Ein Bericht der Hilfsorganisation Ärzte der Welt zeigt, dass immer mehr Menschen in Deutschland keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Trotz gesetzlicher Krankenversicherungspflicht leiden Zehntausende unter Lücken im System, insbesondere Wohnungslose und Geringverdiener. Die offiziellen Zahlen unterschätzen das Problem erheblich.
Offizielle Zahlen und Realität
Das Statistische Bundesamt meldet für 2023 rund 72.000 Menschen ohne Krankenversicherung und keinen anderen Anspruch auf Versorgung – ein Anstieg um 11.000 seit 2019. Ärzte der Welt schätzen die tatsächliche Zahl jedoch auf mehrere Hunderttausend, da der Mikrozensus Wohnungslose mit über 80 Prozent der Betroffenen nicht erfasst. Weitere 198.000 Personen haben nur eingeschränkten Zugang, etwa über Asylbewerberleistungen.
Betroffene Gruppen und Klinikdaten
In Kliniken von Ärzte der Welt in Berlin, Hamburg und München erhielten 2024 2.254 Patienten kostenlose Behandlungen bei 7.403 Konsultationen, davon 1.133 Erstanwender. 97 Prozent lebten in Armutsrisiko, 88 Prozent ohne festen Wohnsitz und 26 Prozent obdachlos; häufige Erkrankungen sind Atemwegserkrankungen. 88 Prozent waren unversichert, 9 Prozent hatten blockierte Karten durch Beitragsrückstände.
Ursachen der Versorgungslücken
Viele können Beiträge nicht leisten, verlieren nach zwei Monaten Rückständen die Versicherung oder haben keinen Aufenthaltsstatus. EU-Bürger und Asylbewerber stoßen auf bürokratische Hürden, was Erkrankungen chronifizieren lässt. Organisationen wie Malteser melden ebenfalls einen 10-prozentigen Anstieg unversicherter Hilfesuchender.
Forderungen und Ausblick
Ärzte der Welt und andere fordern Abbau gesetzlicher Barrieren für universellen Zugang. Projekte zur Wiedereinversicherung laufen, doch Experten erwarten eine Zuspitzung ohne Reformen. Jeder hat Anspruch auf beste Gesundheitsversorgung.
Quellen
Deutschland-Nachrichten: Immer mehr Menschen ohne Krankenversicherung, sagt Hilfsorganisation
Zahl der Menschen ohne Krankenversicherung steigt