Zahnpasta ist längst nicht mehrnur ein Basisprodukt aus der Drogerie. Was sich hinter der Marke Artem Oral Care verbirgt, zeigt, wie stark sich der Markt für Mundpflege in den vergangenen Jahren gewandelt hat – und warum selbst prominente Gründerinnen wie Diana zur Löwenan der Bewertung ihrer Start-ups scheitern können.
Der Pitch: Von der Investorin zur Gründerin
Diana zur Löwen kennt die „Höhle der Löwen” aus einer anderen Perspektive. 2022 saß sie noch als Gastlöwin auf der Investor-Seite, 2026 kehrte sie mit ihrem eigenen Start-up zurück – diesmal als Gründerin. Gemeinsam mit der ehemaligen Unternehmensberaterin Rebecca Linneweber und der Zahnärztin Julia von Wolff präsentierte sie Artem Oral Care, eine Berliner Marke für moderne Mundpflege.
Das Produktversprechen klingt vielversprechend: Ein Zahnpasta-Duo für morgens und abends, das Mundgesundheit, Mikrobiom und Ästhetik verbinden soll. Eine Tube kostet im Pitch 24,90 Euro, das Duo 39,90 Euro. Für zehn Prozent der Firmenanteile forderten die drei Gründerinnen 300.000 Euro – was einer Unternehmensbewertung von drei Millionen Euro entspricht.
Warum die Löwen absprangen
Die Reaktion der Investoren war gemischt. Ralf Dümmel und Frank Thelen konnten aufgrund eigener Investments in Konkurrenzprodukte gar nicht mitbieten. Die übrigen Löwen schauten umso genauer auf die Zahlen.
Andreas W. Herb machte es kurz: „Die Bewertung finde ich crazy.” Judith Williams gefiel die Geschäftsidee, doch bei drei Millionen Euro Firmenwert zog sie die Grenze. Ihre Ansage an das Trio: „Ich finde das sehr interessant, aber überhaupt nicht auf der Basis dieser Bewertung.”
Diana zur Löwen und ihre Mitgründerinnen berieten sich und kamen mit neuen Zahlen zurück: 400.000 Euro für 20 Prozent, entweder mit einem oder mit zwei Löwen. Doch auch das brachte die erhoffte Wende nicht. Williams richtete sich direkt an ihre frühere Löwen-Kollegin: „Diana, I’ll always be your friend. Aber ich bin aufgrund eurer Bewertung nicht euer Investor. Ich bin raus.” Auch Janna Ensthaler sagte Nein.
Die ehemalige Gast-Löwin verließ die „Höhle” diesmal also selbst ohne Investment – und sichtlich angefasst: „Wir sind natürlich supertraurig.”
Der Markt für Premium-Zahnpasta im Wandel
Was bei Artem Oral Care auf den ersten Blick wie ein überzogener Preis wirkt, spiegelt einen größeren Trend wider. Der Markt für Zahnpasta hat sich in den vergangenen Jahren stark segmentiert. Während klassische Drogerieprodukte oft unter fünf Euro kosten, etablieren sich zunehmend Premium-Marken mit Preisen zwischen 15 und 25 Euro pro Tube.
Die Begründung der Gründerinnen: Sie bringen Skincare in die Zahnpflege. Artem Oral Care setzt auf einen mikrobiomfokussierten Ansatz mit Enzymen aus Ananas und Papaya, Nanohydroxylapatit und Probiotika. Die Idee dahinter: Nicht nur die Zähne, sondern der gesamte Mundraum soll gepflegt werden.
Doch ist das den Aufpreis wert? Zahnmedizinische Experten sind skeptisch. Bei einem Preissprung von 4,99 Euro auf 19,90 Euro – rund 179 Euro Mehrkosten im Jahr bei monatlichem Verbrauch – handelt es sich primär um eine Lifestyle-Entscheidung. Die zahnmedizinische Überlegenheit gegenüber einer gut formulierten, günstigeren Sensitiv-Zahnpasta ist nicht durch unabhängige Langzeitstudien belegt.
Zahnstein entfernen: Was wirklich hilft
Viele Verbraucher suchen nach einer Zahnpasta die Zahnstein entfernt. Doch hier ist Vorsicht geboten. Zahnstein entsteht durch die Mineralisierung von Plaque und lässt sich nicht einfach durch Zahnpasta entfernen. Eine Zahnstein entfernen Zahnpasta kann lediglich vorbeugend wirken, indem sie die Plaque-Bildung reduziert.
Professionelle Hilfe bietet hier ein Theranovis Oral Zahnstein Gel, das in der zahnärztlichen Praxis eingesetzt wird. Für den täglichen Gebrauch sind Zahnpasten mit speziellen Enzymen oder Mikropartikeln besser geeignet, um die Zahnbeläge zu minimieren.
Warum die Bewertung problematisch war
Aus Investorensicht war die Bewertung von drei Millionen Euro für ein Start-up mit rund 196.000 Euro Umsatz in den ersten sechs Monaten schlicht zu hoch. Diana zur Löwen verteidigte die Zahl: „Als Investorin bekomme ich selbst viele Pitches von Start-ups, die in einer ähnlichen Phase zum Teil deutlich höhere Bewertungen aufrufen.” Dass ihre Bewertung realistisch war, zeige auch die Tatsache, dass sie auf dieser Basis kürzlich eine Finanzierungsrunde mit einem Berliner Venture-Capital-Fonds abgeschlossen haben.
Doch für die Löwen war das kein Vertrauensvorschuss wert. Ralf Dümmel urteilte beim Produktpreis: „Das kannst du in der Drogerie vergessen.” Zur Löwen kündigte an, den Preis unter zehn Euro drücken zu wollen.
Die Zukunft von Artem Oral Care
Trotz des gescheiterten Pitches geht Artem Oral Care weiter. Die Produkte sind im eigenen Onlineshop erhältlich, mit Preisen zwischen 4,90 Euro für Zahnseide und 99,90 Euro für das Premium Bundle. Die Zahnpasta kostet je nach Variante 17,90 oder 19,90 Euro.
Ein Detail passt zum Sendetermin: Der Shop führt ein Löwen-Bundle für 34,90 Euro. Ab 55 Euro Bestellwert entfallen die Versandkosten.
Was Gründer aus dem Scheitern lernen können
Der Fall Artem Oral Care zeigt mehrere wichtige Lehren für angehende Gründer:
Erstens: Eine prominente Vergangenheit als Investorin garantiert keinen Deal. Die Löwen bewerteten das Angebot sachlich – und kamen zum Schluss, dass Preis und Bewertung nicht zum Marktpotenzial passen.
Zweitens: Der Premium-Markt für Zahnpasta ist hart umkämpft. Während einige Verbraucher bereit sind, für spezielle Formeln mehr zu zahlen, bleibt der Großteil des Marktes preissensibel.
Drittens: Flexibilität bei der Bewertung kann entscheidend sein. Doch selbst ein Nachbesserungsangebot von 400.000 Euro für 20 Prozent reichte nicht, um die Löwen zu überzeugen.
Fazit: Ein Lehrstück für Gründer und Investoren
Diana zur Löwen hat mit Artem Oral Care zweifellos ein durchdachtes Produkt entwickelt. Die Kombination aus zahnärztlicher Expertise, mikrobiomfokussierter Formulierung und ästhetischem Anspruch trifft einen zeitgemäßen Nerv. Doch im hart umkämpften Markt der Zahnpflege reicht das allein nicht.
Für Gründer bedeutet das: Eine realistische Bewertung ist oft wichtiger als ein hoher Preis. Für Investoren zeigt der Fall: Auch bei sympathischen Gründern und guten Produkten muss die Zahlenlogik stimmen.
Und für Verbraucher? Die Entscheidung für eine Premium-Zahnpasta bleibt eine individuelle Abwägung zwischen wissenschaftlichem Anspruch, Lifestyle-Faktor und Budget.
Quellen
Diana zur Löwen plötzlich Gründerin
Diana zur Löwen geht als Gründerin bei DHDL leer aus






