tsv havelse steht am Samstag im Mittelpunkt, wenn die U21 des VfB Stuttgart in die neue Saison der 3. Liga startet. Gleichzeitig eröffnen die U19 und die U17 ihre Spielzeiten in den DFB-Nachwuchsligen. Für den VfB beginnt damit kein gewöhnliches Nachwuchswochenende, sondern ein wichtiger Belastungstest für drei Mannschaften, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen: Die U21 soll sich im Profifußball behaupten, während U19 und U17 ihre Talente auf den nächsten Entwicklungsschritt vorbereiten.
Drei Teams, drei Herausforderungen
Der Saisonauftakt im Nachwuchsbereich lässt sich nicht mit einer einzigen Zielsetzung beschreiben. Bei der U21 geht es um Punkte gegen erfahrene Drittligamannschaften, um körperliche Widerstandsfähigkeit und um die Frage, wie schnell junge Spieler an das Niveau des Erwachsenenfußballs herangeführt werden können. Für die U19 beginnt dagegen der Kampf um die Qualifikation für die Meisterrunde. Die U17 trägt zusätzlich die Verantwortung, als amtierender deutscher Meister die eigene Entwicklung nicht vom Titel abhängig zu machen.
Diese Unterschiede machen den ersten Spieltag besonders interessant. Während die U21 beim tsv havelse sofort mit einem Gegner konfrontiert wird, der den Wettbewerb in der 3. Liga aus eigener Erfahrung kennt, müssen die älteren Nachwuchsspieler in München bestehen. Die U17 reist nach Heidenheim und trifft dort auf eine Mannschaft, die vor heimischem Publikum traditionell mit hoher Emotionalität auftritt.
Der VfB startet somit in drei Wettbewerbe, die zwar unter dem gemeinsamen Dach der Nachwuchsarbeit stehen, aber jeweils eigene Anforderungen stellen. Der sportliche Erfolg ist wichtig, doch ebenso entscheidend wird sein, ob die Mannschaften ihre Spielidee auch unter Druck umsetzen.
U21 muss im Erwachsenenfußball bestehen
Für die U21 beginnt die Saison mit einer Auswärtsaufgabe beim tsv havelse. Der Anpfiff erfolgt am Samstag um 14 Uhr. Gerade für junge Spieler ist der Übergang in die 3. Liga anspruchsvoll: Gegner arbeiten häufig körperbetonter, nutzen Fehler konsequenter aus und bestrafen unklare Entscheidungen deutlich schneller als Nachwuchsteams.
Die Partie beim tsv havelse wird deshalb zeigen, wie stabil die Stuttgarter bereits auftreten können. In der 3. Liga reicht es nicht, über längere Phasen attraktiv zu spielen. Eine Mannschaft muss auch dann Lösungen finden, wenn das Spiel zerfahren wird, der Gegner lange Bälle einsetzt oder die Räume im Mittelfeld eng bleiben.
Für den VfB ist die U21 vor allem ein Bindeglied zwischen Nachwuchsleistungszentrum und Profimannschaft. Hier sollen Talente Erfahrungen sammeln, die sie im Jugendfußball nicht in vergleichbarer Form bekommen. Dazu zählen Zweikämpfe gegen ältere Gegenspieler, Auswärtsspiele unter Druck und der Umgang mit Rückschlägen über eine komplette Saison hinweg.
Der Auftakt beim tsv havelse besitzt deshalb auch eine pädagogische Dimension. Junge Spieler müssen lernen, dass die eigene Qualität nicht automatisch den Spielverlauf bestimmt. Entscheidend sind Konzentration, Anpassungsfähigkeit und die Fähigkeit, auch ohne perfekten Rhythmus effektiv zu bleiben.
U19 startet in einer bayerisch geprägten Gruppe
Die U19 beginnt ihre Saison ebenfalls am Samstag um 14 Uhr. Zum Auftakt wartet der TSV 1860 München. Die Vorrundengruppe ist stark von bayerischen Vereinen geprägt: Neben den Münchner Löwen gehören der FC Bayern, der FC Ingolstadt, der SSV Jahn Regensburg und die SpVgg Unterhaching zur Gruppe. Komplettiert wird das Teilnehmerfeld durch den SGV Freiberg.
Das bedeutet für den VfB viele intensive Duelle gegen Mannschaften, die sich untereinander bestens kennen und häufig mit großer taktischer Disziplin auftreten. Der Weg in die Meisterrunde wird dadurch nicht nur zu einer Frage der individuellen Qualität, sondern auch der Konstanz. In Hin- und Rückspielen können einzelne Ausrutscher schnell größere Bedeutung bekommen.
Die ersten beiden Teams jeder Gruppe qualifizieren sich direkt für die nächste Runde. Zusätzlich erreichen sechs der neun besten Gruppendritten die Meisterrunde. Dadurch bleibt der Wettbewerb bis zum Ende offen, gleichzeitig kann sich keine Mannschaft auf einem gelungenen Start ausruhen.
Der Auftakt beim TSV 1860 München ist für die U19 daher ein früher Gradmesser. Spiele zwischen dem VfB und den Münchner Löwen sind häufig von hoher Intensität geprägt. Gerade in dieser Altersklasse entscheidet nicht selten die Reaktion auf gegnerischen Druck darüber, welche Mannschaft die Kontrolle übernimmt.
Vorbereitung liefert Selbstvertrauen
Die Stuttgarter U19 hat in der Vorbereitung verschiedene Arten von Belastung kennengelernt. Bei den Turnieren in Ergenzingen und Schwäbisch Hall sammelte die Mannschaft Erfahrungen gegen gleichaltrige Konkurrenz. Hinzu kam ein 4:1-Erfolg gegen die Verbandsliga-Männer der SKV Rutesheim.
Solche Begegnungen erfüllen mehrere Zwecke. Turniere ermöglichen es dem Trainerteam, viele Spieler einzusetzen und unterschiedliche Formationen zu testen. Ein Spiel gegen eine Herrenmannschaft stellt dagegen andere Anforderungen: Das Tempo in den Zweikämpfen, die körperliche Präsenz und die Konsequenz in den Aktionen liegen näher am späteren Erwachsenenfußball.
Auch das Trainingslager in Österreich spielte eine wichtige Rolle. Dort lag der Schwerpunkt unter anderem auf der läuferischen Entwicklung. Für eine Mannschaft, die dominant und intensiv spielen möchte, ist die körperliche Grundlage unverzichtbar. Pressing, Gegenpressing und schnelle Positionswechsel funktionieren nur, wenn die Spieler auch in der Schlussphase noch aufmerksam und beweglich bleiben.
Zusätzlichen Schwung brachte der 5:0-Sieg im DFB-Pokal der Junioren gegen die JFG Schaumberg-Prims. Der VfB ist in diesem Wettbewerb Titelverteidiger und trifft in der zweiten Runde Ende August auf den SC Freiburg. Zunächst aber richtet sich die Aufmerksamkeit vollständig auf die Liga und den Start beim TSV 1860 München.
Dominanz bedeutet mehr als Ballbesitz
Trainer Tobias Rathgeb verbindet seine Zielsetzung mit mehreren Begriffen: Dominanz, Intensität, eine spielerzentrierte Ausbildung und die Weiterentwicklung der einzelnen Talente. Dabei sollte Dominanz nicht mit einfachem Ballbesitz verwechselt werden.
Eine dominante Nachwuchsmannschaft kontrolliert nicht nur den Ball, sondern auch die Entscheidungsräume. Sie bestimmt, wann das Spiel beschleunigt wird, wie nach Ballverlusten reagiert wird und welche Lösungen gegen einen tief stehenden Gegner gefunden werden. Genau diese Fähigkeiten sind für Spieler wichtig, die später im Profibereich bestehen wollen.
Beim tsv havelse oder gegen den TSV 1860 München wird sich zeigen, wie gut die Stuttgarter Trainingsinhalte unter Wettbewerbsbedingungen abrufen können. Vorbereitungsspiele geben Hinweise, aber Pflichtspiele offenbaren die tatsächliche Belastbarkeit einer Mannschaft. Besonders wertvoll sind dabei Situationen, in denen der Gegner die eigene Spielidee stört.
U17 reist mit Demut nach Heidenheim
Am Sonntag um 16.30 Uhr beginnt auch für die U17 der Ligaalltag. Gegner ist der 1. FC Heidenheim. Die Gruppe umfasst außerdem den 1. FC Kaiserslautern, den 1. FC Saarbrücken, den Karlsruher SC, den SC Freiburg, den SV Waldhof Mannheim und die Stuttgarter Kickers.
In dieser Vorrundengruppe qualifizieren sich die drei bestplatzierten Teams direkt für die Meisterrunde. Der Spielraum für Fehler ist damit begrenzt. Zugleich sorgt die regionale Zusammensetzung für Derbys und Duelle mit hoher emotionaler Bedeutung.
Die U17 kommt mit einem besonderen Hintergrund aus der Vorbereitung: Das Team arbeitete im Trainingslager beim Partnerverein in São Paulo. Eine Reise nach Brasilien ist nicht nur sportlich interessant, sondern kann auch die soziale Entwicklung einer neu zusammengestellten Mannschaft fördern. Spieler verbringen intensiv Zeit miteinander, lernen andere Trainingsbedingungen kennen und müssen sich außerhalb der gewohnten Umgebung behaupten.
Trainer Christopher Brauer bewertet die vergangenen Wochen entsprechend positiv. Die Mannschaft habe die Inhalte gut aufgenommen und sei schnell zusammengewachsen. Das ist gerade in der U17 wichtig, weil sich in diesem Alter körperliche Entwicklung, taktisches Lernen und persönliche Reifung besonders stark gegenseitig beeinflussen.
Der Meistertitel erhöht den Druck
Als amtierender deutscher Meister geht die U17 mit hohen Erwartungen in die Saison. Der Titel ist eine Auszeichnung, darf aber nicht zum Maßstab für jede einzelne Partie werden. In der Nachwuchsarbeit zählt langfristig vor allem, wie viele Spieler sich weiterentwickeln und den nächsten Schritt schaffen.
Gleichzeitig verändert ein Meistertitel die Wahrnehmung. Gegner treten gegen den Titelverteidiger oft besonders motiviert auf. Die Stuttgarter werden daher nicht nur an ihrer fußballerischen Qualität gemessen, sondern auch daran, wie sie mit der Favoritenrolle umgehen.
Beim tsv havelse ist diese Situation für die U21 anders gelagert, doch das Grundproblem bleibt ähnlich: Jede Mannschaft muss ihre Identität beweisen, ohne sich von äußeren Erwartungen lähmen zu lassen. Für die U17 bedeutet das, mit Selbstvertrauen aufzutreten und dennoch aufmerksam zu bleiben.
Heidenheim wird den VfB nach Einschätzung des Trainerteams vor allem in Umschaltsituationen fordern. Das ist ein wichtiger Hinweis für die taktische Ausrichtung. Wer dominant spielen möchte, muss zugleich die Absicherung nach Ballverlusten beherrschen. Ein einziger unkontrollierter Angriff kann sonst dazu führen, dass der Gegner mit wenigen Pässen gefährlich vor das Tor kommt.
Was der Auftakt für die Saison verrät
Das Nachwuchswochenende wird noch keine endgültigen Antworten liefern. Ein Sieg beim tsv havelse macht die U21 nicht automatisch zu einer erfolgreichen Drittligamannschaft, und ein Punktverlust der U19 in München würde die Qualifikation für die Meisterrunde keineswegs verhindern. Auch die U17 wird ihre Saison nicht allein am Ergebnis in Heidenheim messen lassen können.
Dennoch liefern die ersten Spiele wichtige Hinweise. Beobachtenswert sind vor allem drei Aspekte: Wie mutig treten die Mannschaften mit dem Ball auf? Wie schnell reagieren sie nach Ballverlusten? Und wie stabil bleiben sie, wenn der Gegner längere Zeit die Kontrolle übernimmt?
Die Antworten sind für den VfB Stuttgart über den einzelnen Spieltag hinaus relevant. Eine gut funktionierende Nachwuchsabteilung braucht Mannschaften, die nicht nur Ergebnisse sammeln, sondern Spieler auf unterschiedliche Spielniveaus vorbereiten. Die U17 soll Grundlagen für die U19 schaffen, die U19 muss den Schritt in den Erwachsenenfußball vorbereiten, und die U21 soll Talente möglichst nahe an den Profikader heranführen.
Damit wird der Saisonstart beim tsv havelse, in München und in Heidenheim zu einem gemeinsamen Prüfstein für die gesamte Nachwuchsstrategie. Drei Mannschaften, drei Wettbewerbe und drei unterschiedliche Wege – aber ein übergeordnetes Ziel: Spieler auszubilden, die dem VfB langfristig sportlichen Wert geben können.
Quellen
Liga-Start mal drei im Nachwuchs
Die Mini-Doku zum U19-DFB-Pokalsieg






