Australien hatte bereits im Jahr 2024 den Weg geebnet und strengere Regelungen für Kinder und Jugendliche in sozialen Medien verabschiedet. Das Gesetz sieht vor, dass Nutzerinnen und Nutzer unter 16 Jahren keine Konten bei Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat erstellen dürfen, es sei denn, die Eltern stimmen ausdrücklich zu.
Die britische Debatte orientiert sich stark an diesem Modell: Ziel ist es, Minderjährige besser vor Cybermobbing, Suchtverhalten und Desinformation zu schützen. Zugleich sollen Unternehmen stärker in die Verantwortung genommen werden, das Alter ihrer Nutzer technisch zu überprüfen.
Unterstützung im Oberhaus – Zurückhaltung bei der Regierung
Im britischen Oberhaus fand eine Vorlage zur Einführung eines Social-Media-Verbots für unter 16-Jährige nunmehr breite Zustimmung. Mitglieder der Labour- und konservativen Fraktionen begrüßten die Initiative als „notwendigen Schritt zum Schutz der psychischen Gesundheit junger Menschen“.
Premierminister Keir Starmer äußerte sich jedoch bisher zurückhaltend. Er wolle „die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen einer solchen Maßnahme sorgfältig prüfen“, bevor die Regierung eine offizielle Position beziehe. Damit konkurrieren gesundheitspolitische Bedenken mit Argumenten zur Meinungsfreiheit und Mediennutzung.
Experten warnen vor überhasteten Schritten
Datenschutz- und Medienrechtsexperten warnen indes vor einer übereilten Umsetzung. Ohne robuste Altersverifikationsverfahren könne das Gesetz leicht umgangen werden, was die Glaubwürdigkeit der Maßnahme gefährde. Zudem werde befürchtet, dass ein rigoroses Verbot Jugendliche in alternative, unregulierte Netzwerke abdrängen könnte.
Psychologen hingegen fordern, das Thema nicht wirtschaftlich, sondern gesundheitspolitisch zu betrachten. Besonders Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren zeigten laut aktuellen Studien ein gesteigertes Risiko für depressive Tendenzen im Zusammenhang mit exzessiver Social-Media-Nutzung.
Ausblick: Nationale Leitung oder europäische Initiative?
Das britische Beispiel könnte EU-Mitgliedsstaaten unter Druck setzen, ähnliche Regelungen zu prüfen – insbesondere in Deutschland, wo das Jugendschutzgesetz derzeit modernisiert wird. Während Social-Media-Unternehmen auf Selbstregulierung setzen, wächst der Ruf nach klaren gesetzlichen Altersgrenzen.
Quellen
Britisches Oberhaus stimmt für Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige
Verbot in Sicht? Britisches Oberhaus kippt Altersschranke bei Social Media