18.10.2026
5 Minuten Lesezeit

Mercedes-AMG GT SUV: 1.169 PS, drei Motoren und ein neuer Maßstab für elektrische Performance

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© 2026 Mercedes-Benz AG

Das Mercedes-AMG GT SUV markiert einen Wendepunkt für die Performance-Marke aus Affalterbach: Statt einen klassischen V8 in ein hohes Karosseriekleid zu setzen, baut Mercedes-AMG seine erste eigenständig entwickelte Elektroplattform in ein großes, luxuriöses SUV. Mit bis zu 1.169 PS, drei Elektromotoren, 800-Volt-Technik und Ladeleistungen von bis zu 710 kW will der Mercedes-AMG GT SUV beweisen, dass elektrischer Antrieb nicht nur effizient, sondern auch emotional und sportlich sein kann.

Das Modell ist zugleich ein strategisches Statement. SUVs sind weltweit die umsatzstärkste Fahrzeugkategorie, währendreine Sportwagen eine Nische bleiben. Mercedes-AMG reagiert darauf, ohne seine Kernidentität aufzugeben: hohe Leistung, präzise Fahrwerksabstimmung und ein Fahrerlebnis, das sich deutlich von einem gewöhnlichen Familien-SUV abheben soll. Der Mercedes-AMG GT SUV ist daher weniger ein Kompromiss zwischen Sportwagen und Familienauto, sondern der Versuch, beide Rollen in einem Fahrzeug zu vereinen.

Warum dieses SUV wichtig ist

Bisher standen elektrische SUVs häufig für Reichweite, Komfort und Technologie – nicht aber für die fahrerische Intensität, die AMG-Kunden erwarten. Der Mercedes-AMG GT SUV soll genau diese Lücke schließen. Das Topmodell AMG GT 63 SUV entwickelt bis zu 860 kW, also 1.169 PS, und bis zu 2.000 Newtonmeter Drehmoment. Damit gehört es zu den stärksten Serien-SUVs, die derzeit angekündigt wurden.

Interessant ist dabei nicht nur die Spitzenleistung. Mercedes-AMG nennt für den GT 63 SUV eine Dauerleistung von 530 kW beziehungsweise 721 PS. Das ist ein wichtiger Unterschied, denn viele Elektrofahrzeuge können ihre Kurzzeitleistung nur für wenige Sekunden abrufen. Beim Mercedes-AMG GT SUV soll die hohe Leistung auch bei längeren Beschleunigungsphasen, auf der Autobahn oder auf einer Rennstrecke verfügbar bleiben.

Damit richtet sich das Fahrzeug klar an Kunden, die nicht nur auf dem Papier beeindrucken wollen. Ein SUV mit über 1.100 PS muss vor allem beherrschbar, stabil und alltagstauglich sein. Genau hier liegt die eigentliche technische Herausforderung: Nicht die PS-Zahl ist das Besondere, sondern die Frage, wie ein rund 2,69 Tonnen schweres Fahrzeug diese Kraft kontrolliert in Traktion, Kurvenstabilität und Bremsleistung übersetzt.

Technik, die mehr als Zahlen liefert

Der Mercedes-AMG GT SUV basiert auf der AMG.EA-Plattform, der ersten eigenständig entwickelten Elektroarchitektur der Marke für High-Performance-Fahrzeuge. Bereits der elektrische AMG GT 4-Türer nutzt diese Grundlage. Das SUV ist damit das zweite Modell auf dieser Plattform – und das erste vollständig eigenentwickelte SUV von Mercedes-AMG.

Im Topmodell arbeiten drei Elektromotoren, darunter Axial-Fluss-Motoren. Diese Bauart gilt als besonders kompakt und leistungsdicht. Sie kann hohe Leistungen bei relativ geringem Bauraum liefern, was im SUV mehr Raum für Batterie, Fahrwerk und Insassen schafft. Gleichzeitig ermöglicht die Mehrmotor-Architektur eine präzise Verteilung der Antriebskraft auf die Räder.

Die 800-Volt-Technik ist der zweite zentrale Baustein. Sie erlaubt sehr hohe Ladeleistungen und verkürzt die Ladezeiten deutlich. Mit der größeren 128-kWh-Batterie soll der Mercedes-AMG GT SUV bis zu 710 kW Gleichstromladeleistung nutzen können. Mercedes-AMG verspricht dabei, in zehn Minuten Energie für rund 450 Kilometer WLTP-Reichweite nachzuladen. Das wäre ein praktisch relevanter Wert, weil eine kurze Pause auf einer Schnellladestrecke genügen könnte, um die Reise zügig fortzusetzen.

Mehr Reichweite als der GT 4-Türer

Ein häufiges Problem leistungsstarker Elektro-SUVs ist ihr Gewicht. Höhere Karosserien, größere Räder, stärkere Bremsen und mehr Komfortausstattung erhöhen den Energiebedarf. Mercedes-AMG begegnet diesem Nachteil beim Mercedes-AMG GT SUV mit zwei Batterieoptionen.

Die kleinere Variante verfügt über 106 kWh nutzbare Kapazität. Für den AMG GT 55 SUV und den AMG GT 63 SUV nennt Mercedes-AMG damit eine WLTP-Reichweite von 525 bis 585 Kilometern. Mit der größeren 128-kWh-Batterie steigen die Werte auf 620 bis 700 Kilometer. Damit kommt das SUV in der besten Konfiguration nahe an die Reichweite des flacheren AMG GT 4-Türers heran, der bis zu knapp 700 Kilometer schaffen soll.

Das ist bemerkenswert, denn das SUV ist mit 5,08 Metern Länge, rund zwei Metern Breite und 1,66 Metern Höhe deutlich größer und schwerer. Die größere Batterieoption ist daher kein bloßes Zusatzangebot, sondern ein entscheidendes Verkaufsargument. Sie macht den Mercedes-AMG GT SUV für Langstrecken, Reisen und den täglichen Pendelverkehr deutlich attraktiver.

Praktikabilität ohne sportliche Identität zu opfern

Mercedes-AMG positioniert den GT SUV nicht als reines Showpiece. Der Kofferraum fasst 607 Liter, mit umgeklappter Rücksitzbank sind bis zu 1.740 Liter möglich. Hinzu kommt ein vorderes Staufach mit 111 Litern Volumen. Damit bietet das Fahrzeug mehr Alltagstauglichkeit als ein klassischer Sportwagen und könnte Familien, Vielfahrer oder Kunden mit aktiven Freizeitaktivitäten ansprechen.

Im Innenraum setzt Mercedes-AMG auf eine fahrerzentrierte Architektur mit drei Displays, einer tiefen Sitzposition und physischen Drehschaltern auf der Mittelkonsole. Das ist ein bewusstes Signal: Trotz Digitalisierung soll der Fahrer das Gefühl behalten, ein AMG zu steuern und nicht nur ein vernetztes Technikpaket zu bedienen.

Die Rückbank ist als Dreisitzer ausgelegt, die Lehnen lassen sich umklappen. Damit positioniert sich der Mercedes-AMG GT SUV als Fünfsitzer mit sportlichem Charakter. Das ist wichtig, weil die Zielgruppe vermutlich nicht nur ein zweites Fahrzeug für das Wochenende sucht, sondern ein Auto, das den Alltag vollständig abdecken kann.

Leistung ist nicht alles

Trotz 1.169 PS bleibt der Mercedes-AMG GT SUV im direkten Vergleich mit dem GT 4-Türer etwas zurück. Der Sprint von 0 auf 100 km/h dauert im Topmodell 2,7 Sekunden, während die flachere Sportlimousine nur 2,1 Sekunden benötigt. Auch die Höchstgeschwindigkeit unterscheidet sich: Mit Driver’s Package erreicht das SUV 270 km/h, der GT 4-Türer bis zu 300 km/h.

Das ist keine Schwäche, sondern Physik. Ein höheres und schwereres Fahrzeug hat einen größeren Luftwiderstand und benötigt mehr Energie für Beschleunigung und hohe Geschwindigkeiten. Entscheidend ist daher, wie Mercedes-AMG diese Nachteile ausgleicht. Aktive Aerodynamik, eine niedrige Sitzposition, eine ausgeklügelte Traktionsregelung und ein leistungsstarkes Fahrwerk werden darüber entscheiden, ob sich der Mercedes-AMG GT SUV wirklich wie ein AMG anfühlt.

Die technische Verwandtschaft zum GT 4-Türer ist dabei kein Nachteil. Sie ermöglicht es Mercedes-AMG, Entwicklungskosten zu teilen und gleichzeitig zwei unterschiedliche Fahrzeugkonzepte anzubieten. Der GT 4-Türer bleibt das puristischere Modell für Fahrer, die maximale Dynamik suchen. Das SUV adressiert jene Kunden, die Platz, Komfort und Vielseitigkeit benötigen, ohne auf AMG-typische Leistung zu verzichten.

Ein neuer Markt für elektrische Luxus-Performance

Der Mercedes-AMG GT SUV erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem der Wettbewerb im Segment elektrischer High-Performance-SUVs deutlich härter wird. Porsche, BMW, Audi, Lotus und weitere Hersteller arbeiten ebenfalls an leistungsstarken elektrischen Modellen. Der Unterschied liegt künftig weniger in der reinen PS-Zahl als in der Gesamtabstimmung.

Mercedes-AMG setzt dabei auf eine klare Formel: hohe Spitzenleistung, hohe Dauerleistung, extrem schnelles Laden und eine Fahrwerks- und Soundstrategie, die emotionale Nähe zum Verbrenner erzeugen soll. Der Verweis auf einen künstlichen V8-Sound ist dabei mehr als Marketing. Elektrofahrzeuge sind leise, und für viele Kunden ist Sound ein zentraler Teil des Fahrerlebnisses. Ob ein synthetischer Klang dieses Gefühl wirklich ersetzen kann, wird sich erst in der Praxis zeigen.

Dennoch ist der Ansatz folgerichtig. AMG muss seine Markenidentität in die Elektrowelt übersetzen. Ein SUV, das nur schnell beschleunigt, aber klanglos, schwer und austauschbar wirkt, würde die Marke schwächen. Der Mercedes-AMG GT SUV versucht daher, Technik, Emotion und Alltagstauglichkeit zu verbinden.

Was das für die Zukunft bedeutet

Das Mercedes-AMG GT SUV könnte zum Blaupausenmodell für die nächste Generation elektrischer AMG-Fahrzeuge werden. Wenn die Plattform tatsächlich wiederholbare Leistung, kurze Ladezeiten und eine sportliche Abstimmung liefert, entsteht eine technische Basis, die sich auf weitere Modelle übertragen lässt. Denkbar sind künftig kompaktere Performance-SUVs, elektrische Limousinen oder sogar hochleistungsfähige Coupés auf derselben Architektur.

Für Kunden bedeutet das mehr Auswahl. Für die Branche bedeutet es einen wichtigen Test: Kann eine traditionelle Performance-Marke ihre emotionale Stärke auch ohne Verbrennungsmotor erhalten? Der Mercedes-AMG GT SUV liefert darauf zumindest technisch eine überzeugende Antwort. Mit bis zu 1.169 PS, bis zu 700 Kilometern Reichweite und Ladezeiten, die lange Pausen überflüssig machen, beweist das Fahrzeug, dass elektrische Performance längst keine Zukunftsvision mehr ist.

Die eigentliche Frage ist nun, wie sich der Mercedes-AMG GT SUV auf der Straße verhält. Zahlen können beeindrucken, aber AMG lebt von Fahrgefühl, Präzision und Charakter. Wenn Mercedes-AMG diese Qualitäten in ein 2,69 Tonnen schweres Elektro-SUV übersetzen kann, dann ist der Mercedes-AMG GT SUV nicht nur ein weiteres leistungsstarkes SUV, sondern ein möglicherweise entscheidender Meilenstein für die Zukunft der Marke.

Quellen

AMG baut 1.169-PS-SUV
Mercedes-AMG GT SUV: Elektro-Bolide mit bis zu 1169 PS



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