Deutschland zählt zu den größten Unterstützern der Ukraine – sowohl militärisch als auch wirtschaftlich. Laut dem Kiel Institut für Weltwirtschaft hat die Bundesregierung seit 2022 über 20 Milliarden Euro an ziviler und militärischer Hilfe bereitgestellt. Dennoch profitieren deutsche Unternehmen bislang kaum von den daraus resultierenden Aufträgen, etwa beim Wiederaufbau zerstörter Infrastruktur oder in der Energieversorgung.
Viele Aufträge gehen an lokale Unternehmen oder internationale Konsortien aus den USA, Polen oder Großbritannien. „Die Hilfsgelder verwandeln sich für deutsche Firmen bislang nicht in wirtschaftliche Chancen“, kritisiert Wolfgang Büchele, Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (OA).
Forderung nach deutscher Beteiligung am Wiederaufbau
Der Ost-Ausschuss wie auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) fordern seit Monaten, dass Deutschland eine aktivere wirtschaftliche Rolle im ukrainischen Wiederaufbau einnimmt. Dabei gehe es nicht um „Krisengewinner“, sondern um faire Wettbewerbsbedingungen.
„Unsere Unternehmen stehen in den Startlöchern – mit Know-how in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Digitalisierung“, erklärte eine Sprecherin des BDI in Berlin.
Auch kleinere Mittelständler sehen darin eine Chance. Doch viele schrecken vor fehlender Rechtssicherheit, unklaren Ausschreibungsbedingungen und politischen Unsicherheiten in der Ukraine zurück.
Regierung will nationale Wirtschaftsinteressen stärker einbinden
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) plant eine bessere Koordination mit der Wirtschaft. Ziel sei es, den Wiederaufbau auch strategisch mit deutscher Beteiligung zu gestalten.
Gemeinsam mit der KfW-Bankengruppe und der Germany Trade & Invest (GTAI) sollen künftig Wiederaufbauprojekte frühzeitig identifiziert und begleitet werden.
Laut BMZ-Staatssekretär Jochen Flasbarth müsse „die wirtschaftliche Unterstützung auch in nachhaltige Partnerschaften münden, die langfristig beiden Seiten nützen.“
Chancen und Risiken für deutsche Unternehmen
Fachleute sehen in den Jahren nach Kriegsende einen enormen Investitionsbedarf – von Energie über Transport bis Wohnungsbau. Doch sie warnen auch vor Korruption, fehlender Planungssicherheit und hohen Versicherungsrisiken.
Das Euler-Hermes-Exportkreditprogramm soll daher erweitert werden, um Investitionen deutscher Unternehmen abzusichern. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass sich erst mittelfristig stabile Strukturen etablieren können, sobald die Ukraine näher an EU-Regelungen angepasst ist.
Quellen
So wollen deutsche Firmen von den Ukrainemilliarden profitieren
Deutscher Verteidigungsminister verspricht 10 Milliarden Dollar Hilfe für die Ukraine für 2025