12.10.2026
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FC St. Pauli verschärft KSC-Krise: Warum Karlsruhe mehr als Punkte braucht

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©2026 dpa

FC St. Pauli hat den KarlsruherSC mit dem 2:0 am Millerntor nicht nur besiegt, sondern dessen sportliche Baustellen offengelegt: Karlsruhe fehlt derzeit die Mischung aus Abschlussstärke, defensiver Stabilität und mentaler Ruhe, die nötig ist, um eine Negativserie zu stoppen. Die strittigen Schiedsrichterentscheidungen erklären den Frust, aber nicht die ganze Krise.

Ein Spiel, das die Probleme bündelt

Der KSC startete mutig in Hamburg und setzte auf frühes Pressing. Das brachte Chancen, öffnete aber zugleich Räume, die der Gegner nutzen konnte. Bereits in der Anfangsphase musste Torhüter Hans-Christian Bernat mehrfach eingreifen; Karlsruhe hatte seinerseits durch Shio Fukuda eine aussichtsreiche Möglichkeit. Auch der vermeintliche Führungstreffer nach einer Ecke schien zunächst ein Wendepunkt zu sein: Christoph Kobald köpfte ein, doch Schiedsrichter Lukas Benen pfiff die Szene wegen eines Fouls zurück. Die Berührung mit St.-Pauli-Verteidiger Eric Smith war gering; der VAR korrigierte die Entscheidung nicht.

Solche Szenen prägen die Wahrnehmung einer Partie besonders dann, wenn eine Mannschaft ohnehin unter Druck steht. Für den KSC war der nicht gegebene Treffer nicht nur ein möglicher Vorsprung, sondern auch die Chance auf ein frühes Erfolgserlebnis. Doch selbst wenn Karlsruhe in Führung gegangen wäre, wäre das Spiel damit nicht automatisch entschieden gewesen: St. Pauli hatte zuvor bereits gefährliche Angriffe vorgetragen und nutzte später eine Karlsruher Unsicherheit konsequent aus.

In der 32. Minute verlor der KSC den Ball im Spielaufbau. Connor Metcalfe schickte Abdoulie Ceesay in den Lauf, der zum 1:0 traf. Kurz nach der Pause erhöhte Lars Ritzka nach einem Freistoß von Eric Smith auf 2:0. Damit hatte St. Pauli zwei unterschiedliche Schwächen der Gäste bestraft: einen riskanten Ballverlust in der Vorwärtsbewegung und mangelnde Klarheit bei einem ruhenden Ball.

Die Tabelle zeigt den Ernst der Lage

Nach sieben Spieltagen steht Karlsruhe mit fünf Punkten und einer Tordifferenz von minus acht auf Rang 17. Der KSC hat sechs Tore erzielt und 14 kassiert. St. Pauli liegt mit zehn Punkten auf Platz sieben und weist ein Torverhältnis von 10:8 auf. Diese Zahlen sind noch keine abschließende Saisonbilanz, aber sie zeigen, wie unterschiedlich die Entwicklung beider Teams derzeit verläuft.

Besonders auffällig ist die Offensive: Der KSC blieb gegen St. Pauli zum dritten Mal hintereinander ohne eigenen Treffer. Eine Mannschaft kann einzelne Spiele durch Standards, Umschaltaktionen oder starke Torwartleistungen gewinnen. Auf Dauer braucht sie jedoch verlässliche Wege zu Torchancen und Spieler, die diese Chancen auch nutzen. Chancenlos war Karlsruhe in Hamburg nicht. Fukuda kam zu Möglichkeiten, doch der letzte Pass, die Entscheidung im Strafraum oder der Abschluss blieben zu oft unpräzise.

Die Gegentorbilanz verweist auf ein weiteres Problem. Der Ballverlust vor Ceesays Führung war vermeidbar; beim Freistoßtreffer nach der Pause kam die Hereingabe bis in den Fünfmeterraum, wo Ritzka den Ball entscheidend verlängerte. Wenn solche Szenen wiederkehren, reicht es nicht, nur an der Chancenverwertung zu arbeiten. Dann muss das Team zugleich seine Absicherung im Spielaufbau und die Zuordnung bei Standards verbessern.

Warum die Schiedsrichterdebatte nicht reichen darf

Trainer Maximilian Senft kritisierte nach der Niederlage mehrere Entscheidungen. Neben dem aberkannten Kopfballtreffer ärgerte ihn ein Freistoß, aus dem das 2:0 entstand. Auch ein Treffer von Lilian Egloff in der 83. Minute wurde nach einer VAR-Prüfung wegen Abseits aberkannt. Senft bezweifelte, dass der Ball von einem Karlsruher Spieler gekommen war.

Der Ärger ist nachvollziehbar: In einem Spiel, das lange eng war, können einzelne Pfiffe den Verlauf beeinflussen. Zugleich bleibt die Analyse für den Verein nur dann nützlich, wenn sie über die strittigen Szenen hinausgeht. Senft selbst wollte sich nicht in eine Opferrolle begeben und kündigte an, den Blick auf die beeinflussbaren Aspekte zu richten. Genau das ist entscheidend: Schiedsrichterentscheidungen lassen sich nachträglich diskutieren, aber nicht in jedem Spiel kontrollieren. Ballverluste, Raumaufteilung, Standards und Abschlüsse dagegen schon.

Auch die beiden aberkannten Tore sind nicht gleich zu bewerten. Beim Kobald-Kopfball ging es um eine Entscheidung im Luftduell, die Senft als falsch ansah. Egloffs Treffer wurde als Abseits gewertet und überprüft. Für die sportliche Aufarbeitung ist deshalb wichtig, jede Szene einzeln zu analysieren, statt aus dem Gefühl einer generellen Benachteiligung eine Erklärung für die gesamte Niederlage zu machen.

Junge Mannschaft braucht klare Leitplanken

Im Sommer veränderte sich der Karlsruher Kader; mehrere junge Spieler rückten stärker in die Verantwortung. Kapitän Marvin Wanitzek machte deutlich, dass der Mannschaft die Tabellenlage bewusst sei. Er verwies zugleich darauf, dass junge Spieler Erfolgserlebnisse brauchen, um Sicherheit zu gewinnen. Das ist ein wichtiger Hinweis auf die psychologische Seite der Krise: Selbstvertrauen entsteht nicht allein durch Ansprachen, sondern auch durch wiederholte Situationen, in denen ein Team seine Spielidee erfolgreich umsetzt.

Erfahrene Kräfte müssen dabei mehr leisten als Ruhe auszustrahlen. Sie können jüngeren Mitspielern helfen, riskante Entscheidungen zu vermeiden, nach Fehlern schnell umzuschalten und in Druckphasen die Ordnung zu halten. Das bedeutet nicht, dass der KSC auf ein vorsichtiges Spiel umstellen muss. Aber ein aggressives Pressing braucht klare Absicherung dahinter. Andernfalls wird aus Mut schnell ein Risiko, das der Gegner mit einem einzigen Pass ausnutzen kann.

Auch die Rollen im Angriff verdienen Aufmerksamkeit. Wenn ein Team dreimal in Folge nicht trifft, liegt die Antwort selten ausschließlich in einer Personalentscheidung. Entscheidend ist, ob die Stürmer ausreichend Unterstützung erhalten, ob die Flügelspieler in gefährliche Zonen kommen und ob nach Ballgewinnen schnell genug nachgerückt wird. Karlsruhe muss aus seinen Chancen mehr machen, ohne dafür die defensive Balance aufzugeben.

Darmstadt wird zum wichtigen Prüfstein

Am Sonntag, 18. Oktober, empfängt der KSC den SV Darmstadt 98 im BBBank Wildpark. Anstoß ist um 13.30 Uhr. Darmstadt steht nach sieben Spielen mit sieben Punkten auf Platz 14 und damit ebenfalls im unteren Tabellenbereich. Das macht die Begegnung zu einem frühen direkten Vergleich zweier Teams, die dringend Stabilität brauchen.

Für Karlsruhe wäre ein Sieg mehr als eine kosmetische Verbesserung der Tabelle. Er könnte den Spielern zeigen, dass die Arbeit unter dem neuen Trainer greift und dass die Mannschaft trotz Rückschlägen in der Lage ist, ein Spiel zu kontrollieren und erfolgreich zu Ende zu bringen. Umgekehrt würde eine weitere Niederlage den Druck auf das Team und sein Umfeld erhöhen. Wanitzeks Warnung, dass es ohne Punkte „ungemütlich“ werde, beschreibt daher keine bloße Schlagzeile, sondern die sportliche Realität eines Vereins, der nach sieben Spieltagen bereits auf Rang 17 steht.

St. Pauli wiederum kann den Erfolg als Bestätigung seiner Widerstandsfähigkeit verbuchen. Die Hamburger waren in der ersten Halbzeit nicht immer aktiv genug, kamen aber durch Standards und einen gegnerischen Fehler in Führung. Der Sieg hält die Mannschaft seit vier Ligaspielen ungeschlagen und bringt sie in die obere Tabellenhälfte.

Für Karlsruhe liegt die wichtigste Lehre aus dem Spiel deshalb nicht darin, die strittigen Pfiffe zu vergessen. Sie lautet vielmehr: Die Mannschaft muss aus berechtigtem Ärger konkrete Verbesserungen ableiten. Weniger Fehler im Aufbau, bessere Absicherung bei Standards und mehr Konsequenz im Abschluss sind kurzfristig greifbare Aufgaben. Gelingt es dem KSC, diese Punkte gegen Darmstadt sichtbar umzusetzen, kann das Spiel gegen St. Pauli trotz Niederlage zum Ausgangspunkt einer Korrektur werden. Bleiben die gleichen Schwächen bestehen, wächst die Gefahr, dass aus einer frühen Krise ein dauerhaftes Abstiegsproblem wird.

Quellen

Kriselnde Karlsruher gewarnt: „Dann wird es ungemütlich“
St. Pauli hat leichtes Spiel mit Karlsruhe

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