Matthias Riedl steht seit Jahren für evidenzbasierte Ernährungsmedizin und klare Worte, wenn es um Gesundheitstrends geht. In einer Zeit, in der Nahrungsergänzungsmittel als schnelle Lösung für ein längeres, gesünderes Leben vermarktet werden, positioniert sich Matthias Riedl bewusst gegen den Strom. Sein aktueller Appell richtet sich gegen zwei besonders populäre, aber aus seiner Sicht überschätzte Substanzen – und trifft damit einen Nerv in einer Branche, die Milliarden umsetzt.
Was Matthias Riedl dabei so relevant macht: Er spricht nicht aus theoretischer Distanz, sondern aus jahrzehntelanger medizinischer Praxis. Seine Botschaft ist unbequem, aber notwendig – denn sie stellt eine zentrale Frage: Brauchen wir wirklich immer neue Supplements, oder unterschätzen wir die Grundlagen gesunder Ernährung?
Der Boom der Nahrungsergänzungsmittel
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel wächst rasant. Von Anti-Aging-Kapseln bis zu sogenannten „Longevity-Boostern“ wird alles angeboten, was ein längeres Leben verspricht. Gerade in sozialen Medien werden Produkte wie NMN (Nicotinamid-Mononukleotid) oder hochdosierte Antioxidantien als wissenschaftlich fundierte Wunderlösungen dargestellt.
Matthias Riedl sieht diese Entwicklung kritisch. Der Grund: Viele dieser Substanzen basieren auf frühen Studien, oft an Tieren oder in Laborumgebungen. Die Übertragbarkeit auf den Menschen ist häufig unklar. Dennoch greifen Verbraucher tief in die Tasche – in der Hoffnung auf mehr Energie, bessere Zellgesundheit und ein längeres Leben.
Das Problem dabei ist nicht nur der Preis. Matthias Riedl betont, dass falsche Erwartungen entstehen. Wer glaubt, Gesundheit lasse sich in Kapselform kaufen, vernachlässigt oft die grundlegenden Faktoren wie Ernährung, Bewegung und Schlaf.
Die zwei kritischen Substanzen im Fokus
Auch wenn Matthias Riedl keine pauschale Verteufelung aller Supplements betreibt, hebt er zwei besonders gehypte Stoffe hervor, bei denen Vorsicht geboten ist.
Zum einen geht es um sogenannte NAD+-Vorstufen wie NMN oder NR (Nicotinamid-Ribosid). Diese Stoffe sollen die Zellalterung verlangsamen, indem sie den Energiestoffwechsel beeinflussen. Die Theorie klingt überzeugend: Mit zunehmendem Alter sinkt der NAD+-Spiegel im Körper, also könnte eine Erhöhung diesen Prozess umkehren.
Doch Matthias Riedl weist darauf hin, dass die Studienlage beim Menschen bisher begrenzt ist. Es fehlen langfristige, unabhängige Untersuchungen, die einen klaren Nutzen belegen. Gleichzeitig sind diese Produkte oft extrem teuer.
Zum anderen kritisiert Matthias Riedl hochdosierte Antioxidantien in isolierter Form. Während Antioxidantien aus natürlichen Lebensmitteln wie Obst und Gemüse unbestritten gesund sind, kann eine künstlich hohe Zufuhr sogar kontraproduktiv sein. Einige Studien deuten darauf hin, dass zu viele isolierte Antioxidantien die körpereigenen Schutzmechanismen stören könnten.
Warum der Körper anders funktioniert als die Werbung verspricht
Ein zentraler Punkt in der Argumentation von Matthias Riedl ist das Missverständnis über biologische Systeme. Der menschliche Körper ist kein statisches System, das sich durch einzelne Stoffe „optimieren“ lässt.
Stattdessen handelt es sich um ein komplexes Zusammenspiel aus Stoffwechselprozessen, Hormonen und Zellkommunikation. Wenn ein einzelner Stoff künstlich erhöht wird, kann das unerwartete Nebenwirkungen haben.
Matthias Riedl betont, dass viele Marketingversprechen auf vereinfachten Modellen basieren. Ein Beispiel: Nur weil ein Stoff im Labor antioxidativ wirkt, bedeutet das nicht automatisch, dass er im menschlichen Körper dieselbe Wirkung entfaltet.
Diese Diskrepanz zwischen Theorie und Realität ist einer der Hauptgründe, warum Matthias Riedl zur Vorsicht rät.
Was wirklich zu einem langen Leben beiträgt
Während Matthias Riedl bestimmte Trends kritisch sieht, liefert er gleichzeitig eine klare Alternative: die Rückbesinnung auf bewährte Prinzipien.
Langfristige Studien zeigen immer wieder, dass folgende Faktoren entscheidend sind:
- Eine pflanzenbetonte, ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten
- Regelmäßige Bewegung, idealerweise kombiniert aus Ausdauer und Krafttraining
- Ausreichender und qualitativ hochwertiger Schlaf
- Stressmanagement und soziale Bindungen
Matthias Riedl unterstreicht, dass diese Faktoren in ihrer Wirkung deutlich besser belegt sind als die meisten Supplements. Sie sind zudem nachhaltiger und oft kostengünstiger.
Ein anschauliches Beispiel: In sogenannten „Blue Zones“, Regionen mit besonders hoher Lebenserwartung, spielen Nahrungsergänzungsmittel kaum eine Rolle. Stattdessen dominieren natürliche Ernährung, Bewegung im Alltag und starke soziale Netzwerke.
Die Psychologie hinter dem Supplement-Hype
Ein weiterer Aspekt, den Matthias Riedl indirekt anspricht, ist die psychologische Komponente. Nahrungsergänzungsmittel bieten eine einfache Lösung für ein komplexes Problem.
Viele Menschen suchen nach schnellen Ergebnissen. Eine Kapsel täglich wirkt greifbarer als eine langfristige Umstellung von Lebensgewohnheiten. Genau hier setzt die Industrie an.
Matthias Riedl sieht darin eine Gefahr: Die Verantwortung für die eigene Gesundheit wird ausgelagert. Statt sich mit Ernährung und Lebensstil auseinanderzusetzen, wird auf Produkte vertraut, deren Nutzen oft nicht ausreichend belegt ist.
Wirtschaftliche Interessen und fehlende Regulierung
Der Markt für Supplements ist nicht nur groß, sondern auch vergleichsweise schwach reguliert. Produkte müssen oft nicht denselben strengen Prüfungen standhalten wie Medikamente.
Matthias Riedl kritisiert, dass Verbraucher dadurch schwer einschätzen können, welche Produkte tatsächlich sinnvoll sind. Gleichzeitig profitieren Hersteller von hohen Margen und aggressivem Marketing.
Diese Kombination führt dazu, dass Trends schneller entstehen, als sie wissenschaftlich überprüft werden können.
Zukunft der Ernährungsmedizin
Die Aussagen von Matthias Riedl werfen auch einen Blick in die Zukunft. Die Ernährungsmedizin entwickelt sich zunehmend in Richtung personalisierte Ansätze.
Statt pauschaler Empfehlungen könnten individuelle Faktoren wie Genetik, Mikrobiom und Lebensstil stärker berücksichtigt werden. In diesem Kontext könnten bestimmte Supplements durchaus sinnvoll sein – aber gezielt und nicht als Massenlösung.
Matthias Riedl plädiert dafür, dass Entscheidungen auf fundierten Diagnosen basieren sollten, nicht auf Trends.
Ein realistischer Blick auf Gesundheit
Am Ende geht es Matthias Riedl um ein realistisches Verständnis von Gesundheit. Es gibt keine Abkürzungen, keine Wunderpillen und keine universelle Lösung.
Seine Botschaft ist klar: Wer langfristig gesund bleiben will, sollte sich auf die Grundlagen konzentrieren. Nahrungsergänzungsmittel können in bestimmten Fällen sinnvoll sein – etwa bei nachgewiesenen Mängeln – aber sie ersetzen keinen gesunden Lebensstil.
Diese Perspektive mag weniger spektakulär sein als die Versprechen der Supplement-Industrie. Doch genau darin liegt ihre Stärke.
Matthias Riedl erinnert daran, dass echte Gesundheit nicht gekauft, sondern aufgebaut wird – Schritt für Schritt, Entscheidung für Entscheidung.
Quellen
Appell von Dr. Riedl: „Finger weg“ von diesen Ergänzungsmitteln
Der Ernährungs-Doktor-Blog






