29.09.2026
4 Minuten Lesezeit

Schutz für Aiden: Warum der Vermisstenfall Bảo Anh Le Berlin bewegt

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@2026 tagesspiegel

Polizei sucht in Berlin mit großerDringlichkeit nach der 13‑jährigen Bảo Anh Le, die sich selbst Aiden nennt. Seit dem Morgen des 23. September 2026 fehlt von dem Mädchen jede Spur – ein Fall, der nicht nur Angehörige und Fachkräfte der Jugendhilfe, sondern die gesamteStadt beschäftigt. Die Berliner Polizei hat eine Öffentlichkeitsfahndung gestartet und bittet die Bevölkerung um Hinweise. Dennje schneller konkrete Informationen bei der Polizei eingehen, desto größer sind die Chancen, Aiden sicher zu finden.

Was genau ist passiert?

Am Mittwoch, dem 23. September, verließ Bảo Anh Le gegen 7 Uhr eine Einrichtung der Jugendhilfe im Berliner Bezirk Marzahn‑Hellersdorf. Ziel war der Schulbesuch. Dort kam sie jedoch nicht an. Seit diesem Zeitpunkt gibt es keine gesicherten Hinweise darauf, wo sich die 13‑Jährige aufhält. Die Ermittler schließen nicht aus, dass sich Aiden in einer hilflosen Lage befindet – ein Begriff, der in der Fachsprache darauf hinweist, dass ein Kind möglicherweise nicht aus eigener Kraft in ein sicheres Umfeld zurückkehren kann.

Die Polizei hat nun Fotos veröffentlicht, um die Suche zu unterstützen. Die Beschreibung der Vermissten ist sehr konkret: Bảo Anh Le ist zwischen 1,60 und 1,65 Meter groß, schlank, hat braun‑grüne Augen sowie schulterlange Haare mit schwarzem Ansatz und blond‑orangefarbenen Spitzen. Auffällig sind zahlreiche Narben an den Armen. Sie spricht Deutsch, Englisch und Vietnamesisch. Zuletzt trug sie eine blaue Jeans, einen schwarzen Kapuzenpullover und einen hellen Pullover; sie trägt eine Brille, nutzt diese aber nicht durchgehend.

Warum dieser Fall besonders aufmerksam macht

Vermisstenfälle von Kindern und Jugendlichen lösen in Berlin regelmäßig große Betroffenheit aus – nicht zuletzt, weil sie Fragen nach dem Schutz vulnerabler Gruppen aufwerfen. Aiden lebt in einer Jugendhilfeeinrichtung. Das bedeutet: Sie gehört zu den jungen Menschen, die bereits vor ihrem Verschwinden besondere Unterstützung benötigen. Fachleute wissen, dass Kinder in solchen Settings häufig komplexe biografische Erfahrungen mitbringen. Das erhöht das Risiko, dass sie in Krisensituationen impulsiv handeln oder sich zurückziehen – manchmal auch, weil sie sich unverstanden fühlen.

Die Polizei betont bewusst die Möglichkeit einer „hilflosen Lage”. Das ist kein Alarmismus, sondern eine realistische Einschätzung: Wenn eine 13‑Jährige den geplanten Weg zur Schule nicht antritt und fünf Tage lang spurlos bleibt, muss von einer akuten Gefährdung ausgegangen werden. Jede Stunde zählt. Deshalb ruft die Polizei gezielt dazu auf, auch scheinbar kleine Beobachtungen zu melden.

Wie die Fahndung in Berlin funktioniert – und was sie leisten kann

Berlin verfügt über eine spezialisierte Vermisstenstelle beim Landeskriminalamt. Dort laufen Hinweise zusammen, werden bewertet und an die zuständigen Ermittlungsteams weitergegeben. Die Polizei nutzt bei solchen Lagen ein abgestuftes Vorgehen: Zunächst werden bekannte Kontakte und Aufenthaltsorte geprüft, dann folgen gezielte Streifen in relevanten Gebieten, gegebenenfalls auch die Auswertung von Videoaufnahmen im öffentlichen Raum – immer unter strengen datenschutzrechtlichen Vorgaben.

Die Öffentlichkeitsfahndung, also der Aufruf an die Bevölkerung, ist ein zentrales Element. Gerade in einer Großstadt wie Berlin können Hinweise aus der Nachbarschaft, von Mitschülerinnen und Mitschülern oder aus dem Umfeld von Jugendfreizeiteinrichtungen entscheidend sein. Die Polizei weist deshalb ausdrücklich darauf hin, dass auch anonyme Hinweise möglich sind und ernst genommen werden.

Was Bürgerinnen und Bürger jetzt tun können

Wer die 13‑Jährige seit dem 23. September gesehen hat oder konkrete Angaben zu ihrem Aufenthaltsort machen kann, sollte sich umgehend an die Vermisstenstelle des Landeskriminalamts Berlin wenden. Die Polizei hat dafür eine direkte Rufnummer eingerichtet: (030) 4664‑912444. Alternativ können Hinweise per E‑Mail an LKA124Hinweise@polizei.berlin.de gesendet werden.

Außerhalb der Bürodienstzeiten nimmt jede Polizeidienststelle Meldungen entgegen. Wer eine akute Notsituation erkennt – etwa, wenn das Kind offensichtlich verwirrt, verletzt oder in Begleitung unbekannter Personen ist –, soll ohne Zögern den polizeilichen Notruf 110 wählen. Die Polizei kann dann sofort vor Ort handeln.

Ein wichtiger Hinweis am Rande: Im Netz kursieren mitunter inoffizielle Seiten wie „110polizei.online”, die den Eindruck erwecken, offizielle Meldekanäle der Polizei zu sein. Solche Angebote sind keine offiziellen Portale der Berliner Polizei. Im Zweifel gilt: Nutzen Sie die bekannten, offiziellen Wege – die Telefonnummer der Vermisstenstelle, die E‑Mail‑Adresse des Landeskriminalamts oder den Notruf 110.

Was Fachkräfte und Umfeld beachten sollten

Für Menschen im direkten Umfeld – sei es in der Schule, in der Jugendhilfe oder im Freundeskreis – gilt: Auch vermeintlich kleine Details können für die Polizei wertvoll sein. Wann wurde Aiden zuletzt gesehen? In welcher Kleidung? Mit wem? Gab es vorherige Gespräche über Fluchtgedanken, bestimmte Treffpunkte oder Kontakte zu bestimmten Personen? Solche Informationen helfen der Polizei, Muster zu erkennen und Suchgebiete einzugrenzen.

Gleichzeitig ist Sensibilität geboten. Spekulationen in sozialen Medien können die Ermittlungen erschweren und das Kind zusätzlich belasten. Die Polizei bittet daher, keine unbestätigten Bilder oder private Daten zu verbreiten und sich an die offiziellen Meldewege zu halten.

Welche Lehren dieser Fall für den Kinderschutz in Berlin nahelegt

Jeder Vermisstenfall ist auch eine Gelegenheit, Strukturen zu prüfen. In Berlin sind zum Stichtag Anfang 2026 hunderte Personen als vermisst gemeldet, darunter Dutzende Kinder und Jugendliche. Die Zahlen zeigen: Es braucht nicht nur schnelle Fahndung, sondern auch präventive Netzwerke zwischen Jugendämtern, Schulen, Träger der Jugendhilfe und der Polizei.

Langfristig könnte dieser Fall dazu beitragen, dass Meldewege noch niedrigschwelliger werden – etwa durch klar kommunizierte Ansprechpersonen in Einrichtungen oder digitale Tools, mit denen Fachkräfte bei Auffälligkeiten schneller Rückhalt bei der Polizei erhalten. Wichtig ist, dass Kinder wie Aiden nicht nur als „Fälle” wahrgenommen werden, sondern als junge Menschen, deren Stimmen gehört werden müssen – auch und gerade in Krisen.

Wie es jetzt weitergeht

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Die Polizei wertet weiterhin Hinweise aus, prüft mögliche Aufenthaltsorte und bleibt im Austausch mit der Jugendhilfe. Parallel dazu bleibt der Appell an die Öffentlichkeit bestehen: Jede Beobachtung kann helfen. Wer etwas weiß, soll sich melden – direkt bei der Polizei, über die Vermisstenstelle oder im Notfall über 110.

Für Aiden und ihre Angehörigen ist dies eine Zeit großer Unsicherheit. Für die Stadt ist es ein Moment, in dem sich zeigt, wie gut Schutznetze funktionieren. Die Hoffnung aller Beteiligten ist, dass sich die Spur der 13‑Jährigen schnell schließt – und dass sie wohlbehalten zurückkehrt.

Quellen

Sie kam am Mittwoch nicht in der Schule an: 13-Jährige in Berlin vermisst – wer hat Bảo Anh Le gesehen?
Vermisste Minderjährige aus Osnabrück in Berlin aufgetaucht

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