Kanzler Friedrich Merz hat den kalten deutschen Schneewinter vorerst hinter sich gelassen und reist für zwei Tage nach Indien. Sein Ziel ist die Heimatprovinz Gujarat von Premierminister Narendra Modi. Die Reise soll die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Indien nachhaltig stärken. Experten raten jedoch zu Fingerspitzengefühl, um kulturelle und politische Sensibilitäten zu wahren.
Die Delegation unter der Führung von Merz trifft in Ahmedabad ein, der größten Stadt Gujarats. Hier plant der Kanzler Gespräche mit lokalen Politikern und Wirtschaftsvertretern. Gujarat gilt als Indiens Industriemotor und Heimat vieler globaler Konzerne. Merz’ Besuch unterstreicht Deutschlands Interesse an einer intensiveren Partnerschaft.
Hintergrund der Reise
Friedrich Merz, seit Ende 2025 Bundeskanzler, setzt mit dieser Reise ein klares Signal für Deutschlands Außenpolitik in Asien. Indien ist als aufstrebende Weltmacht zentral für deutsche Exporte und Investitionen. Besonders Gujarat, Modis Heimatprovinz, boomt in Sektoren wie Automobilindustrie, Erneuerbaren Energien und Pharmazie.
Der Zeitpunkt ist strategisch gewählt: Mitten im deutschen Winter kontrastiert der Besuch mit sonnigen Temperaturen in Indien. Merz nutzt die Gelegenheit, um bilaterale Projekte voranzutreiben, darunter Kooperationen im Green-Tech-Bereich und Digitalisierung. Laut Regierungsquellen sollen Abkommen zu Lieferketten und Klimaschutz unterzeichnet werden.
Politische und wirtschaftliche Ziele
Wirtschaftlich zielt der Besuch auf eine Vertiefung der Partnerschaft ab. Deutschland exportiert Maschinen, Chemikalien und Autos nach Indien, während Indien IT-Dienste und Pharmazeutika liefert. Gujarat beherbergt Firmen wie Tata und Reliance, die für deutsche Unternehmen interessant sind. Experten schätzen das Handelsvolumen auf über 20 Milliarden Euro jährlich .
Politisch geht es um geopolitische Allianzen. Indien positioniert sich als Gegenpol zu China, was Deutschland gelegen kommt. Merz soll Themen wie Indo-Pazifik-Strategie und Demokratie-Werte ansprechen. Ein Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) rät jedoch: „Fingerspitzengefühl ist gefragt – Modis Hindu-Nationalismus erfordert diplomatische Sensibilität“ .
Expertenrat und Herausforderungen
Dr. Claudia Schwarz, Indien-Expertin am Deutschen Institut für Internationale Politische Forschung (DIIP), betont die Notwendigkeit von Feingefühl. „Gujarat ist Modis Basis, wo Hindutva stark verwurzelt ist. Deutschland sollte Menschenrechte subtil thematisieren, ohne zu provozieren“, so Schwarz in einer Analyse . Zudem mahnt sie zu Vorsicht bei Handelsabkommen, da indische Protektionismus-Tendenzen zunehmen.
Herausforderungen umfassen bürokratische Hürden und kulturelle Unterschiede. Dennoch sehen Beobachter Potenzial: „Die Reise könnte Türen für deutsche Mittelständler öffnen“, prognostiziert Wirtschaftswissenschaftler Prof. Lars Müller .
Ausblick und Bedeutung
Der zweitägige Besuch endet mit einem Fabrikbesuch und einem Dinner mit Modi-Vertretern. Merz kehrt gestärkt zurück, um im Bundestag über Erfolge zu berichten. Langfristig könnte dies Deutschlands Position in Asien festigen. Für Unternehmen aus NRW und Bayern eröffnen sich Chancen.
Quellen
Merz besucht Heimatprovinz von Indiens Premier Modi
Bundeskanzler Merz reist nach Indien