In der AfD sorgt ein geplatztes Treffen mit dem österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner für Aufsehen. Sellner gilt als zentraler Kopf der sogenannten „Identitären Bewegung“ und als Vertreter des Begriffs Remigration, der eng mit rechtsextremen Positionen verbunden ist. Zwei AfD-Bundestagsabgeordnete sollen Sellner zu einer parteinahen Veranstaltung eingeladen haben – offenbar ohne Absprache mit der Parteiführung.
Parteispitze reagiert mit deutlicher Kritik
Die AfD-Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sollen Medienberichten zufolge empört auf die Einladung reagiert haben. Beide betonen seit Monaten den Versuch, die AfD als „bürgerliche Oppositionspartei“ zu positionieren und Distanz zu extremistischen Gruppierungen zu wahren. Das Treffen wurde nach internen Diskussionen kurzfristig abgesagt. Dennoch bleibt der Schaden innerhalb der Partei bestehen – das Vertrauen zwischen den Flügeln scheint weiter zu bröckeln.
„Remigration“ als umstrittenes Schlagwort
Der Begriff Remigration, den Sellner geprägt und propagiert, steht im Zentrum der aktuellen Kontroversen. Unter diesem Schlagwort werden Pläne verstanden, Menschen mit Migrationshintergrund – auch mit deutscher Staatsbürgerschaft – aus politischen oder kulturellen Gründen „zurückzuführen“. Viele Beobachter, darunter Verfassungsschützer, bewerten diese Vorstellungen als rassistisch und verfassungsfeindlich.
Öffentliche Reaktionen und politische Folgen
Politikwissenschaftler warnen, dass die Debatte um Sellner erneut den Spagat der AfD zwischen radikalen Anhängern und gemäßigten Unterstützern offenlegt. Während Teile der Basis eine Öffnung nach rechts befürworten, versucht die Parteiführung, sich im Hinblick auf mögliche Wählergewinne in Ostdeutschland gemäßigter zu geben. Die Absage des Treffens wird daher weniger als klare Distanzierung, sondern eher als Schadensbegrenzung gesehen.
Ausblick: Spaltung in der AfD vertieft sich
Auch nach der Absage bleibt deutlich, dass die AfD weiterhin mit der Frage ringt, wie weit sie sich von extremistischen Akteuren distanzieren kann, ohne ihre Kernwählerschaft zu verlieren. Für die Parteiführung könnte der erneut entfachte Konflikt ein Warnsignal sein – kurz vor mehreren wichtigen Landtagswahlen in diesem Jahr.
Quellen
Wie die AfD über den Umgang mit Sellner diskutiert
AfD-Veranstaltung mit Rechtsextremist Sellner in Brandenburg wird abgesagt