Das Ehegattensplitting ist ein steuerliches Verfahren, bei dem das Einkommen von Ehepartnern gemeinsam veranlagt wird. Dadurch wird die Steuerlast insbesondere für Paare mit ungleichem Einkommen gesenkt. Seit Jahren steht dieses System jedoch in der Kritik, weil es vor allem traditionelle Familienmodelle bevorzugt und kaum Anreize für eine gleichberechtigte Erwerbstätigkeit bietet.
Warum fordern viele, das Ehegattensplitting abzuschaffen?
Die Forderung, das Ehegattensplitting abzuschaffen, gewinnt aktuell wieder an Bedeutung. Kritiker argumentieren, dass das Modell veraltet sei und überwiegend Haushalte begünstige, in denen ein Partner – meist die Frau – nicht oder nur in Teilzeit arbeitet. Stattdessen wird vorgeschlagen, die steuerliche Förderung stärker an Kinderbetreuung und Familienleistung zu koppeln, um moderne Familienformen gerechter zu unterstützen.
Welche Parteien fordern eine Reform?
Vor allem die Grünen und Teile der SPD sprechen sich seit Langem dafür aus, das Ehegattensplitting abzuschaffen oder zumindest zu reformieren. Die FDP hingegen plädiert für eine behutsame Anpassung, um bestehende Ehen nicht steuerlich zu benachteiligen. In der Union stößt eine Abschaffung bislang auf großen Widerstand.
Wie könnte ein alternatives Modell aussehen?
Denkbar wäre etwa ein Familiensplitting, das Kinder stärker berücksichtigt und die steuerliche Entlastung gerechter verteilt. Auch eine Individualbesteuerung mit übertragbarem Grundfreibetrag steht zur Diskussion. Welche Lösung sich letztlich durchsetzt, hängt stark von den kommenden Koalitionsverhandlungen und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.
Quellen
SPD-Chef Klingbeil will Ehegattensplitting abschaffen
„Fehlanreiz beseitigen“: Klingbeil plant Abschaffung des Ehegattensplittings und fordert Mehrarbeit