Preisgeld in Höhe von 5,5 MillionenUS-Dollar klingt nach dem perfekten Abschluss eines historischen Tennisabends. Alexander Zverev hat sich bei den US Open 2026 mit einem Sieg gegen Ben Shelton nicht nur seinen ersten Titel in New York gesichert, sondern auch den bislang größten Siegerbonus der Grand-Slam-Geschichte. Doch die Summe auf dem Scheck ist nicht mit dem Betrag identisch, der letztlichauf seinem Konto landet.
Nach Berechnungen verschiedener Medien müssen von Zverevs Preisgeld voraussichtlich mehr als 2,5 Millionen US-Dollar an den amerikanischen Fiskus abgeführt werden. Übrig bleiben damit ungefähr 2,9 bis 3 Millionen Dollar – je nach steuerlicher Einordnung, Abzügen und persönlicher Situation des deutschen Tennisstars. Die oft verwendete Schlagzeile vom „halben Preisgeld“ ist deshalb zwar zugespitzt, trifft die Größenordnung aber durchaus.
Der sportliche Wert des Sieges
Zverev bezwang den amerikanischen Lokalmatadoren Ben Shelton im Finale mit 6:3, 7:6, 5:7 und 6:2. Der Erfolg war sportlich besonders bedeutsam, weil der Deutsche damit eine offene Rechnung in New York beglich. Vor sechs Jahren hatte er im US-Open-Finale gegen Dominic Thiem bereits mit zwei Sätzen geführt, ehe ihm der Titel noch entglitt.
2026 verlief die Geschichte anders. Zverev blieb auch nach dem verlorenen dritten Satz stabil und ließ Shelton im entscheidenden Durchgang keine echte Chance mehr. Der Erfolg ist zugleich sein zweiter Grand-Slam-Titel innerhalb eines Jahres. Nach dem Triumph bei den French Open hat sich der 29-Jährige damit endgültig in der Spitzengruppe des Welttennis etabliert.
Das Preisgeld ist deshalb nur ein Teil der Bedeutung dieses Erfolgs. Ein Grand-Slam-Titel bringt zusätzlich Weltranglistenpunkte, langfristige Sponsorenverträge, höhere Antrittsgagen und eine größere internationale Reichweite. Der wirtschaftliche Gesamtwert des Sieges dürfte daher deutlich über den 5,5 Millionen US-Dollar liegen.
Rekordsumme in New York
Die US Open haben den finanziellen Rahmen 2026 deutlich erweitert. Insgesamt wurden beim Turnier 108 Millionen US-Dollar an die Spielerinnen und Spieler ausgeschüttet. Das entspricht einem Anstieg von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Der Sieger und die Siegerin im Einzel erhielten jeweils 5,5 Millionen US-Dollar. Auch Elena Rybakina bekam für ihren Erfolg im Damenfeld denselben Betrag. Damit setzte der Veranstalter ein klares Zeichen für gleiche Ausschüttungen im Männer- und Frauentennis.
| Runde | Preisgeld im Einzel |
|---|---|
| Sieger | 5,5 Millionen US-Dollar |
| Finalist | 2,8 Millionen US-Dollar |
| Halbfinale | 1,45 Millionen US-Dollar |
| Viertelfinale | 780.000 US-Dollar |
| Achtelfinale | 480.000 US-Dollar |
| Erste Runde | 140.000 US-Dollar |
Auch für Spieler, die früh ausscheiden, ist das Preisgeld inzwischen erheblich. Wer nur im Hauptfeld antritt, erhält bereits 140.000 US-Dollar. Das verbessert die finanzielle Situation vieler Profis, darf aber nicht mit einem sicheren Gewinn verwechselt werden. Reisekosten, Trainergehälter, medizinische Betreuung, Physiotherapie, Managementprovisionen und Steuern reduzieren den tatsächlichen Ertrag beträchtlich.
Warum New York so teuer wird
Der entscheidende Faktor bei Zverevs Rechnung ist der Austragungsort. Einnahmen, die während eines Turniers in New York erzielt werden, können dort steuerlich berücksichtigt werden – auch wenn der Sportler seinen Lebensmittelpunkt nicht im Bundesstaat hat.
Für das US-Open-Preisgeld werden in den vorliegenden Berechnungen zwei große Positionen genannt. Zum einen fällt eine Steuer des Bundesstaates New York an. Sie wird mit etwa 9,65 Prozent angesetzt. Bei 5,5 Millionen US-Dollar entspricht das ungefähr 530.000 US-Dollar.
Hinzu kommt die amerikanische Bundessteuer. Für sehr hohe Einkommen gilt ein Spitzensteuersatz von 37 Prozent. Auf dieser Grundlage werden rund 2,035 Millionen US-Dollar an Bundesabgaben errechnet. Zusammen ergibt sich eine Belastung von ungefähr 2,58 Millionen US-Dollar.
| Rechnung | Betrag |
|---|---|
| Brutto-Preisgeld | 5.500.000 US-Dollar |
| New York State Tax, rund 9,65 Prozent | ca. 531.000 US-Dollar |
| Bundessteuer, berechnet mit 37 Prozent | ca. 2.035.000 US-Dollar |
| Geschätzte Abgaben insgesamt | ca. 2.566.000 US-Dollar |
| Voraussichtlicher Restbetrag | rund 2,9 Millionen US-Dollar |
Diese Darstellung ist eine vereinfachte Modellrechnung und keine individuelle Steuerberatung. In der Praxis können Abzüge, Anrechnungsmöglichkeiten, Unternehmensstrukturen, Quellensteuern, Wohnsitzfragen und weitere Einkünfte die genaue Summe verändern.
Monaco ist kein kompletter Freifahrtschein
Zverev lebt seit Jahren in Monaco. Das Fürstentum erhebt grundsätzlich keine allgemeine Einkommensteuer für die meisten dort ansässigen Privatpersonen. Daraus entsteht jedoch nicht automatisch die Möglichkeit, sämtliche sportlichen Einnahmen steuerfrei zu beziehen.
Bei internationalen Sportlern wird häufig unterschieden, wo eine Leistung erbracht wurde. Ein Tennisspieler, der in New York antritt und dort sein Preisgeld verdient, kann für diesen Teil seiner Einkünfte in den Vereinigten Staaten steuerpflichtig sein. Der Wohnsitz in Monaco verhindert diese sogenannte Quellenbesteuerung nicht.
Monaco kann bei anderen Einkommensarten eine wichtige Rolle spielen. Einnahmen aus Sponsoring, Werbeverträgen oder bestimmten geschäftlichen Aktivitäten werden jedoch jeweils nach den geltenden Regeln und Vertragskonstruktionen beurteilt. Die einfache Formel „Monaco bedeutet keine Steuern“ greift daher zu kurz.
Kein Bestechungsgeld, kein Handgeld
In der öffentlichen Diskussion werden hohe Zahlungen im Sport gelegentlich salopp als Bestechungsgeld oder Handgeld bezeichnet. Im Fall des US Open handelt es sich jedoch um reguläres Turnier-Preisgeld. Die Zahlung ist an eine sportliche Gegenleistung gekoppelt: Zverev musste das gesamte Turnier gewinnen, um den Hauptbetrag zu erhalten.
Ein Sponsorenbonus kann ebenfalls als zusätzliche Gegenleistung für Werbeauftritte, Markenpräsenz oder exklusive Vertragsrechte vereinbart werden. Das ist wirtschaftlich etwas anderes als das vom Veranstalter ausgeschüttete Preisgeld. Auch der Begriff „Preisgebe“ passt hier nicht als Bezeichnung für den Betrag; korrekt ist die Rede vom Preisgeld oder von der Siegprämie.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Einnahmen im Profisport aus mehreren Quellen stammen. Neben Turnierzahlungen gibt es Antrittsgagen, Erfolgsboni, Werbeverträge, Lizenzvereinbarungen und Einnahmen aus persönlichen Markenrechten. Für Zverev dürfte der US-Open-Titel deshalb nicht nur einmalig auf dem Konto sichtbar werden.
Vergleich mit Boris Becker
Der Blick auf frühere Generationen zeigt, wie stark das Preisgeld im Tennis gestiegen ist. Boris Becker gewann während seiner aktiven Karriere 49 Turniere, darunter sechs Grand-Slam-Titel. Nach den vorliegenden Angaben kam er in seiner Profizeit auf rund 25 Millionen US-Dollar an Turnier-Preisgeld.
Zverev hat mit 26 Turniersiegen bereits rund 74 Millionen US-Dollar an offiziellen Preisgeldern gesammelt. Der Vergleich ist allerdings nicht vollständig, weil zwischen den Karrieren mehrere Jahrzehnte liegen. Inflation, steigende Fernseheinnahmen, größere Sponsorenbudgets und die globale Vermarktung des Tennis haben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend verändert.
Auch die Kosten sind gestiegen. Topspieler reisen mit größeren Teams, beschäftigen Spezialtrainer und investieren hohe Summen in Regeneration, Datenanalyse und Verletzungsprävention. Ein höheres Preisgeld bedeutet daher nicht automatisch einen entsprechend höheren Nettogewinn.
Was der Rekord für den Tennissport bedeutet
Die Entwicklung in New York dürfte den Wettbewerb zwischen den Grand-Slam-Turnieren weiter verschärfen. Veranstalter stehen unter Druck, ihre Prämien zu erhöhen, wenn sie die besten Spieler langfristig binden und ihre globale Bedeutung behaupten wollen.
Für die Topstars ist ein Rekord-Preisgeld attraktiv. Für die breite Masse der Profis ist jedoch entscheidender, wie viel Geld in den frühen Runden und bei kleineren Turnieren ausgeschüttet wird. Ein größerer Hauptgewinn hilft vor allem den wenigen Siegern. Eine bessere Verteilung könnte dagegen die gesamte Tour stabilisieren.
Der US Open 2026 zeigt zudem, dass gleiche Zahlungen im Männer- und Frauenfeld inzwischen als internationaler Standard präsentiert werden können. Das stärkt die wirtschaftliche Position des Frauentennis und erhöht den Druck auf andere Wettbewerbe, vergleichbare Modelle umzusetzen.
Der eigentliche Gewinn für Zverev
Selbst wenn Zverev von seinem 5,5-Millionen-Dollar-Preisgeld am Ende nur ungefähr 2,9 Millionen Dollar behält, bleibt der US-Open-Triumph finanziell außerordentlich wertvoll. Der Titel erhöht seine Bekanntheit in den USA, stärkt seine Verhandlungsposition gegenüber Sponsoren und verbessert seine Ausgangslage für künftige Turniere.
Vor allem aber verändert der Sieg seine sportliche Erzählung. Aus dem Spieler, der in New York einst eine große Führung verspielte, ist der Champion geworden, der den entscheidenden Moment diesmal kontrollierte. Die Steuerbehörden nehmen ihm einen erheblichen Teil der Prämie ab – den historischen Wert seines Sieges können sie jedoch nicht schmälern.
Quellen
Soviel Geld muss Zverev von seiner Prämie abgeben
Zverev und Rybakina, US-Open-Sieger mit einem Preisgeld von 5,5 Millionen Dollar






