01.10.2026
5 Minuten Lesezeit

Zuckersteuer kommt 2027 – doch Coke Zero bleibt verschont: Was der neue Gesetzentwurf wirklich bedeutet

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@2026 dpa

Zuckersteuer – dieses Wort wirdab Juli 2027 auf vielen Getränkedosen und Flaschen in Deutschland eine neue Bedeutung bekommen. Doch während klassische Limonaden wie Coca-Cola, Fanta oder Sprite spürbar teurer werden, bleiben zuckerfreie Alternativen wie Coke Zero oderalkoholfreies Bier von der Abgabe ausgenommen. Der aktuelle Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums markiert damit eine wichtige Kurskorrektur gegenüber früheren Überlegungenund wirft grundlegende Fragen zur Wirksamkeit, Gerechtigkeit und gesundheitlichen Sinnhaftigkeit solcher Lenkungssteuern auf.

Die neue Staffelung: So viel kostet die zuckersteuer ab 2027

Der Gesetzentwurf sieht eine nach dem Gesamtzuckergehalt gestaffelte Verbrauchsteuer vor, die bereits im kommenden Jahr in Kraft treten soll. Ab dem 1. Juli 2027 müssen Hersteller und Importeure für jedes Liter Getränk mit mindestens 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter zwischen 26 und 38 Cent Steuern zahlen – je nachdem, wie süß das Produkt ist.

Konkret bedeutet das: Getränke mit 5 bis unter 7 Gramm Zucker pro 100 Milliliter werden mit 0,26 Euro pro Liter belastet. Dazu zählen etwa Sprite oder Bionade. Bei 7 bis unter 10 Gramm Zucker steigt die Abgabe auf 0,32 Euro – betroffen sind etwa Fanta oder Mezzo Mix. Die höchste Stufe von 0,38 Euro pro Liter trifft Getränke mit 10 Gramm Zucker oder mehr, also klassische Cola-Marken oder Energydrinks wie Red Bull.

Wichtig: Auf diesen Steuersatz kommen noch die üblichen 19 Prozent Mehrwertsteuer drauf. Für Verbraucher bedeutet das am Ende eine Preiserhöhung von rund 30 bis 45 Cent pro Liter, je nach Produkt.

Ausnahmen im Detail: Was nicht von der zuckersteuer betroffen ist

Die bewusste Ausgestaltung der Ausnahmen zeigt, dass die Bundesregierung hier nicht einfach pauschal alle süßen Getränke treffen will. Von der zuckersteuer explizit ausgenommen sind:

  • Zero- und Light-Getränke wie Coke Zero, Pepsi Max oder andere mit Süßstoffen gesüßte Alternativen
  • Reine Frucht- und Gemüsesäfte ohne Zuckerzusatz sowie entsprechende Schorlen
  • Alkoholfreie Getränke wie alkoholfreies Bier, alkoholfreier Wein und alkoholfreier Schaumwein
  • Milchgetränke sowie pflanzliche Drinks auf Hafer-, Reis- oder Sojabasis
  • Nahrungsergänzungsmittel und Produkte, die unter das Arzneimittelgesetz fallen

Diese Differenzierung ist politisch klug gewählt: Sie belohnt Hersteller, die bereits auf Zucker reduziert oder verzichtet haben, und schont gleichzeitig Produkte, die per se als „natürlich” oder „gesund” wahrgenommen werden – auch wenn Fruchtsäfte teilweise ähnlich viel Zucker enthalten können wie Limonaden.

Warum diese zuckersteuer? Die doppelte Motivation hinter dem Gesetz

Hinter der geplanten Abgabe stehen zwei klar benannte Ziele der Bundesregierung. Erstens soll die zuckersteuer zusätzliche Einnahmen in den Bundeshaushalt spülen: 795 Millionen Euro im ersten Jahr, ab 2028 dann jährlich rund 1,2 Milliarden Euro. Dieses Geld dient dazu, eine geringere Kürzung des Bundeszuschusses an den Gesundheitsfonds zu finanzieren – ein klassischer Fall von Gegenfinanzierung.

Zweitens verfolgt die Regierung ein gesundheitspolitisches Anliegen: Der Zuckerkonsum der Bevölkerung soll gesenkt werden. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) argumentiert dabei auch mit Gerechtigkeitsaspekten. Wenn hoher Zuckerkonsum zu steigenden Gesundheitskosten führe, sollten Verbraucher stärker an deren Finanzierung beteiligt werden.

Kritiker wenden ein, dass diese Logik gefährlich nah an einer „Bevormundungssteuer” liegt, die individuelle Wahlfreiheit einschränkt. Befürworter sehen darin hingegen ein bewährtes Instrument der Verhaltensökonomie, das Menschen zu gesünderen Entscheidungen anleitet – ähnlich wie bei der Tabaksteuer.

Internationale Erfahrungen: Was die zuckersteuer dänemark lehrt

Ein besonders spannender Blick lohnt nach Dänemark. Dort wurde bereits 2011 eine zuckersteuer eingeführt, 2014 jedoch wieder abgeschafft. Die Erfahrungen waren gemischt: Als die Steuer eingeführt wurde, sank der Konsum zuckerhaltiger Getränke im Durchschnitt deutlich. Allerdings reagierten Menschen mit geringer Selbstkontrolle kaum auf die höheren Preise – sie kauften weiterhin ähnlich viele Softdrinks wie zuvor.

Interessant ist auch, was nach der Abschaffung passierte: Beide Gruppen – sowohl diejenigen mit hoher als auch mit niedriger Selbstkontrolle – erhöhten ihren Konsum wieder um etwa ein Viertel. Das zeigt, dass Steuern zwar kurzfristig wirken können, aber keine dauerhafte Verhaltensänderung erzwingen, wenn die zugrundeliegenden Präferenzen unverändert bleiben.

Die zuckersteuer dänemark lehrt also: Eine solche Abgabe kann ein wirksames Instrument sein, aber sie ist kein Allheilmittel. Die konkrete Ausgestaltung – etwa die Höhe der Steuer, die Breite der Ausnahmen und die begleitenden Maßnahmen wie Aufklärungskampagnen – entscheidet maßgeblich über den Erfolg.

Gesundheitliche Wirkung: Bis zu 244.000 weniger Diabetes-Fälle?

Eine aktuelle Simulationsstudie der Technischen Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit britischen Universitäten kommt zu bemerkenswerten Ergebnissen. Demnach könnte eine zuckersteuer in Deutschland innerhalb von 20 Jahren bis zu 244.100 Fälle von Typ-2-Diabetes verhindern oder verzögern.

Die Studie modelliert zwei Szenarien: Eine pauschale 20-prozentige Preiserhöhung auf Softdrinks und eine gestaffelte Herstellerabgabe ähnlich dem aktuellen deutschen Entwurf. In beiden Fällen würde der tägliche Zuckerkonsum pro Person sinken – um 1 Gramm im ersten, um 2,3 Gramm im zweiten Szenario.

Die gesundheitlichen Folgen wären erheblich: Deutlich weniger Fälle von Übergewicht, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Volkswirtschaftlich errechnen die Forscher Einsparungen von rund 16 Milliarden Euro über zwei Jahrzehnte, davon etwa 4 Milliarden Euro an direkten Gesundheitskosten.

Allerdings: Diese Zahlen basieren auf Modellrechnungen, nicht auf realen Daten aus Deutschland. Die tatsächliche Wirkung hängt stark davon ab, wie Konsumenten reagieren – ob sie auf günstigere, zuckerarme Alternativen umsteigen, die Rezepturen ändern oder einfach mehr bezahlen.

zuckersteuer nachteile: Kritik aus Wirtschaft und Politik

Trotz der vielversprechenden Gesundheitsprognosen ist die geplante Abgabe politisch umstritten. Teile der Union lehnen die zuckersteuer grundsätzlich ab und warnen vor einer weiteren Belastung der Verbraucher in Zeiten hoher Inflation.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die sogenannten zuckersteuer nachteile: Die Abgabe treffe einkommensschwache Haushalte überproportional stark, da diese einen höheren Anteil ihres Budgets für Lebensmittel und Getränke ausgeben. Studien aus den USA zeigen zwar, dass gerade einkommensschwache Familien ihren Konsum zuckerhaltiger Getränke am stärksten reduzieren – um fast 50 Prozent –, doch bleibt die Frage, ob dies als sozial gerecht empfunden wird.

Zudem warnen Wirtschaftsforscher vor unbeabsichtigten Effekten: Wenn Hersteller Zucker durch andere Süßungsmittel ersetzen, die ebenfalls gesundheitlich bedenklich sein könnten, oder wenn Konsumenten auf andere zuckerreiche Produkte ausweichen, verpufft der gewünschte Gesundheitseffekt teilweise.

zucker tank: Ein Blick auf parallele Lenkungssteuern

Die Diskussion um die zuckersteuer erinnert stark an andere Lenkungssteuern, etwa die CO2-Abgabe auf Kraftstoffe oder die geplante Diskussion um einen sogenannten zucker tank – eine hypothetische Steuer auf besonders zuckerreiche Lebensmittel ähnlich der Energiesteuer auf Benzin.

Der Gedanke dahinter ist stets derselbe: Durch Preisgestaltung Verhalten steuern und externe Kosten internalisieren. Bei der zuckersteuer geht es um die Kosten, die durch zuckerbedingte Erkrankungen im Gesundheitssystem entstehen. Beim zucker tank würde man analog argumentieren: Wer besonders ungesunde Produkte konsumiert, sollte stärker zur Finanzierung der Folgekosten beitragen.

Doch genau hier liegt der politische Zündstoff: Wo hört legitime Gesundheitsvorsorge auf, wo fängt staatliche Bevormundung an? Die Antwort darauf ist nicht nur eine Frage der Evidenz, sondern auch der gesellschaftlichen Werte.

Was bedeutet das für Verbraucher und Hersteller?

Für Hersteller bedeutet die kommende zuckersteuer einen erheblichen Anpassungsdruck. Viele haben bereits in den vergangenen Jahren ihre Rezepturen zuckerreduziert – etwa durch den Einsatz von Süßstoffen wie Stevia oder Erythrit. Die explizite Verschonung von Zero-Getränken im aktuellen Entwurf belohnt diese Strategie und dürfte weitere Reformulierungen anregen.

Für Verbraucher heißt das: Wer weiterhin klassische Limonaden trinken möchte, muss ab Juli 2027 tiefer in die Tasche greifen. Wer auf zuckerarme oder zuckerfreie Alternativen umsteigt, spart nicht nur Geld, sondern reduziert auch seinen Zuckerkonsum – mit potenziell positiven Gesundheitseffekten.

Die zuckersteuer wird also nicht nur den Preis von Getränken verändern, sondern langfristig auch das Sortiment in Supermärkten und die Rezepturen in Fabriken. Ob sie damit ihr gesundheitspolitisches Ziel erreicht, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Fazit: Ein Kompromiss mit Potenzial – und offenen Fragen

Die aktuelle Ausgestaltung der zuckersteuer zeigt, dass die Bundesregierung aus der Kritik an früheren Entwürfen gelernt hat. Die Verschonung von Zero-Getränken, Fruchtsäften ohne Zusatz und alkoholfreien Bieren macht die Abgabe zielgerichteter und politisch durchsetzbarer.

Gleichzeitig bleiben offene Fragen: Wird die Steuer tatsächlich zu weniger Zuckerkrankheiten führen? Oder weichen Konsumenten einfach auf andere ungesunde Produkte aus? Reichen die Einnahmen, um den Gesundheitsfonds nachhaltig zu entlasten? Und vor allem: Akzeptiert die Bevölkerung diese Form der „gesundheitlichen Lenkung” langfristig?

Die Erfahrungen aus Dänemark, Großbritannien und den USA zeigen: Eine zuckersteuer kann wirken – aber nur als Teil eines größeren Maßnahmenpakets aus Aufklärung, Transparenz und Angebotsgestaltung. Allein wird sie das deutsche Ernährungsverhalten nicht grundlegend ändern. Doch als erster Schritt in Richtung einer präventiveren Gesundheitspolitik ist sie ein wichtiger Baustein – mit Potenzial, aber auch mit Grenzen.

Quellen

Doch keine Zuckersteuer auf Coke Zero
Zuckersteuer soll schon ab Juli kommen und knapp dem Staat eine Milliarde Euro im Jahr bringen


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