Vor seinem Amtsantritt als Kirchenoberhaupt hatte Papst Leo sowohl der Ukraine als auch Russland angeboten, als Vermittler für einen möglichen Frieden tätig zu werden. Das Ziel: ein kirchlicher Beitrag zur Deeskalation im seit über drei Jahren andauernden Krieg.
Doch der Kreml reagierte ablehnend. Moskau sehe „keine Notwendigkeit für äußere Vermittlung“, hieß es aus Kreisen des russischen Außenministeriums. Für den Vatikan galt dies als diplomatische Brüskierung.
Nun hat Georg Gänswein, ehemaliger Privatsekretär von Papst Benedikt XVI. und heute päpstlicher Nuntius im Baltikum, das russische Verhalten deutlich kritisiert. In einem Interview sprach er von einer „Ohrfeige für die moralische Autorität des Papstes und für alle, die im Frieden eine christliche Pflicht sehen“.
Papst Leos Vermittlungsangebot sollte Brücken bauen
Papst Leo hatte schon vor seinem offiziellen Amtsantritt erklärt, er wolle „die Hand reichen – beiden Völkern gleichermaßen“. Sein Angebot stieß vor allem in der Ukraine auf Zustimmung. Kiew sah darin ein mögliches Signal internationalen Rückhalts.
In Russland hingegen bewertete man die Initiative offenbar als Einmischung in innere Angelegenheiten. Beobachter sprechen von einer gezielten Distanzierung Moskaus von westlich orientierten Friedensinitiativen.
„Papst Leo verstand sein Engagement nicht als politische Initiative, sondern als Akt geistlicher Verantwortung“, sagte Gänswein weiter. „Dass man dies in Moskau anders interpretiert, zeigt, wie tief das Misstrauen inzwischen sitzt.“
Vatikan setzt dennoch auf Dialog
Trotz der Absage will der Vatikan den Draht zu Moskau nicht abbrechen lassen. Nach Angaben des Staatssekretariats soll Leo weiterhin regelmäßig Kontakt zu orthodoxen Kirchenvertretern pflegen. Ziel sei ein langfristiger Verständigungsprozess, der über politische Fronten hinausführt.
„Frieden kann nicht befohlen werden, aber er kann wachsen – aus Begegnung, aus Gebet, aus Dialog“, so Gänswein. Das bleibe auch nach der russischen Ablehnung die Leitlinie der vatikanischen Diplomatie.
Quellen
Gänswein spricht von russischer »Ohrfeige« für Papst Leo
Gänswein: “Eine Ohrfeige für Papst und Vatikan” durch Russland

