Hubert Fella steht gerade im Zentrum einer hitzigen Debatte: Der Reality-Star hat die aus einer rumänischen Tötungsstation gerettete Hündin Bella nach nur zwei Wochen wieder an den Tierschutz zurückgegeben. Was als großes „Happy End“ begann, endete mit Vorwürfen von Fans, einer Rechtfertigung des Stars und einer grundlegenden Frage: Was braucht ein traumatisierter Hund wirklich, um anzukommen – und wann ist eine Rückgabe verantwortbar?
Der Fall im Kern: Von „Familienzuwachs“ zu „zu wild“
Noch vor knapp zwei Wochen jubelten Hubert Fella (58) und sein Mann Matthias Mangiapane (42) auf Instagram über Bella: „Familienzuwachs!!!“, hieß es, man sei „komplett schockverliebt“ und wolle der kleinen „Traumhündin“ zeigen, „wie schön ein Hundeleben sein kann“. Jetzt heißt es im Nachhinein: Bella sei „viel zu wild“ gewesen, habe „einen Meter hochgesprungen“, gebellt und Nachbarhunde angegangen. Fella sagt, er habe gedacht, Bella sei ein Malteser; nach eigener „Überprüfung“ steckten Terrier und Pudel in ihr. Mangiapane ergänzt, er sei „von Anfang an dagegen“ gewesen – beruflich viel unterwegs und nicht in der Lage, sich so zu kümmern, wie er es gerne würde.
Für viele Beobachter wirkt die Begründung dünn: Zwei Wochen sind in der Verhaltenswelt von Hunden – erst recht von Tierschutzhunden mit belasteter Vorgeschichte – schlicht zu kurz, um von „Ankommen“ zu sprechen.
Warum dieser Fall mehr ist als Promi-Klatsch
Der Vorfall ist kein reiner Skandal um einen TV-Star. Er berührt zentrale Fragen der Tieradoption:
- Erwartung vs. Realität: Viele adoptieren mit dem Bild vom „dankbaren Rettungsfall“, der sofort ruhig und verschmust ist. In Wahrheit bringen viele Tierschutzhunde Stress, Unsicherheit und erlernte Überlebensstrategien mit – dazu zählen Springen, Bellen, Misstrauen oder übermäßiges Anspringen.
- Zeitrahmen der Eingewöhnung: Die sogenannte „3-3-3-Regel“ (3 Tage Orientierung, 3 Wochen Eingewöhnung, 3 Monate Ankommen) ist in der Praxis weit verbreitet. Zwei Wochen liegen mitten in der Phase, in der Hunde erst beginnen, Sicherheit zu testen – und oft erst dann „echtes“ Verhalten zeigen.
- Rasse-Irrtümer: Die Annahme, ein „Malteser“ sei automatisch ruhig und ein „Terrier-Mix“ automatisch wild, ist ein klassischer Fehlschluss. Das Verhalten hängt stark von Prägung, Sozialisation, Gesundheitszustand und individueller Erfahrung ab.
Was Tierschutz-Profis sagen würden: Zwei Wochen sind keine faire Chance
Tierschutzorganisationen betonen regelmäßig, dass gerade Hunde aus Tötungsstationen oder unsicheren Verhältnissen Zeit brauchen, um Vertrauen aufzubauen. In den ersten Tagen dominieren oft Schock und Rückzug; in den folgenden Wochen testen viele Tiere Grenzen, zeigen alte Muster oder entwickeln neue – nicht aus Bosheit, sondern weil sie ihre neue Welt verstehen lernen.
Ein Rückgabezeitpunkt nach 14 Tagen liegt damit genau in der Phase, in der viele Hunde erst beginnen, sich zu öffnen. Fachleute raten daher zu Geduld, klaren Routinen, wenig Druck und schrittweiser Belastung. Wer in dieser Phase bereits die „Reißleine zieht“, riskiert, dass der Hund erneut traumatisiert wird – und im Tierheim als „schwierig“ gilt, obwohl er nur Zeit brauchte.
Die andere Seite: Wann ist eine Rückgabe verantwortbar?
Nicht jede Rückgabe ist per se verwerflich. Es gibt Situationen, in denen eine schnelle Trennung dem Tier und den Menschen dient – etwa bei unüberwindbaren Aggressionsproblemen, gravierenden Gesundheitsrisiken oder wenn die Lebensrealität (z. B. Beruf, Wohnsituation, Gesundheit) eine artgerechte Haltung unmöglich macht.
Hubert Fella nennt gesundheitliche Gründe: Er sei noch in der „Regenerierungsphase“ nach einer Thrombose im Kopf. Wenn jemand physisch oder psychisch nicht belastbar ist, kann ein hochaktiver, fordernder Hund tatsächlich zur Gefahr werden – für den Menschen wie für den Hund. In solchen Fällen ist eine ehrliche Rückgabe besser als ein langsames Scheitern im Alltag.
Allerdings: Diese Argumente müssen früh kommuniziert werden – idealerweise vor der Adoption. Tierschutzvereine prüfen genau, ob ein Haushalt passt; eine „Testphase“ sollte klar definiert sein, mit Begleitung und realistischen Meilensteinen.
Der Rasse-Mythos: Warum „Terrier und Pudel“ keine Entschuldigung sind
Fellas Aussage, Bella sei „gar nicht Malteser“ gewesen, sondern habe „Terrier und Pudel“ in sich, klingt nach einem klassischen Rasse-Stereotyp. Terrier gelten als energiegeladen, Pudel als klug und fordernd – doch das erklärt nicht automatisch „wildes“ Verhalten. Viel entscheidender sind:
- Sozialisation: Hatte der Hund positive Kontakte zu Menschen, anderen Hunden, Umgebungen?
- Traumata: Was hat er in der Tötungsstation oder davor erlebt?
- Gesundheit: Schmerzen, Zahnprobleme oder neurologische Auffälligkeiten können Verhalten massiv verändern.
- Führung und Struktur: Viele „Problemhunde“ sind einfach unterfordert oder unsicher geführt.
Ein Rasse-Label als Hauptgrund für eine Rückgabe wirkt daher oberflächlich – und verkennt, dass Verhalten trainierbar ist, wenn Rahmenbedingungen stimmen.
Was dieser Fall für künftige Adoptierende lehrt
Der Fall Bella sollte nicht nur als Warnung, sondern als Lernchance verstanden werden:
- Realistische Erwartungen: Ein Tierschuthund ist kein fertiges Produkt. Er bringt Geschichte mit – und braucht Zeit, um neue Muster zu lernen.
- Vorbereitung zählt: Wer einen aktiven Hund adoptiert, sollte Zeit, Energie und ggf. Training einplanen. Nicht jeder Haushalt passt zu jedem Hund – und das ist okay.
- Begleitung nutzen: Viele Tierschutzvereine bieten Nachbetreuung, Trainingsberatung oder Vermittlungsbegleitung. Diese Hilfen sollten früh genutzt werden, nicht erst, wenn es kriselt.
- Ehrlichkeit vor Adoption: Wenn Unsicherheiten bestehen – gesundheitlich, zeitlich, emotional – sollte das offen angesprochen werden. Eine Absage ist besser als eine späte Rückgabe.
Die Rolle von Prominenz: Warum dieser Fall so laut diskutiert wird
Prominente haben Reichweite – und damit Verantwortung. Wenn ein Star wie Hubert Fella einen Hund adoptiert und kurz darauf zurückgibt, sendet das Signale: an Fans, an potenzielle Adoptierende, an Tierschutzorganisationen. Die Kritik ist daher nicht nur moralisch, sondern auch praktisch: Sie fürchtet, dass solche Fälle die Hemmschwelle für Rückgaben senken und Tierschutzhunde als „retournierbare Ware“ erscheinen lassen.
Gleichzeitig zeigt der Fall auch: Selbst Menschen mit Ressourcen (Zeit, Geld, Zugang zu Trainern) können scheitern – wenn die Passung nicht stimmt oder die Erwartungen unrealistisch sind.
Was jetzt für Bella wichtig ist
Laut Berichten soll Bella noch am Abend der Rückgabe an eine andere Familie vermittelt werden. Das ist einerseits gut – sie bleibt nicht im Tierheim hängen. Andererseits wirft es Fragen auf: Wurde sie ausreichend auf die neue Familie vorbereitet? Gibt es Nachbetreuung? Wird sichergestellt, dass die neuen Adoptierenden wissen, worauf sie sich einlassen?
Für Bella wäre idealerweise ein Haushalt mit Erfahrung, Geduld und klarem Alltag wichtig – und vor allem: Zeit.
Fazit: Nicht verurteilen – aber lernen
Hubert Fella mag sich überschätzt haben. Seine gesundheitliche Situation ist ein Faktor. Doch der Fall zeigt vor allem eines: Adoption aus dem Tierschutz ist keine spontane Entscheidung, sondern ein Prozess – mit Vorbereitung, Begleitung und realistischen Meilensteinen. Wer das versteht, tut nicht nur dem Hund einen Gefallen, sondern sichert sich selbst ein nachhaltiges, glückliches Miteinander.
Und für alle, die gerade über eine Adoption nachdenken: Nehmt euch Zeit. Sprecht mit dem Tierschutz. Plant Puffer ein. Und denkt daran: Ein Hund ist kein Accessoire – er ist ein Lebewesen mit Geschichte, Bedürfnissen und dem Recht auf eine echte Chance.
Quellen
Hubert Fella gibt Hündin nach 2 Wochen zurück
„Viel zu wild“: „Hot oder Schrott“-Star Hubert Fella gibt Hündin aus Tötungsstation nach nur zwei Wochen zurück