Der Pegelstand der Ostsee liegt derzeit etwa 67 Zentimeter unter dem langjährigen Durchschnitt, ein Rekordtief seit Messbeginn 1886. Dieses Phänomen wurde am schwedischen Pegel Landsort-Norra gemessen und führt zu einem Wassermangel von rund 275 Kubikkilometern.
Ursachen des extremen Tiefs
Wochenlange Ostwinde seit Anfang Januar haben große Wassermengen durch die Meerengen Richtung Nordsee gedrückt. Diese außergewöhnliche Windlage ist der Hauptgrund für den historisch niedrigen Stand, wie das Leibniz-Institut für Ostseeforschung (IOW) in Warnemünde bestätigt. Solche Bedingungen sind selten und treten nur alle Jahrzehnte auf.
Auswirkungen auf Schifffahrt und Ökologie
In Regionen wie Åland-Inseln, Lettland und Estland warnen Behörden vor schwieriger Navigation durch den geringen Wasserstand. Der Eisschwund ist seit 2018 am größten, was zusätzliche Herausforderungen schafft. Ökologisch herrscht in tiefen Becken oft Sauerstoffmangel, der durch den Tiefstand verschärft werden könnte.
Mögliche Folgen: Großer Salzwassereinbruch
Experten prognostizieren mit 80-90 Prozent Wahrscheinlichkeit einen massiven Salzwassereinstrom aus der Nordsee, sobald Westwinde einsetzen. Kaltes, sauerstoffreiches Wasser könnte die Tiefenbelüftung verbessern und Nährstoffbelastungen mindern. Das IOW bereitet Messungen mit dem Forschungsschiff „Elisabeth Mann Borgese“ vor, ähnlich dem Ereignis von 1980.
Ausblick und Beobachtung
Wissenschaftler beobachten Wetterentwicklungen genau, da Pegel unter -20 cm bereits günstig für Einbrüche sind. Der aktuelle Stand von über -67 cm birgt Chancen für ein „Großereignis“. Aktuelle Daten liefern Institutionen wie SMHI und BSH.
Quellen
Pegelstand der Ostsee liegt etwa 67 Zentimeter unter dem Durchschnitt
Historischer Ostsee-Tiefstand macht Hoffnung