Eine Boeing 747 der Lufthansaist bei der Landung in Los Angeles nur haarscharf an einem Heckaufschlag vorbeigekommen. Der Jumbo-Jet setzte beim ersten Anflug kurz mit dem Hauptfahrwerk auf, brachdie Landung dann ab und zog mit steiler Nase wieder in die Luft – dabei schwebte das Heck des rund 76 Meterlangen Flugzeugs scheinbar nur wenige Zentimeter über der Piste. Die spektakulären Bilder verbreiteten sich innerhalb kurzer Zeit weltweit, doch für die Crew war es vor allem eine Entscheidung nach klaren Sicherheitsregeln.
Der Vorfall ereignete sich am Samstag, den 10. Oktober 2026, auf dem Flug LH 456 von Frankfurt nach Los Angeles. Die Boeing 747-8 näherte sich der Landebahn 24R am Los Angeles International Airport, als die Piloten den Landeanflug abbrachen. Etwa 400 Passagiere befanden sich an Bord. Nach einem zweiten Anflug landete die Maschine gegen 13.45 Uhr Ortszeit sicher – nur rund 15 Minuten später als geplant.
Warum die Bilder so alarmierend wirken
Die Aufnahmen zeigen einen Moment, der für Laien fast wie eine Katastrophe aussieht: Das vierstrahlige Flugzeug berührt die Piste, dann steigt die Nase steil nach oben, während die Triebwerke Schub geben. Gleichzeitig neigt sich der lange Heckbereich der Boeing 747 Richtung Asphalt. Tatsächlich gab es jedoch keinen bestätigten Heckaufschlag; die Maschine konnte sauber wieder steigen und setzte den Flug zum zweiten Landeversuch fort.
Ein Heckaufschlag – im Fachjargon „tail strike“ – entsteht, wenn der hintere Rumpfabschnitt eines Flugzeugs während des Starts oder der Landung den Boden berührt. Bei einem so langen Flugzeug wie der Boeing 747-8 ist der Abstand zwischen Fahrwerk und Heck besonders empfindlich. Schon ein vergleichsweise steiler Nickwinkel kann genügen, damit das Heck den Boden streift.
Gerade deshalb wirkt das Video so dramatisch: Die Boeing 747 ist mit einer Länge von etwa 76 Metern eines der längsten Passagierflugzeuge, die im Linienverkehr eingesetzt werden. Ihre Größe ist für Langstreckenflüge ein Vorteil, verlangt aber von der Cockpitcrew eine sehr präzise Fluglagendosierung – insbesondere in den entscheidenden Sekunden kurz über der Piste.
Was genau bei LH 456 passierte
Der Flug LH 456 war am Samstag gegen 11 Uhr in Frankfurt gestartet. Beim Anflug auf Los Angeles schien die Boeing 747 zunächst länger über der Landebahn zu schweben, bevor die Hauptfahrwerksräder den Asphalt berührten – allerdings offenbar deutlich später als vorgesehen. Für die Piloten konnte das bedeuten, dass der verbleibende Bremsweg knapp wurde. Statt die Landung unter unsicheren Bedingungen fortzusetzen, leiteten sie ein Durchstartmanöver ein.
Beim Durchstarten, englisch „go-around“, gibt die Crew Schub, zieht die Nase des Flugzeugs hoch und fliegt erneut in die Sicherheitszone über dem Flughafen. Dabei bleibt das Fahrwerk zunächst ausgefahren, bis das Flugzeug stabil steigt. Bei der Lufthansa-Boeing 747 führte dieser Nickwinkel dazu, dass das Heck extrem nah an der Piste vorbeizog. Die Crew flog anschließend eine neue Platzrunde und landete beim zweiten Versuch ohne weitere Zwischenfälle.
Lufthansa bestätigte den abgebrochenen ersten Landeanflug, nannte aber zunächst keinen konkreten Grund. Eine Sprecherin betonte, Sicherheit habe bei der Airline stets oberste Priorität. Der spätere sichere zweite Anflug zeigt, dass die Crew den Vorfall kontrolliert beherrschte.
Warum ein Durchstarten kein Fehler ist
Viele Reisende verbinden einen abgebrochenen Landeanflug automatisch mit Gefahr. In der Luftfahrt ist das Gegenteil oft der Fall: Ein Durchstarten ist ein eingeübtes Sicherheitsverfahren, das Piloten jederzeit anwenden dürfen, wenn eine Landung nicht stabil, zu spät, zu schnell oder aus anderen Gründen nicht mehr kontrollierbar erscheint. Auch die Flugsicherung kann ein Durchstarten anordnen, etwa wenn die Landebahn noch nicht frei ist.
Entscheidend ist nicht, ob eine Crew einen Anflug abbricht, sondern wann sie es tut. Eine erfahrene Besatzung bevorzugt in einer Grenzsituation den zweiten Anflug gegenüber einem riskanten Landeversuch. Das kostet zwar Zeit und Treibstoff, schützt aber Passagiere, Besatzung und Flugzeug. Genau diese Logik macht den Vorfall in Los Angeles weniger zu einem „Beinahe-Unfall“ als zu einem Beispiel dafür, wie Sicherheitssysteme im Cockpit funktionieren sollen.
Für Passagiere kann ein solches Manöver dennoch unangenehm sein. Plötzlicher Schub, ein steiler Steigflug und das Gefühl, die Landung sei bereits erfolgt, erzeugen Verunsicherung. Doch die Kombination aus Schub, Nickwinkel und erneutem Steigen ist bei einem Go-around technisch vorgesehen. Die Boeing 747 ist für solche Manöver ausgelegt, auch wenn ihre Länge die Physik anspruchsvoller macht als bei kleineren Modellen.
Die Boeing 747 als besonderer Fall
Die Boeing 747 hat eine besondere Rolle in der Luftfahrtgeschichte. Seit über fünf Jahrzehnten prägt sie den Langstreckenverkehr, und Lufthansa gehört zu den Airlines, die den Jumbo-Jet über viele Jahre hinweg betrieben haben. Die 747-8 ist die größte und modernste Variante des klassischen Jumbo-Jets. Sie bietet auf Interkontinentalrouten viel Kapazität, verfügt über vier Triebwerke und hat eine unverwechselbare Silhouette mit dem charakteristischen „Buckel“ über dem Cockpit.
Für Fluggäste, die sich vor dem Flug mit der Kabine beschäftigen, ist der Lufthansa Boeing 787 9 Sitzplan ein anderes Thema: Die 787-9 ist ein deutlich neueres, zweistrahliges Langstreckenflugzeug und gehört nicht zur 747-Familie. Wer dagegen einen 747 Flugzeug-Flug bucht, erlebt ein Stück Luftfahrtgeschichte – mit vier Triebwerken, großer Kabine und einer Flugzeugklasse, die auf vielen Strecken zunehmend seltener wird. Der Begriff Flugzeug Boeing 747 beschreibt dabei nicht nur ein Modell, sondern eine ganze Ära des internationalen Reiseverkehrs.
Gerade weil die Boeing-747 so groß ist, sind Landungen anspruchsvoll. Die Piloten müssen Geschwindigkeit, Sinkrate, Wind, Gewicht und die verbleibende Pistenlänge ständig abwägen. Ein zu früher Aufsetzen kann hart sein, ein zu spätes Aufsetzen verkürzt den Bremsweg. Wenn die Maschine zudem „floatet“ – also länger als erwartet in der Luft bleibt –, wird die Entscheidung für einen neuen Anflug umso wichtiger.
Was Passagiere aus dem Vorfall lernen können
Der Vorfall zeigt, dass moderne Luftfahrt nicht darauf ausgelegt ist, jede Landung um jeden Preis zu vollenden. Vielmehr gibt es klare Grenzen: Ist ein Anflug nicht stabil, wird er abgebrochen. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um einen Kurzstrecken-Airbus oder eine Boeing 747 handelt. Für Reisende ist die wichtigste Erkenntnis: Ein Durchstarten ist kein Zeichen für Panik im Cockpit, sondern für professionelles Risikomanagement.
Gleichzeitig verdeutlicht der Fall, wie schnell sich ein scheinbar normaler Landeanflug verändern kann. Windböen, ein zu hoher Anflug, eine unerwartete Sinkrate oder eine späte Aufsetzstelle können innerhalb weniger Sekunden eine neue Entscheidung erforderlich machen. Dass die Crew der Boeing 747 sofort reagierte, ist daher der zentrale Sicherheitsaspekt des Tages – nicht der spektakuläre Anblick des Hecks über dem Asphalt.
Folgen für Lufthansa und die Luftfahrt
Ein solcher Vorfall löst in der Praxis üblicherweise interne Prüfungen aus: Flugdatenaufzeichnungen, Cockpitgespräche, Wetterdaten, Pistenbedingungen und die genaue Flugbahn werden ausgewertet. Lufthansa wird dabei prüfen, ob alle Verfahren korrekt eingehalten wurden und ob es Hinweise auf technische oder operative Ursachen gab. Bislang gibt es jedoch keine bestätigte Schadensmeldung an der Boeing 747.
Für die Zukunft bleibt die Boeing 747 ein seltener, aber weiterhin beeindruckender Anblick im internationalen Luftverkehr. Während viele Airlines auf effizientere Zweistrahler umsteigen, behält der Jumbo für bestimmte Langstrecken und hohe Passagierzahlen eine besondere Bedeutung. Der Vorfall in Los Angeles erinnert daran, dass selbst ein erfahrener, großer und technisch ausgereifter boeing-747-Flugzeugtyp in kritischen Momenten von der schnellen Entscheidung seiner Crew abhängt.
Am Ende landete die Lufthansa-Maschine sicher, die Passagiere kamen in Los Angeles an, und das Flugzeug konnte seinen Betrieb fortsetzen. Das Video bleibt dennoch eindrücklich: Es zeigt nicht nur, wie nah eine Boeing 747 dem Boden kommen kann, sondern auch, warum Piloten im Zweifel lieber neu ansetzen, statt ein unsicheres Manöver zu riskieren.
Quellen
Lufthansa-Jumbo setzt bei Landung fast mit Heck auf|
Lufthansa-Boeing 747-8 entgeht am LAX um Haaresbreite einem Heck-Aufprall, als die Piloten die Landung abbrechen






