LOL Next markiert einen strategischenWendepunkt im deutschen Entertainment-Markt: Amazon Prime Video setzt mit diesem Spin-off konsequent auf die Creator-Ökonomie und verlagert den Fokus von etablierten Fernsehgesichtern hin zu digitalen Influencern, die ihre Karriere auf Plattformen wie YouTube, TikTok und Instagramaufgebaut haben. Diese Entscheidung spiegelt nicht nur die veränderten Mediennutzungsgewohnheiten wider, sondern zeigt auch, wie traditionelle Streamingdienste versuchen, jüngere Zielgruppen durch vertraute Online-Persönlichkeiten zu binden.
Warum dieser Formatwechsel bedeutsam ist
Die Einführung von LOL Next ist mehr als nur eine weitere Staffelvariante des erfolgreichen „Last One Laughing”-Formats. Sie signalisiert einen grundlegenden Wandel in der deutschen Medienlandschaft: Content Creator, die vor zehn Jahren noch als Nischenphänomen belächelt wurden, sind mittlerweile mainstreamfähig genug, um eigene Prime-Time-Formate zu tragen. Namen wie Freshtorge, Phil Laude oder Selfiesandra repräsentieren eine neue Generation von Entertainern, die ohne traditionelle Medienausbildung Millionen von Followern aufgebaut haben und nun die Brücke zwischen digitaler und linearer Unterhaltung schlagen.
Dieser Shift ist auch ökonomisch relevant. Influencer bringen ihre eigene, hoch engagierte Community mit – ein Asset, das klassische Fernsehsender nur schwer generieren können. Für Prime Video bedeutet das: geringere Marketingkosten, höhere organische Reichweite und eine direktere Ansprache der für Werbetreibenden so wertvollen 16- bis 35-jährigen Zielgruppe. Gleichzeitig zeigt die Besetzung, dass die Grenzen zwischen „echten” Comedians und „Internet-Stars” zunehmend verschwimmen – viele Teilnehmer wie Laura Larsson oder Maria Ziffy bewegen sich seit Jahren erfolgreich in beiden Welten.
Das verschärfte Regelwerk: Kein zweites Leben mehr
LOL Next unterscheidet sich vom Originalformat durch deutlich härtere Spielbedingungen. Während in der Hauptshow Teilnehmer zwei Leben haben und nach dem ersten Lachen weiterhin im Spiel bleiben können, gilt hier: Ein einziges Lachen oder ein Regelverstoß bedeutet das sofortige Ausscheiden. Diese Verschärfung erhöht den Druck erheblich und macht jede Sekunde im Studio zur Gratwanderung zwischen strategischer Provokation und emotionaler Selbstkontrolle.
Zusätzlich wurde die Studiokonfiguration angepasst: Statt sechs Folgen umfasst die erste Staffel nur vier Episoden, und die Zeit im Studio wurde von sechs auf vier Stunden verkürzt. Mehr als 40 Kameras überwachen das Geschehen lückenlos – eine technische Aufrüstung, die sicherstellt, dass kein noch so kurzes Lächeln unentdeckt bleibt. Der Sieger erhält wie gewohnt 50.000 Euro, die für einen wohltätigen Zweck gespendet werden müssen – ein Detail, das dem Format eine zusätzliche ethische Dimension verleiht und den reinen Unterhaltungswert mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet.
Hazel Brugger: Von der Kandidatin zur Spielleiterin
Eine der auffälligsten Änderungen betrifft die Moderation: Statt Michael „Bully” Herbig führt nun Hazel Brugger durch LOL Next. Diese Besetzung ist klug gewählt – Brugger war selbst viermal Teilnehmerin bei „LOL: Last One Laughing” und kennt die psychologischen Fallstricke des Formats aus eigener Erfahrung. Ihre Rolle beschränkt sich nicht auf reine Ansagen; sie kommentiert das Geschehen aus dem Kontrollraum und nutzt ihr Insiderwissen, um gezielt Provokationen zu steuern.
Bruggers Wechsel von der Kandidatin zur Host unterstreicht einen weiteren Trend: Ehemalige Teilnehmer werden zunehmend als Experten für das Format wahrgenommen und erhalten dadurch neue Karrierewege innerhalb derselben Show-Universen. Ihre Präsenz verleiht LOL Next zusätzlich Glaubwürdigkeit bei der Core-Fanbase, die sie bereits aus früheren Staffeln kennt.
Die Teilnehmer: Eine Generationenbilanz der deutschen Creator-Szene
Die zehn Teilnehmer von LOL Next lesen sich wie ein Who-is-Who der deutschsprachischen Influencer-Landschaft der letzten 15 Jahre. Phil Laude und Freshtorge repräsentieren die YouTube-Pioniere der frühen 2010er-Jahre – beide gehörten zu den ersten deutschen Creators, die mit professionell produzierten Comedy-Videos Millionenaufrufe generierten. Marti Fischer, bekannt durch den TikTok-Hit „Barbaras Rhabarberbar”, steht für die neue Generation, die über Short-Form-Content zur Bekanntheit gelangte.
Dazwischen finden sich Hybrid-Talente wie Selfiesandra, die über YouTube und Podcasts („Dick & Doof” mit Laserluca) zur Bekanntheit kam und 2025 sogar im Halbfinale von „Let’s Dance” stand. Aditotoro und Paulomuc, die gemeinsam den EM-Song „Füllkrug” veröffentlichten, zeigen, wie Influencer zunehmend auch im Musikbereich Fuß fassen. Alina Bock, die seit 2012 in Los Angeles lebt und dort Schauspiel und Comedy studierte, bringt internationale Erfahrung mit – ein Beleg dafür, dass deutsche Creator zunehmend global denken und agieren.
Diese Diversität ist kein Zufall: Sie zeigt, dass LOL Next bewusst verschiedene Subkulturen der digitalen Szene zusammenführt – von Gaming-Comedy über Musikparodien bis hin zu Stand-up und Improvisationstheater.
Zukunftsperspektiven: Wird es eine zweite Staffel geben?
Die Frage nach einer zweiten Staffel von LOL Next ist bereits jetzt Gegenstand von Spekulationen. Erste Reaktionen deuten darauf hin, dass das Format gut angenommen wurde – nicht zuletzt wegen der frischen Dynamik, die die reinen Creator-Teilnehmer ins Spiel bringen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob Prime Video das Spin-off als dauerhafte Ergänzung zur Hauptserie etablieren oder als einmaliges Experiment betrachten wird.
Interessant ist auch die zeitliche Staffelung: Während LOL Next im September 2026 startet, wurde parallel die achte Staffel der Hauptshow „LOL: Last One Laughing” angekündigt. Diese Doppelstrategie könnte darauf hindeuten, dass Amazon zwei unterschiedliche Zielgruppen parallel bedienen möchte – die eine mit etablierten TV-Gesichtern, die andere mit digitalen Stars. Sollte LOL Next erfolgreich sein, wären weitere Spin-offs denkbar: etwa ein „LOL Halloween Special”, ein „LOL Weihnachtsspecial 2025″ oder sogar internationale Crossover-Formate mit Creators aus anderen Ländern.
Fazit: Mehr als nur ein Lachverbot
LOL Next ist kein bloßes Gimmick, sondern ein strategisch kluger Move, der die veränderten Realitäten der deutschen Unterhaltungsindustrie widerspiegelt. Indem Prime Video auf Creator setzt, die ihre Karriere außerhalb traditioneller Medien aufgebaut haben, öffnet sich das Format für neue Erzählformen, andere Humorcodes und eine jüngere, digital affine Zielgruppe. Gleichzeitig bleibt das Kernprinzip – das absolute Lachverbot – erhalten, was dem Format seine unverwechselbare Identität bewahrt.
Für die Teilnehmer geht es um mehr als nur 50.000 Euro: Ein Sieg bei LOL Next wäre ein weiterer Karrieresprungbrett, das sie endgültig im Mainstream verankern würde. Für die Zuschauer bietet die Show einen seltenen Einblick in die psychologische Widerstandsfähigkeit von Menschen, die täglich Millionen unterhalten müssen – und nun selbst zum Objekt der Unterhaltung werden. In einer Zeit, in der Aufmerksamkeit die wertvollste Währung ist, wird bei LOL Next genau diese Aufmerksamkeit zum Spielball – und wer sie am besten kontrolliert, gewinnt.
Quellen
Diese 10 Social-Media-Stars haben jetzt Lachverbot
„LOL Next“ mit Hazel Brugger Start, Trailer, Teilnehmer und mehr Infos zum LOL-Spin-off






