Emirates Cup: Arsenal hat die Rückkehr ins heimische Emirates Stadium nicht mit einem Sieg gefeiert. Beim 2:3 gegen Borussia Dortmund zeigte die Mannschaft von Mikel Arteta zwar Moralund gewann das anschließende Elfmeterschießen, offenbarte jedoch mehrere Baustellen, die vor dem Pflichtspielstart noch bearbeitet werden müssen.
Die Partie war mehr als ein gewöhnliches Vorbereitungsspiel. Nach der Rückkehr ins Stadion, in dem Arsenal zuletzt die Premier-League-Meisterschaft gefeiert hatte, wollten die Londoner ihren Fans ein Zeichen geben. Statt eines überzeugenden Auftritts gab es jedoch eine wechselhafte Begegnung mit guten Ansätzen, defensiven Fehlern und zahlreichen Wechseln.
Dortmund nutzt Arsenals Schwächen konsequent aus
Borussia Dortmund trat nicht über die gesamte Spielzeit überlegen auf. Die deutsche Mannschaft war jedoch in den entscheidenden Situationen effizienter. Besonders bei schnellen Angriffen und nach Standards offenbarte Arsenal Lücken, die auf höherem Niveau sofort bestraft werden können.
Das 1:0 entstand aus einer Szene, in der Samuele Inacio hinter die Arsenal-Abwehr startete. Die Abstimmung zwischen Cristhian Mosquera und seinen Nebenleuten stimmte nicht, sodass Inacio frei abschließen konnte. Torhüter Kepa Arrizabalaga war bei diesem Abschluss ebenso machtlos wie beim zweiten Gegentreffer.
Konstantino Karetsas erhöhte mit einem technisch starken Schlenzer. Vorausgegangen war ein Ballverlust von Riccardo Calafiori in einer offensiven Position. Der italienische Außenverteidiger ist für Arsenals Angriffsspiel von großer Bedeutung, weil er sich regelmäßig weit nach vorne einschaltet. Genau dieses Risiko wurde diesmal jedoch zum Problem.
Der dritte Treffer der Dortmunder fiel nach einer Ecke. Joane Gadou reagierte im Strafraum am schnellsten und verwertete die Möglichkeit. Dass Arsenal bei einem ruhenden Ball erneut nicht konsequent genug verteidigte, dürfte Arteta besonders beschäftigen. In engen Premier-League-Spielen entscheiden solche Situationen oft über Punkte oder Niederlagen.
Arsenal zeigt Reaktion, aber keine Kontrolle
Trotz des Rückstands gab Arsenal die Partie nicht auf. Nach mehreren Wechseln kam mehr Bewegung in das Offensivspiel. Ethan Nwaneri sorgte für den ersten Treffer der Gastgeber und brachte damit neue Energie in die Begegnung.
Der junge Mittelfeldspieler war nicht nur wegen seines Tores auffällig. Nwaneri suchte aktiv die Räume zwischen den Dortmunder Linien, forderte den Ball und zwang den gegnerischen Torhüter später noch zu einer starken Parade. Sein Auftritt war ein Hinweis darauf, dass Arsenal in der kommenden Saison auch aus den eigenen Reihen zusätzliche Kreativität erwarten kann.
Christos Tzolis spielte ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Offensivspieler fiel bereits mit gefährlichen Hereingaben bei Standardsituationen auf und bereitete Nwaneris Treffer vor. Seine Aktionen gaben Arsenal eine direkte Möglichkeit, Dortmund unter Druck zu setzen, nachdem das Positionsspiel über weite Strecken zu statisch gewirkt hatte.
Den zweiten Arsenal-Treffer erzielte Viktor Gyökeres vom Elfmeterpunkt. Der Stürmer war zuvor mit viel Einsatz unterwegs, konnte seine Qualitäten im Abschluss aber nur teilweise zeigen. In der ersten Halbzeit traf Gyökeres die Latte, später verwandelte er den Strafstoß souverän genug, auch wenn der Ball eher kontrolliert als spektakulär im Netz landete.
Gyökeres braucht noch Rhythmus
Die Partie lieferte kein endgültiges Urteil über den neuen Angreifer. Gyökeres arbeitete viel, bot sich an und bewegte sich aufmerksam in der Spitze. Gleichzeitig fehlte ihm in einigen Situationen die letzte Präzision. Gerade bei Arsenal wird von einem Mittelstürmer erwartet, dass er wenige Chancen in Tore verwandelt.
Sein Lattentreffer zeigte, dass er sich in gefährliche Positionen bringen kann. Allerdings war auch zu erkennen, dass die Abstimmung mit den Mitspielern noch nicht vollständig funktioniert. Laufwege, Passzeitpunkte und die Verbindung zum Mittelfeld müssen sich in der Vorbereitung erst entwickeln.
Ein einzelnes Spiel im Emirates Cup sollte deshalb nicht überbewertet werden. Vorbereitungsspiele sind häufig von vielen Wechseln, unterschiedlichen Fitnessständen und taktischen Experimenten geprägt. Dennoch geben sie Hinweise darauf, wie schnell ein Neuzugang die Abläufe seiner neuen Mannschaft versteht.
Odegaard feiert sein Comeback
Martin Odegaard stand erstmals in dieser Saisonvorbereitung wieder auf dem Platz, nachdem er von der Weltmeisterschaft zurückgekehrt war. Der Kapitän spielte zunächst nur rund 30 Minuten, zeigte in dieser kurzen Zeit aber einige positive Ansätze.
Besonders ein Pass auf Kai Havertz fiel auf, weil Odegaard damit die Dortmunder Defensive öffnete. Solche Momente machen deutlich, wie wichtig der Norweger für Arsenals Rhythmus und Kreativität ist. Seine frühe Auswechslung war angesichts des Aufbaus der Fitness nachvollziehbar und kein Anlass zur Sorge.
Kai Havertz wurde erneut im Mittelfeld eingesetzt. Dort war der deutsche Nationalspieler allerdings nur selten in längere Ballbesitzphasen eingebunden. Eine gute Kopfballchance hatte Havertz, insgesamt blieb sein Einfluss auf das Spiel jedoch begrenzt. Seine Rolle im Zentrum könnte weiterhin ein taktischer Schwerpunkt der Vorbereitung sein.
Arteta testet damit unterschiedliche Möglichkeiten, um die Balance zwischen Körperlichkeit, Ballbesitz und Torgefahr zu verbessern. Havertz kann durch seine Größe und Laufstärke helfen, benötigt dafür aber eine klarere Einbindung in die offensiven Abläufe.
Ben White überzeugt, Talente sammeln Argumente
Während die Arsenal-Abwehr insgesamt nicht immer sicher wirkte, hinterließ Ben White einen besonders positiven Eindruck. Der englische Nationalspieler präsentierte sich körperlich fit, aufmerksam und stabil. In seiner Einsatzzeit war White der überzeugendste Akteur der Viererkette.
Auch Piero Hincapie konnte nach seiner Einwechslung Akzente setzen und zeigte, dass er Schritt für Schritt mehr Spielpraxis erhält. Für ihn geht es in den kommenden Wochen vor allem darum, defensive Automatismen und die Abstimmung mit den Nebenleuten zu verbessern.
Besonders interessant war der Auftritt von Marli Salmon. Der erst 16 Jahre alte Innenverteidiger erhielt seine Chance und nutzte sie mit engagierten Zweikämpfen, einem starken Kopfball und einigen guten Tacklings. Die Reaktionen des Publikums zeigten, dass seine Leistung wahrgenommen wurde.
Solche Einsätze sind für junge Spieler enorm wertvoll. Sie müssen nicht sofort eine Partie entscheiden. Entscheidend ist, ob sie mutig auftreten, taktische Vorgaben umsetzen und körperlich gegen erfahrene Gegner bestehen können. Salmon erfüllte diese Anforderungen in den letzten Spielabschnitten überzeugend.
Auch Max Dowman deutete sein Potenzial an. Der 16-Jährige setzte sich auf dem Flügel gegen seinen Gegenspieler durch und bereitete eine Chance für Gyökeres vor. Zwar war seine Leistung nicht über die komplette Partie hinweg konstant, doch seine technische Qualität und sein Mut im Eins-gegen-eins waren deutlich erkennbar.
Das Elfmeterschießen bringt einen positiven Abschluss
Nach dem Schlusspfiff wurde unabhängig vom Ergebnis ein Elfmeterschießen vereinbart. Arsenal setzte sich dabei durch. Gabriel Jesus, Fabio Vieira, Piero Hincapie, Gabriel Martinelli und Ethan Nwaneri verwandelten ihre Versuche.
Der Erfolg im Elfmeterschießen verändert nichts an der Niederlage im Spiel, sorgt aber für einen versöhnlicheren Abschluss. Für die Spieler bietet diese Übung außerdem die Möglichkeit, unter einer gewissen Drucksituation Verantwortung zu übernehmen. Gerade für jüngere Akteure kann ein sicher verwandelter Elfmeter zusätzliches Selbstvertrauen schaffen.
Nwaneri gehörte dabei zu den Spielern, die ihren positiven Eindruck bestätigen konnten. Auch Hincapie nutzte seine Chance. Andere Akteure wie Gabriel Jesus oder Fabio Vieira blieben während ihrer kurzen Einsatzzeit dagegen weitgehend unauffällig, was angesichts der vielen späten Wechsel nur eingeschränkt bewertet werden sollte.
Was Arteta aus dem Emirates Cup mitnimmt
Der Emirates Cup hat Arsenal vor allem gezeigt, dass die Mannschaft noch nicht über die notwendige Stabilität verfügt. Die Defensive muss bei Tiefenläufen und Standards konzentrierter arbeiten. Im Mittelfeld braucht es mehr Kontrolle, während die Offensive ihre Chancen konsequenter verwerten muss.
Gleichzeitig gab es ausreichend positive Signale. Odegaard ist wieder verfügbar, White wirkt bereit, Nwaneri drängt sich auf und mehrere Nachwuchsspieler sammeln wichtige Erfahrungen. Tzolis brachte mit seinen Standards zusätzliche Gefahr, während Gyökeres erkennen ließ, dass er sich in gute Abschlusspositionen bringen kann.
Die Niederlage im Emirates Cup ist daher kein Grund für Alarmstimmung. Sie ist aber eine realistische Erinnerung daran, dass Arsenals Anspruch nicht automatisch durch den Gewinn der Meisterschaft erfüllt wird. Der Erfolg der vergangenen Saison erhöht den Druck, weil die Gegner nun besonders aufmerksam auftreten werden.
Für Arteta wird es in den nächsten Vorbereitungseinheiten darum gehen, die Balance zwischen bewährten Führungsspielern und neuen Impulsen zu finden. Die jungen Talente sollen gefördert werden, ohne dass die defensive Ordnung darunter leidet. Gleichzeitig müssen die Neuzugänge und Rückkehrer schnell in ein klares System integriert werden.
Der Emirates Cup endete für Arsenal mit einer Niederlage, doch die Partie war keineswegs wertlos. Sie lieferte dem Trainerteam konkrete Hinweise, offenbarte individuelle Chancen und machte sichtbar, an welchen Details noch gearbeitet werden muss. Der eigentliche Wert dieses Emirates Cup wird sich deshalb nicht am Ergebnis messen lassen, sondern daran, wie Arsenal die gewonnenen Erkenntnisse in den kommenden Wochen umsetzt.
Quellen
Arsenal returned to Emirates Stadium for the first time since they were crowned Premier League champions but were defeated 3-2 by Borussia Dortmund in the Emirates Cup.
Mikel Arteta trat im Emirates Stadium erneut vor die Medien, um seine Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Borussia Dortmund abzuhalten.

