Die deutsche Papier- und Verpackungsindustrie trifft es erneut: Der Wellpappenhersteller Gissler & Pass Rodenberg GmbH ist zahlungsunfähig. Ursprünglich war eine Insolvenz in Eigenverwaltung vorgesehen, doch das Amtsgericht hat anders entschieden – es setzte einen Insolvenzverwalter ein. Damit ist der bisher geplante Sanierungskurs zunächst vom Tisch.
Das Unternehmen mit rund 138 Beschäftigten kämpft seit Monaten mit stark gestiegenen Rohstoffpreisen, höheren Energiekosten und anhaltender Nachfrageschwäche in der Verpackungsbranche. Diese Mischung hat die Liquidität erheblich belastet.
Mitarbeiter bangen um ihre Arbeitsplätze
Für die Belegschaft bedeutet die Entscheidung des Gerichts eine weitere Phase der Unsicherheit. Ob der Betrieb fortgeführt oder ein Käufer gefunden werden kann, ist derzeit offen. Der Insolvenzverwalter wird in den kommenden Wochen prüfen, ob und wie die Produktion unter den aktuellen Marktbedingungen aufrechterhalten werden kann.
Gewerkschaften und Betriebsrat betonten, dass sie alles daran setzen werden, die Arbeitsplätze zu sichern. Dennoch werden Restrukturierungen und Personalabbau nicht ausgeschlossen.
Marktkrise in der Papier- und Verpackungsbranche
Die Pleite von Gissler & Pass Rodenberg reiht sich in eine Serie wirtschaftlicher Schwierigkeiten innerhalb der Branche ein. In den letzten Monaten hatten bereits mehrere mittelständische Papierfabriken Insolvenz anmelden müssen – ein Zeichen für die anhaltende Strukturkrise des Sektors. Gründe sind unter anderem:
- Sinkende Nachfrage durch den digitalen Wandel
- Hohe Energiepreise und Rohstoffkosten
- Zunehmender Wettbewerbsdruck aus Osteuropa und Asien
Laut dem Verband der Papier, Pappe und Kunststoffverarbeitung (VDP) ist der Umsatz der Branche im vergangenen Jahr um fast zehn Prozent zurückgegangen. Besonders stark betroffen sind Produzenten von Wellpappe und Verpackungsmaterialien.
Hoffnung auf Sanierung oder Verkauf
Trotz der schwierigen Lage besteht noch ein Rest Hoffnung. Branchenexperten sehen in einem möglichen Investoreneinstieg eine Chance für den Fortbestand des Unternehmens. Sollte sich ein finanzkräftiger Käufer finden, könnte die Produktion in Rodenberg – zumindest teilweise – erhalten bleiben.
Wie es für Gissler & Pass Rodenberg weitergeht, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Für viele Mitarbeiter bleibt aber vorerst nur das Warten und Hoffen.
Quellen
Weiterer deutscher Papier-Hersteller geht pleite
Insolvenz von Gissler und Pass in Rodenberg