26.08.2026
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Biathletin im Fokus: Warum Anamarija Lampics Babypause mehr ist als nur ein Saison-Aus

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© 2026 IMAGO/MATHIAS BERGELD

Biathletin Anamarija Lampic wird die kommende Weltcup-Saison nicht bestreiten – und das ist eine Nachricht, die über den Sport hinaus Bedeutung hat. Die 31-jährige Slowenin erwartet ihr erstes Kind und pausiert damit gezielt, um Mutter zu werden. Was auf den ersten Blick wie eine reine Personalie wirkt, ist tatsächlich ein Statement für moderne Karrierewege im Spitzensport. Lampic plant keine Karrierebeendigung, sondern eine bewusste Unterbrechung – und steht damit nicht allein: Auch die schwedische Olympiasiegerin Hanna Öberg wird den Winter 2026/27 als Zuschauerin verfolgen.

Warum diese Meldung zählt

Die Entscheidung einer aktiven Weltcup-Athletin, eine komplette Saison aus familiären Gründen auszulassen, ist im Biathlon nach wie vor bemerkenswert. Lampic hat 2022 den Wechsel vom Langlauf zum Biathlon vollzogen und belegte in der abgelaufenen Saison Platz 66 im Gesamtweltcup. Dass sie nun trotz mittelfristiger Ambitionen pausiert, unterstreicht einen kulturellen Wandel: Mutterschaft wird im Frauensport zunehmend als planbare Lebensphase integriert – nicht als Karrierestopp.

Der slowenische Verband betonte ausdrücklich, dass an einer Rückkehr „kein Zweifel” bestehe. Diese Klarheit ist wichtig, weil sie Signalwirkung hat: Für junge Athletinnen bedeutet sie, dass Familienplanung und Hochleistungssport kein Entweder-oder sein müssen. Für Teams und Verbände heißt es, Strukturen zu schaffen, die solche Pausen sportlich und finanziell auffangen.

Der Kontext: Zwei Top-Stars, eine Babypause

Lampic ist nicht die einzige Biathletin, die den Winter 2026/27 auslässt. Hanna Öberg, zweifache Olympiasiegerin aus Schweden, hatte bereits im Juli ihre Schwangerschaft bekanntgegeben und im August bestätigt, dass sie in dieser Saison nicht antreten wird. Öberg nannte es ein „Sabbatjahr”, in dem sie das Leben genießen möchte – mit dem klaren Ziel, auf höchstem Niveau zurückzukehren.

Diese Parallele ist kein Zufall. Beide Athletinnen gehören zur internationalen Spitze, beide kommunizieren offen und selbstbestimmt, und beide planen die Rückkehr. Das sendet ein starkes Signal an den Verband, an Sponsoren und an die nächste Generation: Schwangerschaft ist kein Karriereknick, sondern eine Phase, die sich in eine langfristige Sportlaufbahn integrieren lässt.

Was das für den Biathlon-Weltcup bedeutet

Die Saison 2026/27 startet am 26. November 2026 in Kontiolahti (Finnland) mit einem Einzelwettkampf über 15 km bei den Frauen. Der Weltcup umfasst zehn Etappen in sieben europäischen Ländern und gipfelt im Februar 2027 in der Weltmeisterschaft im estnischen Otepää.

Ohne Öberg und Lampic verändert sich das Feld spürbar. Öberg fehlt als medaillenerfahrene Führungspersönlichkeit im schwedischen Team; Lampic als slowenische Topathletin, die in Sprint- und Verfolgungsrennen für Unruhe sorgen konnte. Für die Konkurrenz bedeutet das mehr Spielraum für junge Namen, für die TV-Übertragungen weniger bekannte Gesichter im vorderen Drittel – und für die Verbände die Chance, Tiefe zu beweisen.

Gleichzeitig zeigt die Abwesenheit zweier Stars, wie wichtig langfristige Kaderplanung ist. Schweden setzt bei den Männern etwa auf Ponsiluoma, der sich auf die WM konzentrieren will; bei den Frauen müssen nun andere die Lücke füllen. Slowenien wird ohne seine aktuelle Aushängefigur antreten – ein Test für die Breite des Teams.

Die sportwissenschaftliche Perspektive: Pause als Investition

Aus sportwissenschaftlicher Sicht ist eine gezielte Saisonpause in der Schwangerschaft sinnvoll. Die Belastungssteuerung wird individuell angepasst; Training dient primär dem Wohlbefinden, nicht der Leistungsspitze. Der Wiedereinstieg nach der Geburt erfolgt stufenweise, abhängig von Gesundheitsstatus, Regeneration und Trainingshistorie.

Biathlon verlangt explosive Kraft am Schießstand, stabile Rumpfkraft beim Skating und eine hohe aerobe Kapazität. Nach einer Schwangerschaft müssen diese Fähigkeiten systematisch wiederaufgebaut werden – ohne Zeitdruck. Genau das ermöglicht eine komplette Saisonpause: Sie schützt vor Überlastung, reduziert Verletzungsrisiko und erhöht die Chance auf eine nachhaltige Rückkehr.

Gesellschaftliche Bedeutung: Sichtbare Rollenbilder

Lampics und Öbergs Entscheidungen sind auch gesellschaftlich relevant. Sie machen Mutterschaft im Spitzensport sichtbar und normalisieren sie. Für Mädchen und junge Frauen, die selbst Leistungssport betreiben, entsteht ein konkretes Bild: Du kannst Mutter werden und trotzdem zurückkehren. Für Medien und Sponsoren entsteht die Aufgabe, diese Narrative zu unterstützen – etwa durch langfristige Verträge, die Babypausen einkalkulieren, oder durch Berichterstattung, die nicht nur die Rückkehr, sondern auch die Pause würdigt.

In einem Sport, der traditionell von Wintermärchen und „Durchhalten um jeden Preis” geprägt ist, ist das ein moderner Ansatz. Er verbindet menschliche Bedürfnisse mit sportlicher Ambition – und zeigt, dass beides kein Widerspruch sein muss.

Ausblick: Wann kommt die Rückkehr?

Weder Lampic noch Öberg haben ein fixes Rückkehrdatum genannt. Lampics Verband verweist auf nächste Saison; Öberg spricht von der Rückkehr auf „höchstes Niveau”, ohne einen konkreten Wettkampf zu nennen. Realistisch ist ein Wiedereinstieg zur Saison 2027/28, sofern Gesundheit und familiäre Situation es zulassen.

Bis dahin wird der Biathlon-Weltcup ohne zwei bekannte Gesichter auskommen – und gleichzeitig beweisen müssen, dass er auch ohne seine Stars spannend bleibt. Für Lampic und Öberg beginnt derweil ein neues Kapitel: Sie werden Mütter. Und sie bleiben Teil des Sports – nur aus einer anderen Perspektive.

Quellen

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