jetzt für Brandenburg zählt

Die Umfrage zwingt die Parteien nicht zu einem bestimmten Schritt, wohl aber zu einer ernsthaften Bestandsaufnahme. Die Regierungsparteien müssen erklären, was sie erreicht haben, wo sie gescheitert sind und welche Verbesserungen Bürgerinnen und Bürger in absehbarer Zeit erwarten dürfen. Die Opposition wiederum steht vor der Aufgabe, ihre Unterstützung in dauerhaft tragfähige politische Angebote zu übersetzen.

Für die Wählerschaft bleibt wichtig, zwischen Umfrage und Wahlentscheidung zu unterscheiden. 40 Prozent in einer Befragung sind ein deutliches Signal, aber kein Wahlergebnis und kein sicherer Blick in die Zukunft. Wie sich die politische Stimmung in Brandenburg entwickelt, wird auch davon abhängen, ob Parteien auf konkrete Sorgen eingehen, ob regionale Unterschiede in der Politik berücksichtigt werden und ob die Menschen ihre Stimme tatsächlich abgeben.

Der eigentliche Prüfstein für die kommenden Monate ist deshalb nicht allein, ob die AfD ihren Umfragevorsprung hält. Entscheidend ist ebenso, ob SPD, CDU und die kleineren Parteien wieder überzeugende Gründe liefern können, ihnen Vertrauen zu schenken – in den Städten, im Umland und in den ländlichen Regionen.

Quellen

AfD erreicht in Brandenburg 40 Prozent – SPD halb so stark, CDU nur noch einstellig
Brandenburg: Umfrage: AfD in Brandenburg bei 40 Prozent – CDU einstellig

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