Ducks – Oilers endete am Mittwochabend mit einem deutlichen 5:2 für Edmonton. Dabei sah zunächst alles nach einem kontrollierten Heimsieg der Anaheim Ducks aus. Zwei Überzahltreffer von Beckett Sennecke brachten die Gastgebermit 2:0 in Führung. Doch innerhalb von 20 Minuten veränderte sich das Spiel vollständig: Die Oilers erzielten fünf Tore im zweiten Drittel und ließen Anaheim danach keine realistische Chance mehr auf ein Comeback.
Ein Spiel mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern
Die Partie zwischen den Ducks – Oilers begann mit einem klaren Vorteil für Anaheim. Die Ducks nutzten ihre erste große Stärke des Abends konsequent aus: das Powerplay. Beckett Sennecke traf zweimal mit einem Mann mehr auf dem Eis und sorgte damit für eine komfortable Führung nach dem ersten Drittel.
Für Sennecke war dieser Auftritt besonders bemerkenswert. Nachdem er in seiner Rookie-Saison nur einen Überzahltreffer erzielt hatte, gelangen ihm nun gleich zwei Tore in derselben Partie. Gemeinsam mit Leo Carlsson, der zwei Assists beisteuerte, hielt er die Offensive der Ducks zunächst am Laufen.
Edmonton wirkte in den ersten 20 Minuten dagegen ungewöhnlich passiv. Die Oilers kamen nur schwer in ihren Rhythmus, produzierten wenig gefährliche Abschlüsse und hatten Probleme, die Räume im Zentrum zu kontrollieren. Die 0:2-Führung der Ducks war deshalb nicht unverdient.
Doch das Spiel kippte unmittelbar nach der ersten Pause.
Bouchard eröffnet die Wende
Nur elf Sekunden nach Beginn des zweiten Drittels verkürzte Evan Bouchard auf 1:2. Sein Schuss von der blauen Linie ging durch mehrere Spieler hindurch und überraschte Torhüter Lukas Dostal. Der Treffer war nicht nur wegen des frühen Zeitpunkts wichtig. Er gab Edmonton sofort das Signal, dass die Partie noch nicht verloren war.
Bouchard übernahm anschließend immer mehr Verantwortung. Der Verteidiger agierte nicht nur als Absicherung im eigenen Drittel, sondern suchte konsequent den Abschluss. Seine Schüsse kamen schnell, präzise und häufig aus Positionen, in denen Torhüter nur eingeschränkte Sicht hatten.
Der Ausgleich fiel in der sechsten Minute des zweiten Drittels. Kasperi Kapanen erzielte im Powerplay sein 100. NHL-Tor. Connor McDavid und Bouchard waren an der Vorbereitung beteiligt. Damit war die Partie wieder offen, doch Edmonton hatte nun deutlich mehr Kontrolle über Tempo und Puckbesitz.
Bouchard blieb der entscheidende Faktor. In der 15. Minute nahm er einen Pass von Leon Draisaitl direkt und brachte die Oilers mit einem weiteren Schuss von oben im Slot erstmals in Führung. Es war sein sechstes Saisontor nach gerade einmal vier Spielen.
Historischer Saisonstart für den Verteidiger
Bouchards Zahlen sind für einen Verteidiger außergewöhnlich. Mit sechs Toren in den ersten vier Saisonspielen stellte er einen historischen Wert auf. In der NHL-Geschichte gelang es zuvor nur Harry Cameron, in diesem Zeitraum noch mehr Tore zu erzielen. Cameron kam in der Premierensaison der Liga 1917/18 auf acht Treffer.
Darüber hinaus gehört Bouchard zu einer kleinen Gruppe von Verteidigern, die nach vier Spielen mindestens zehn Scorerpunkte gesammelt haben. Zuletzt war Morgan Rielly in der Saison 2018/19 in dieser Statistik vertreten.
Die Bedeutung dieser Entwicklung geht über eine kurze Erfolgsserie hinaus. Bouchard ist für Edmonton inzwischen weit mehr als ein offensivstarker Abwehrspieler. Er ist ein zentraler Bestandteil der Angriffsauslösung, eine wichtige Option im Powerplay und ein Spieler, der durch seine Schussqualität ganze Defensivsysteme auseinanderziehen kann.
Seine Stärke liegt vor allem darin, dass er nicht lange zögert. Viele Verteidiger benötigen zusätzliche Sekunden, um eine Schussbahn zu finden. Bouchard nutzt dagegen kleinste Lücken. Sobald sich ein Mitspieler vor dem Tor positioniert oder ein Pass in den oberen Slot kommt, folgt häufig unmittelbar der Abschluss.
Draisaitl kontrolliert das Spiel aus dem Hintergrund
Während Bouchard im Mittelpunkt der Schlagzeilen stand, war Leon Draisaitl der wichtigste Organisator des Comebacks. Der deutsche Stürmer bereitete vier Treffer vor und beeinflusste damit nahezu jede entscheidende Offensivaktion der Oilers.
Draisaitl überzeugte besonders mit seiner Übersicht. Sein Pass auf Vasily Podkolzin leitete das vierte Tor ein. Podkolzin war hinter die Abwehr der Ducks gelangt und verwertete den präzisen Zuspielversuch im Alleingang.
Diese Szene zeigte ein grundlegendes Problem der Ducks: Nach dem Ausgleich verloren sie ihre defensive Ordnung. Die Abstände zwischen den Linien wurden größer, Pässe im Zentrum kamen zu leicht durch und die Verteidiger mussten immer häufiger rückwärts reagieren. Gegen einen Spieler wie Draisaitl kann eine solche Unordnung innerhalb weniger Sekunden bestraft werden.
Auch Connor McDavid war erneut entscheidend beteiligt. Der Kapitän erzielte den letzten Treffer des zweiten Drittels und sammelte insgesamt drei Scorerpunkte. Bei einer Vier-gegen-vier-Situation nutzte er seine Geschwindigkeit, zog in die Angriffszone und schob den Puck durch die Beine von Dostal.
McDavid kam damit auf zwölf Punkte in den ersten vier Saisonspielen. Edmonton verfügt somit nicht nur über eine starke erste Reihe, sondern über mehrere Spieler, die ein Spiel in kurzer Zeit vollständig verändern können.
Torhüterwechsel symbolisiert Anas Einbruch
Für Lukas Dostal wurde der zweite Abschnitt zu einem besonders schwierigen Drittel. Nach fünf Gegentoren bei elf Schüssen wurde er zum Beginn des dritten Drittels durch Ville Husso ersetzt. Der Torhüter war nicht an allen Treffern allein verantwortlich, denn mehrere Abschlüsse waren verdeckt oder entstanden nach Fehlern in der Defensive.
Dennoch zeigte der Torwartwechsel, wie stark die Partie aus Sicht der Ducks außer Kontrolle geraten war. Im ersten Drittel hatte Dostal noch wichtige Aktionen gezeigt und die Führung abgesichert. Nach dem frühen Gegentor von Bouchard verlor Anaheim jedoch die Stabilität vor dem eigenen Tor.
Die Oilers erkannten schnell, dass Schüsse aus der Distanz mit Verkehr vor dem Tor besonders wirkungsvoll waren. Bouchards beide Treffer entstanden aus Situationen, in denen Dostal die Flugbahn des Pucks nur spät erkennen konnte. Für Anaheim wird es wichtig sein, künftig die Sicht des Torhüters besser zu schützen und gegnerische Schützen früher unter Druck zu setzen.
Anaheim findet positive Ansätze trotz Niederlage
Die Niederlage darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ducks auch überzeugende Momente zeigten. Das Powerplay funktionierte im ersten Drittel hervorragend, und Sennecke bewies, dass er in dieser Saison eine größere offensive Rolle übernehmen kann.
Auch Leo Carlsson war an mehreren gefährlichen Aktionen beteiligt. Die Ducks zeigten zunächst eine gute Mischung aus Bewegung, direktem Passspiel und Präsenz im Slot. Das Problem lag weniger im offensiven Potenzial als in der fehlenden Reaktion auf den Druck der Oilers.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt außerdem Nikita Klepov. Der 18-jährige Flügelstürmer gab sein NHL-Debüt und wurde mit 18 Jahren und 102 Tagen zum jüngsten Spieler der Franchise-Geschichte. Für Anaheim ist seine Entwicklung langfristig von großer Bedeutung. Klepov muss nicht sofort eine tragende Rolle übernehmen, doch seine ersten Einsätze liefern dem Trainerstab wichtige Hinweise darauf, wie schnell er sich an das Tempo und die körperliche Intensität der NHL anpassen kann.
Was das Ergebnis für beide Teams bedeutet
Für Edmonton war der Sieg der dritte Erfolg in Serie. Noch wichtiger als das Ergebnis dürfte jedoch die Art des Comebacks sein. Die Oilers gerieten früh mit 0:2 in Rückstand, blieben aber geduldig und steigerten nach der Pause deutlich ihr Tempo.
Die Partie zeigte, dass Edmonton auch dann gefährlich bleibt, wenn McDavid und Draisaitl nicht sofort dominieren. Bouchard, Kapanen und Podkolzin übernahmen Verantwortung und sorgten dafür, dass die Oilers nicht allein von ihren beiden Superstars abhängig waren.
Für Anaheim ist die Niederlage eine Warnung, aber kein Grund zur Panik. Die Ducks hatten zuvor zwei Spiele gewonnen und zeigten im ersten Drittel, dass sie offensiv mit Edmonton mithalten können. Entscheidend wird sein, ob sie künftig über 60 Minuten dieselbe Konzentration aufrechterhalten.
Ausblick auf die nächsten Spiele
Der Auftritt von Bouchard verändert die Erwartungen an Edmonton. Sollte der Verteidiger seine aktuelle Form auch nur annähernd fortsetzen, wird er zu einer der größten offensiven Waffen der Liga gehören. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass er dauerhaft in diesem außergewöhnlichen Tempo Tore erzielt. Für die Oilers zählt deshalb vor allem, dass seine offensive Entwicklung mit defensiver Zuverlässigkeit verbunden bleibt.
Anaheim muss dagegen seine Reaktion auf Gegentore verbessern. Das erste Gegentor nach der Pause brachte Edmonton zurück ins Spiel, doch die folgenden Treffer fielen auch deshalb, weil die Ducks ihre Struktur verloren. Ein Team mit Ambitionen kann eine Führung nicht nur durch gutes Powerplay, sondern auch durch kontrolliertes Spiel bei gleicher Mannschaftsstärke verteidigen.
Das Duell Ducks – Oilers war deshalb mehr als ein früher Saisonvergleich. Es zeigte den Unterschied zwischen einem Team, das eine Führung aufbauen kann, und einem Gegner, der ein Spiel innerhalb weniger Minuten komplett an sich reißt. Edmonton nutzte seine Erfahrung, seine individuelle Qualität und die herausragende Form von Evan Bouchard. Anaheim bleibt vielversprechend, muss aber lernen, solche Spiele nicht innerhalb eines einzigen Drittels aus der Hand zu geben.
Quellen
Die Ducks können Evan Bouchard nicht bremsen und verlieren gegen Edmonton
NHL-Zusammenfassung: Leon Draisaitl verbucht 4 Vorlagen, als die Oilers die Ducks überrollen






