03.10.2026
6 Minuten Lesezeit

Schweinsteigers Wunschelf für die WM 2026: Warum Chris Führich zur Überraschung wird

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@2026 Getty Images

Schweinsteiger hat mit seiner persönlichenWunschelf für die WM 2026 eine Debatte ausgelöst, die weit über die übliche Kader-Diskussion hinausgeht. Der frühere Weltmeister setzt nicht nur auf die großen Namen des deutschen Fußballs, sondern überrascht mit Oliver Baumannim Tor, Leon Goretzka im zentralen Mittelfeld und vor allem Chris Führich auf dem linken Flügel. Seine Auswahlzeigt: Für Schweinsteiger zählt im Sommer 2026 nicht der Status eines Spielers, sondern die Frage, wer Deutschland in Nordamerika tatsächlich schwer ausrechenbar macht.

Die Aufstellung lautet: Baumann – Kimmich, Tah, Schlotterbeck, Raum – Goretzka, Pavlovic – Musiala, Wirtz, Führich – Havertz. Damit verzichtet Schweinsteiger auf eine Rückkehr von Manuel Neuer, obwohl der frühere Bayern-Kollege weiterhin im erweiterten Kreis des DFB steht. Stattdessen vertraut der Ex-Nationalspieler Oliver Baumann, der in der Qualifikation eine konstante Rolle eingenommen hatte. Diese Entscheidung ist weniger eine Abrechnung mit Neuer als ein Statement für Kontinuität, Stabilität und eine klare Hierarchie im deutschen Tor.

Warum die Wahl von Baumann mehr bedeutet

Die Torwartfrage ist bei großen Turnieren selten nur eine sportliche Entscheidung. Sie bestimmt die Kommunikation der Abwehr, die Ruhe bei Standards und das Vertrauen einer gesamten Mannschaft. Schweinsteiger scheint genau das im Blick zu haben: Baumann steht für Verlässlichkeit, für einen Torwart, der nicht den größten Namen mitbringt, aber über Jahre hinweg auf konstant hohem Niveau gespielt hat.

Dass Schweinsteiger damit gegen die Erwartung vieler Experten entscheidet, macht seine Analyse interessant. Neuer wäre emotional die naheliegende Lösung, gerade weil die beiden lange Zeit beim FC Bayern zusammen gespielt haben. Doch der Weltmeister von 2014 wählt bewusst den Weg ohne Nostalgie. Das passt zu seiner Rolle als TV-Experte: Er bewertet nicht nach Vergangenheit, sondern nach der Frage, welche Lösung im Turniermodus am wenigsten Angriffsfläche bietet.

Für den DFB wäre eine klare Entscheidung vor dem Turnier ohnehin wichtiger als ein offener Wettbewerb bis zum ersten Gruppenspiel. Ein Team, das bei einer WM in den USA, Mexiko und Kanada spielt, braucht im Tor eine unmissverständliche Rangfolge. Schweinsteiger liefert mit Baumann genau diese klare Antwort.

Die Abwehr bleibt konservativ – mit Absicht

Vor dem Tor bleibt Schweinsteiger weitgehend bei den erwarteten Namen. Joshua Kimmich und David Raum bilden die Außenbahnen, während Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck die Innenverteidigung stellen sollen. Interessant ist dabei die Entscheidung gegen Antonio Rüdiger. Schlotterbeck bringt mit seiner linken Fußigkeit, seiner Spielöffnung und seiner physischen Präsenz Eigenschaften mit, die sich gut mit Tah ergänzen.

Diese Viererkette wäre nicht spektakulär, aber funktional. Kimmich kann rechts die Spielkontrolle übernehmen, Raum sorgt links für Breite und Flankenläufe. Tah ist in der Lage, direkte Duelle zu führen, während Schlotterbeck den Ball aus der Tiefe heraus spielen kann. Genau diese Mischung braucht Deutschland, wenn Gegner in der WM-Gruppenphase vermutlich tief stehen und auf Umschaltmomente setzen.

Schweinsteiger früher war selbst ein Spieler, der aus der Position heraus Räume erkannte und Spiele lenkte. Diese Erfahrung spiegelt sich in seiner Auswahl wider: Er bevorzugt keine reine Star-Aufstellung, sondern eine Struktur, in der jede Position eine klare Aufgabe hat. Seine Zeit bei Bayern, später auch bei Schweinsteiger Manchester United, hat ihm gezeigt, wie schnell individuelle Qualität ohne kollektive Balance an Bedeutung verliert.

Goretzka statt Nmecha: Erfahrung vor Variabilität

Im zentralen Mittelfeld entscheidet sich Schweinsteiger für Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka. Damit bevorzugt er ein Duo, das körperliche Präsenz, Laufwege und Erfahrung verbindet. Pavlovic ist der junge, moderne Sechser, der Bälle erobert und das Spiel nach vorne organisiert. Goretzka bringt dagegen die Fähigkeit mit, in den Strafraum einzulaufen, Zweikämpfe zu gewinnen und in engen Spielen physische Vorteile zu nutzen.

Die Wahl gegen Felix Nmecha ist deshalb nachvollziehbar. Nmecha bietet technische Lösungen und kann das Spiel in engen Räumen öffnen, doch Goretzka steht für eine andere Art von Turniertauglichkeit. Bei einer WM entstehen oft Spiele, in denen es nicht um elegante Ballbesitzphasen geht, sondern um Zweikampfstärke, Standards und die Fähigkeit, nach Ballverlusten sofort wieder Ordnung herzustellen.

Schweinsteiger kennt diese Anforderungen aus eigener Erfahrung. Als Spieler war er jahrelang dafür bekannt, große Spiele nicht nur mit Technik, sondern mit Mentalität, Laufarbeit und Timing zu prägen. Seine Mittelfeldwahl ist daher auch ein Hinweis darauf, welche Art von Deutschland-Team er sich vorstellt: robust, laufstark und schwer aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Führich als taktischer Trumpf

Die größte Überraschung ist Chris Führich auf dem linken Flügel. Während Florian Wirtz und Jamal Musiala als feste Größen gelten, ist Führich erst spät in den Kreis der Nationalmannschaft gerückt. Doch genau diese Entwicklung macht die Entscheidung von Schweinsteiger so aufschlussreich.

„Chris Führich hat sich bei Stuttgart gut entwickelt und bringt immer etwas mit, was schwierig zu verteidigen ist“, begründete Schweinsteiger seine Wahl. Das ist keine bloße Lobeshymne, sondern eine taktische Einschätzung. Führich kann mit Tempo nach außen ziehen, innen in den Halbraum kommen und in Eins-gegen-eins-Situationen Gegner unter Druck setzen. Gegen tief stehende Abwehren, wie sie Deutschland bei großen Turnieren häufig erwartet, ist genau diese Direktheit wertvoll.

Deutschland hat in den vergangenen Jahren oft das Problem gehabt, viel Ballbesitz zu haben, aber zu wenig Vertikalität. Wirtz und Musiala können Räume zwischen den Linien besetzen, doch ein echter Flügelstürmer mit Dribbling-Qualitäten zwingt die Abwehr, ihre Struktur zu verändern. Führich wäre deshalb nicht nur eine Personalentscheidung, sondern ein taktisches Signal: Deutschland soll nicht nur kombinieren, sondern auch Gegner direkt angreifen.

Auch Dietmar Hamann hatte sich zuletzt für Führich ausgesprochen. Dass zwei erfahrene Ex-Nationalspieler unabhängig voneinander auf den Stuttgarter verweisen, zeigt, dass seine Form und seine Spielweise im deutschen Fußball zunehmend wahrgenommen werden.

Havertz als Neun: Risiko oder logische Lösung?

Im Sturm setzt Schweinsteiger auf Kai Havertz. Damit entscheidet er sich gegen Nick Woltemade und Dennis Undav, die beide andere Profile mitbringen. Woltemade ist der klassische Zielstürmer, der Bälle festmachen und Abwehrreihen beschäftigen kann. Undav bringt Bewegung, Instinkt und die Fähigkeit mit, im Strafraum zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Havertz ist dagegen kein klassischer Neun. Seine Stärke liegt darin, zwischen die Linien zu fallen, Bälle abzulegen und Räume für Wirtz und Musiala zu öffnen. Schweinsteiger scheint genau diese Dynamik zu wollen: Havertz als beweglicher Angreifer, der die Abwehr nach hinten zieht, während Musiala und Wirtz in die entstehenden Räume eindringen.

Das ist ein riskanter, aber schlüssiger Plan. Deutschland braucht bei einer WM nicht zwingend einen klassischen Stürmer, wenn die Offensive genug Variation besitzt. Mit Wirtz, Musiala, Führich und Havertz hätte das Team mehrere Spieler, die im letzten Drittel Entscheidungen treffen können. Gleichzeitig bleibt die Frage, ob Havertz in den entscheidenden Momenten die kalte Effizienz eines echten Mittelstürmers liefert. Genau daran wird sich seine Nominierung messen lassen müssen.

Was junge Spieler davon haben

Schweinsteiger sieht für Lennart Karl und Said El Mala vor allem Rollen als Joker. Das ist realistisch und zugleich wichtig. Bei einem Turnier mit engen Erholungsphasen, Hitze, Reisen und unterschiedlichen Gegnertypen entscheidet oft nicht nur die Startelf, sondern die Qualität der Bank.

Ein junger Spieler, der nach 60 Minuten mit Frische und Mut ins Spiel kommt, kann ein enges Spiel drehen. Karl steht für Technik und Spielintelligenz, El Mala für direktes, mutiges Offensivspiel. Wenn der DFB diese Talente mitnimmt, ohne ihnen sofort zu viel Verantwortung aufzuladen, würde das zur langfristigen Entwicklung des Kaders passen.

Schweinsteiger denkt hier wie ein ehemaliger Spieler, der weiß, wie wichtig die richtige Rolle im Teamgefüge ist. Nicht jeder junge Akteur muss von Beginn an spielen, um bei einem Turnier einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Die persönliche Dimension von Schweinsteiger

Die Diskussion um seine Aufstellung fällt in eine Zeit, in der Schweinsteiger auch abseits des Platzes stark im Fokus steht. Seine Trennung von Ana Ivanović, seiner Schweinsteiger Ex Frau, wurde öffentlich viel diskutiert. Die beiden waren 2016 in Venedig geheiratet und haben drei Söhne. Berichte über eine mögliche Schweinsteiger Affäre mit wem genau, bestimmten über Monate die Schlagzeilen, wobei die private Seite des früheren Profis von der sportlichen Analyse getrennt bleiben sollte.

Sportlich bleibt Schweinsteiger eine der wichtigsten Stimmen im deutschen Fußball. Mit 121 Länderspielen, dem WM-Titel 2014 und seiner langen Bayern-Karriere verfügt er über eine Autorität, die seine Einschätzungen über gewöhnliche Expertenmeinungen hinaushebt. Nach seiner Zeit beim FC Bayern wechselte er 2015 zu Manchester United, bevor er seine Karriere später in der MLS bei Chicago Fire ausklingen ließ.

Was seine Elf für die WM bedeutet

Die Wunschelf von Schweinsteiger ist kein bloßes Gedankenspiel. Sie zeigt, welche Richtung Deutschland einschlagen könnte: ein Team mit klarer Defensivstruktur, physischer Mittelfeldpräsenz und einer Offensive, die durch Wirtz, Musiala und Führich unberechenbar werden soll.

Die entscheidende Botschaft lautet: Deutschland muss bei der WM 2026 nicht perfekt sein, aber schwer zu verteidigen. Genau deshalb ist Führich für Schweinsteiger so wichtig. Ein Spieler, der Gegner im direkten Duell fordert, schafft Raum für die Kreativen und verhindert, dass Deutschland vorhersehbar wird.

Ob Bundestrainer Julian Nagelsmann diese Logik übernimmt, bleibt abzuwarten. Doch die Debatte zeigt, dass Schweinsteiger weiterhin den Puls des deutschen Fußballs trifft. Seine Elf verbindet Erfahrung mit Mut, Stabilität mit Offensive – und erinnert daran, dass große Turniere selten von den offensichtlichsten Entscheidungen gewonnen werden, sondern von den richtigen.

Quellen

„Etwas mitbringen, gegen das man sich nur schwer verteidigen kann“: Bastian Schweinsteiger überrascht mit seinem Traumkader für die deutsche Nationalmannschaft bei der WM 2026
Schweinsteiger nennt deutsche WM-Wunschelf – und sorgt für riesige Überraschung

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