14.01.2026
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Nach Korruptionsskandal: Selenskyj gewinnt Vertrauen der Ukrainer zurück

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Nach dem schweren Korruptionsskandal, der im November 2025 die ukrainische Politik erschütterte, erlebt Präsident Wolodymyr Selenskyj derzeit eine spürbare Erholung seiner Popularität. Wie aktuelle Umfragen ukrainischer Meinungsforschungsinstitute zeigen, mehren sich die Anzeichen, dass viele Bürger dem Staatschef den jüngsten politischen Rückschlag inzwischen verziehen haben.

Der Skandal hatte zunächst zu einem massiven Vertrauensverlust geführt. Hohe Beamte des Verteidigungsministeriums waren der Bereicherung und Unterschlagung von Geldern beschuldigt worden – mitten im laufenden Krieg gegen Russland. Zwar wurden mehrere Verantwortliche entlassen, doch der Imageschaden für die Regierung schien zunächst erheblich.

Kriegslage und Krisenmanagement prägen Stimmung

Inzwischen sehen viele Ukrainer in Selenskyj wieder den Symbolträger des Widerstands gegen die russische Invasion. Beobachter führen den Meinungsumschwung auf ein verbessertes Krisenmanagement sowie auf sichtbare Erfolge bei der Reorganisation von Verwaltung und Armee zurück.

„Selenskyj hat aus den Fehlern gelernt und personelle Konsequenzen gezogen“, zitiert das Nachrichtenportal Ukrainska Pravda den Politikwissenschaftler Mychajlo Paschow. „Die Bevölkerung honoriert, dass es ernsthafte Anstrengungen gibt, Korruption im Umfeld der Streitkräfte einzudämmen.“

Erwartungen an Reformen steigen

Mit der teilweisen Erholung der Zustimmungswerte wächst zugleich der Druck auf den Präsidenten. Viele Ukrainer erwarten entschlossene Reformen, insbesondere in den Bereichen Transparenz, Justizwesen und Wirtschaftspolitik. Laut einer Umfrage des Kyiv International Institute of Sociology (KIIS) wünschen sich über 60 Prozent der Befragten „konkrete Maßnahmen zur langfristigen Korruptionsbekämpfung“.

Analysten warnen jedoch davor, den positiven Trend überzubewerten. Der Krieg, die schwierige Wirtschaftslage und die anhaltende Abhängigkeit von westlicher Unterstützung bleiben zentrale Herausforderungen.

Internationale Beobachter schauen genau hin

Auch internationale Partner, allen voran die EU und die USA, verfolgen die innenpolitische Entwicklung in Kiew aufmerksam. Die Wiederherstellung des Vertrauens in staatliche Institutionen gilt als entscheidende Voraussetzung für den EU-Beitrittsprozess der Ukraine.

„Politische Stabilität und institutionelle Glaubwürdigkeit sind unverzichtbar für den europäischen Integrationskurs“, kommentierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die jüngsten Umfragewerte werden daher nicht nur in Kiew, sondern auch in Brüssel und Washington mit Interesse registriert.

Quellen.

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