23.09.2026
6 Minuten Lesezeit

Wolfgang Pauritsch: Warum selbst ein erfahrener Auktionator bei Millionenbeträgen zittert

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@2026 privat

Wolfgang Pauritsch kennt den Kunst– und Antiquitätenhandel aus zwei unterschiedlichen Perspektiven: als Händler, der wertvolle Stücke ankauft und weiterverkauft, und als Auktionator, der innerhalb weniger Sekunden über hohe Summen mitentscheidet. In einem Podcast spricht der „Bares für Rares“-Händler über seine Karriere, persönliche Rückschlägeund den Moment, in dem ein Zuschlag von zwölfMillionen Euro selbst ihn nervös machte.

Seine Geschichte zeigt, dass Erfolg im Auktionsgeschäft nicht allein von Fachwissen abhängt. Ebenso wichtig sind Vertrauen, Risikobereitschaft, Menschenkenntnis und die Fähigkeit, auch unter hohem Druck ruhig zu bleiben.

Vom Rohrschlosser zum Auktionator

Wolfgang Pauritsch wurde in Österreich geboren und wuchs bei seinen Großeltern unter einfachen Bedingungen auf. Nach der Schule absolvierte er zunächst eine Ausbildung zum Rohrschlosser. Mit Kunst, Schmuck und historischen Gegenständen hatte sein späterer Beruf zu diesem Zeitpunkt wenig zu tun.

Der entscheidende Wendepunkt kam eher zufällig. Während einer Tätigkeit in einem Münchner Auktionshaus musste Pauritsch für eine erkrankte Auktionatorin einspringen. Aus dieser Vertretung entwickelte sich eine berufliche Perspektive. Der damalige Chef bot ihm einen Vertrag an – und Pauritsch begann, sich systematisch in eine Branche einzuarbeiten, in der Erfahrung und Glaubwürdigkeit besonders wichtig sind.

Sein Wissen erwarb er nicht ausschließlich über klassische Ausbildungswege. Wolfgang Pauritsch besuchte Museen, sprach mit Sammlern und eignete sich die Grundlagen des Kunsthandels Schritt für Schritt an. Diese Lernbereitschaft ist im Antiquitätenhandel ein wichtiger Erfolgsfaktor: Kein Händler kann jedes Objekt kennen, jede Signatur erkennen oder jede historische Einordnung auswendig beherrschen.

Gerade bei seltenen Gegenständen genügt es nicht, einen Marktpreis zu kennen. Fachleute müssen Herkunft, Zustand, Restaurierungen, Material, Nachfrage und mögliche Käufergruppen beurteilen. Ein scheinbar unscheinbares Objekt kann dadurch deutlich wertvoller sein als ein äußerlich beeindruckendes Stück.

Der Preis entsteht nicht nur am Objekt

Eine zentrale Erkenntnis aus dem Berufsalltag von Wolfgang Pauritsch lautet: Der Wert eines Gegenstands ist nicht statisch. Er entsteht im Zusammenspiel aus Seltenheit, Belegbarkeit, Nachfrage und dem richtigen Zeitpunkt.

Ein Gemälde kann beispielsweise künstlerisch interessant sein, aber wegen einer unsicheren Herkunft nur begrenzt gehandelt werden. Ein Schmuckstück kann dagegen durch eine bekannte Provenienz, einen prominenten Vorbesitzer oder ein außergewöhnliches Design plötzlich eine ganz andere Käufergruppe erreichen.

Bei Auktionen kommt zudem die Dynamik des Bietens hinzu. Zwei Interessenten können ein Objekt wesentlich höher bewerten als der ursprüngliche Besitzer – nicht unbedingt, weil der Gegenstand objektiv mehr wert geworden ist, sondern weil beide ihn unbedingt erwerben möchten. Konkurrenz verändert die Preiswahrnehmung.

Hier zeigt sich die besondere Rolle eines Auktionators. Er muss den Markt nicht nur beobachten, sondern auch die Atmosphäre im Raum lesen. Wer zögert? Wer bietet aus Überzeugung? Wer versucht, die Konkurrenz einzuschüchtern? Und wann ist ein Gebot tatsächlich ausgeschöpft?

Wolfgang Pauritsch arbeitet dabei mit einer Mischung aus Erfahrung und Intuition. Trotzdem bleibt jede Einschätzung mit Unsicherheit verbunden. Selbst ein langjähriger Experte kann sich irren, wenn Informationen fehlen oder sich die Stimmung während der Auktion unerwartet verändert.

Der Moment bei zwölf Millionen Euro

Besonders eindrucksvoll ist die Erinnerung von Wolfgang Pauritsch an eine außergewöhnliche Versteigerung. Eine Leica-Kamera aus dem Besitz von Oskar Barnack, dem Erfinder der Kleinbildkamera, wurde für zwölf Millionen Euro zugeschlagen. Mit Aufgeld musste der Käufer insgesamt 14,4 Millionen Euro bezahlen. Der Verkauf wurde als Rekord für eine Kamera eingeordnet.

Pauritsch beschrieb später, dass er bei zwölf Millionen Euro zu zittern begann. Diese Reaktion ist mehr als eine persönliche Anekdote. Sie macht deutlich, welche Verantwortung mit einem solchen Zuschlag verbunden ist.

Bei einem Betrag in dieser Größenordnung geht es nicht mehr um einen gewöhnlichen Kaufentscheid. Für den Auktionator zählen absolute Präzision, eine klare Kommunikation und die sichere Zuordnung des Gebots. Ein Missverständnis könnte enorme finanzielle Folgen haben.

Zugleich zeigt der Moment, dass Professionalität nicht bedeutet, keine Emotionen zu empfinden. Wer die Bedeutung eines Geschäfts versteht, wird die Spannung vermutlich besonders stark wahrnehmen. Die entscheidende Fähigkeit besteht darin, trotz dieser Spannung handlungsfähig zu bleiben.

Der Millionenverkauf steht damit auch für die Entwicklung von Wolfgang Pauritsch. Aus einem Quereinsteiger, der sich sein Fachwissen selbst erarbeitete, wurde ein Auktionator, der internationale Rekordgeschäfte begleiten konnte.

Fernsehen wirkt leichter als der Alltag im Laden

Bekannt wurde Wolfgang Pauritsch einem breiten Publikum vor allem durch „Bares für Rares“. Seit 2013 gehört er zum Händlerteam der ZDF-Sendung. Nach eigenen Angaben empfindet er die Fernseharbeit teilweise sogar als entspannter als den Alltag in seinem eigenen Geschäft. Die Dreharbeiten bezeichnete er sinngemäß als eine Art Urlaub, während der tägliche Betrieb eines Antikhandels deutlich anstrengender sei.

Das mag zunächst überraschend klingen. Im Fernsehen stehen Händler unter Beobachtung, müssen schnell reagieren und vor laufenden Kameras verhandeln. Dennoch ist der Rahmen einer Sendung klar strukturiert. Die Objekte werden vorbereitet, Experten prüfen sie, und die Händler können sich auf den eigentlichen Ankauf konzentrieren.

Im eigenen Geschäft fallen dagegen zahlreiche zusätzliche Aufgaben an. Dazu gehören die Bewertung von Einlieferungen, Gespräche mit Kunden, Lagerung, Versicherungen, Logistik, Verkaufsabwicklung und die Verantwortung gegenüber Besitzern, die ihre Waren auf Kommission anbieten.

Diese Unterschiede sind für das Verständnis des Antiquitätenhandels wichtig. Die unterhaltsame Verhandlung im Fernsehen ist nur ein kleiner Ausschnitt eines viel komplexeren Geschäftsmodells. Hinter einem möglichen Gewinn stehen oft monatelange Arbeit, Kapitalbindung und das Risiko, dass sich ein Gegenstand nicht wie erwartet verkaufen lässt.

Warum die Mitte des Marktes schwieriger wird

Wolfgang Pauritsch beobachtet außerdem Veränderungen bei den Kunden. Besonders Kunstwerke und hochwertige Juwelen würden von wohlhabenden Käufern weiterhin als interessante Anlage betrachtet. Im mittleren Preisbereich sei die Nachfrage hingegen schwieriger geworden. Waren zwischen 50 und 500 Euro ließen sich nach seiner Einschätzung deutlich schwerer verkaufen.

Dahinter stehen mehrere Entwicklungen. Haushalte mit begrenztem Budget müssen in wirtschaftlich unsicheren Zeiten stärker auf laufende Kosten achten. Ein dekorativer Gegenstand oder ein nicht dringend benötigtes Sammlerstück wird dann leichter aufgeschoben. Gleichzeitig konzentriert sich das Interesse vermögender Käufer zunehmend auf Objekte mit klarer Herkunft und langfristigem Wertpotenzial.

Für den Handel bedeutet das eine stärkere Polarisierung. Sehr günstige Ware muss schnell und effizient verkauft werden. Hochwertige Objekte können trotz hoher Preise Käufer finden, wenn Qualität und Provenienz überzeugend sind. Dazwischen liegt ein Bereich, in dem viele Kunden zwar Interesse haben, aber nicht unbedingt bereit sind, Geld auszugeben.

Diese Entwicklung dürfte den Antiquitätenhandel auch in Zukunft prägen. Händler müssen genauer auswählen, welche Waren sie ankaufen. Ein gefülltes Lager ist nicht automatisch ein Zeichen für Erfolg. Entscheidend ist, wie schnell sich gebundenes Kapital wieder in Umsatz verwandelt.

Der Einbruch als härteste Bewährungsprobe

Dass der Handel mit wertvollen Gegenständen erhebliche Risiken birgt, erlebte Wolfgang Pauritsch schon früh in seiner Selbstständigkeit. Mitte der 1990er-Jahre wurde in sein Geschäft eingebrochen. Der Schaden lag bei mehr als 150.000 Euro. Besonders belastend war, dass sich darunter Gegenstände befanden, die ihm nicht selbst gehörten.

Für einen jungen Unternehmer hätte eine solche Situation das endgültige Aus bedeuten können. Pauritsch musste nicht nur den materiellen Schaden bewältigen, sondern auch das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen, die ihm ihre Wertgegenstände anvertraut hatten.

Der Fall verdeutlicht ein oft unterschätztes Problem des Antiquitätenhandels: Händler tragen Verantwortung für Waren, die ihnen teilweise gar nicht gehören. Sicherheitsmaßnahmen, Versicherungen, Dokumentation und eine sorgfältige Abwicklung sind deshalb keine Nebensachen, sondern die Grundlage des Geschäfts.

Pauritsch konnte seine Schulden schließlich zurückzahlen. Diese Erfahrung dürfte auch seine spätere Haltung geprägt haben. Wer einmal erlebt hat, wie schnell ein Geschäft durch ein einzelnes Ereignis existenziell bedroht werden kann, beurteilt Risiken vermutlich anders als jemand, der nur erfolgreiche Auktionen sieht.

Was seine Geschichte für die Zukunft zeigt

Wolfgang Pauritsch steht für eine Branche im Wandel. Der klassische Antikhandel wird künftig stärker von überprüfbarer Herkunft, digitaler Reichweite und internationaler Nachfrage beeinflusst werden. Käufer wollen nicht nur wissen, wie ein Objekt aussieht, sondern auch, woher es stammt und ob seine Geschichte glaubwürdig dokumentiert ist.

Gleichzeitig wird menschliche Expertise wichtig bleiben. Digitale Datenbanken können Preise vergleichen und ähnliche Objekte finden. Sie ersetzen jedoch nicht vollständig das Urteil eines erfahrenen Händlers, der Material, Verarbeitung, Zustand und Marktstimmung gemeinsam betrachtet.

Auch Fernsehformate wie „Bares für Rares“ verändern den Zugang zu Antiquitäten. Gegenstände, die früher nur Fachleute interessierten, werden einem breiten Publikum bekannt. Dadurch können neue Käufergruppen entstehen. Andererseits besteht die Gefahr, dass Zuschauer einzelne spektakuläre Funde als Normalfall betrachten.

Die eigentliche Leistung von Wolfgang Pauritsch besteht deshalb nicht nur darin, Millionenauktionen zu begleiten oder vor der Kamera überzeugend zu verhandeln. Seine Laufbahn zeigt, wie viel Ausdauer hinter einem Beruf steckt, der nach außen oft spielerisch wirkt.

Wolfgang Pauritsch hat seinen Platz im Auktionsgeschäft nicht durch einen geradlinigen Karriereweg erreicht. Er begann als gelernter Rohrschlosser, lernte durch Beobachtung und Praxis, überstand eine schwere finanzielle Krise und entwickelte sich zu einem bekannten Kunst- und Antiquitätenhändler.

Dass Wolfgang Pauritsch bei zwölf Millionen Euro noch nervös wurde, macht ihn nicht weniger professionell. Es zeigt vielmehr, dass selbst jahrzehntelange Erfahrung den Respekt vor großen Entscheidungen nicht verschwinden lässt.

Quellen

»Bei zwölf Millionen habe ich angefangen zu zittern«
Wolfgang Pauritsch: Vom Schuldenberg zum “Bares für Rares”-Händler und Top-Auktionator

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