In der Zentralafrikanischen Republik (ZAR), einem der ärmsten, aber rohstoffreichsten Länder Afrikas, stehen bald Präsidentschaftswahlen an. Amtsinhaber Faustin-Archange Touadéra gilt als klarer Favorit – nicht zuletzt dank massiver Unterstützung aus Russland. Seit dem Jahr 2018 sichern russische Söldner, die der sogenannten Wagner-Gruppe zugerechnet werden, die Regierung und weite Teile des Landes militärisch ab.
Während westliche Staaten ihre Missionen in der Region schrittweise zurückfahren, hat Russland seinen Einfluss systematisch ausgebaut – durch Militärhilfe, politische Beratung und gezielte Propaganda‑Kampagnen in sozialen Netzwerken.
Macht, Rohstoffe und politische Loyalität
Die Allianz zwischen Bangui und Moskau ist für beide Seiten strategisch nützlich. Touadéra erhält militärische Stabilität und Wahlunterstützung, während Russland Zugang zu lukrativen Rohstoffvorkommen – insbesondere Gold, Diamanten und Uran – bekommt.
Laut Berichten von Reuters und BBC Africa kontrollieren russische Unternehmen inzwischen mehrere Minen im Landesinneren, die unter Schutz der Wagner-Söldner stehen.
Auch im politischen Bereich ist die Präsenz Russlands deutlich spürbar: Russische Berater spielen bei Kommunikationsstrategien eine wichtige Rolle, und staatlich gesteuerte russische Medien verbreiten prorussische Narrative, um die Legitimität Touadéras zu stärken.
Kritik aus dem Westen und Menschenrechtslage
Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch und Amnesty International haben wiederholt über schwere Übergriffe durch russische Söldner berichtet, darunter Hinrichtungen, Folter und Einschüchterung von Oppositionellen.
Die Regierung in Bangui weist diese Vorwürfe regelmäßig zurück und betont, Russland helfe lediglich, „Terrorismus zu bekämpfen“ und die territoriale Integrität zu sichern.
Europäische Staaten, allen voran Frankreich, werfen Russland hingegen vor, ein geopolitisches Machtvakuum zu nutzen, um seinen Einfluss in Afrika auszudehnen – auf Kosten von Demokratie und Menschenrechten.
Russlands geopolitische Strategie in Afrika
Der wachsende Einfluss Russlands in der Zentralafrikanischen Republik ist Teil einer umfassenderen Strategie, Afrika als geopolitisches Gegengewicht zum Westen zu nutzen. Auch in Mali, Sudan und Niger verfolgt Moskau ein ähnliches Muster: Sicherheitsunterstützung gegen politische Loyalität und Zugang zu Rohstoffen.
Analysten sehen diese Politik als Versuch, aus der internationalen Isolation nach dem Angriff auf die Ukraine auszubrechen und neue wirtschaftliche Allianzen zu schaffen.
Ein Land zwischen Abhängigkeit und Stabilität
Ob Faustin-Archange Touadéra mit russischer Unterstützung erneut die Präsidentschaft erringen kann, scheint wahrscheinlich. Doch der Preis dafür ist hoch. Die Abhängigkeit von Moskau könnte die politische Souveränität der Zentralafrikanischen Republik langfristig schwächen und bestehende Konflikte weiter verschärfen.
Quellen
Mit russischer Hilfe wieder Präsident?
Zentralafrikanische Republik wählt – Touadéra setzt für Machterhalt weiter auf russische Unterstützung








