Venezuela steht am Rand eines politischen Vakuums. Nach der überraschenden Festnahme des langjährigen Machthabers Nicolás Maduro durch US-Spezialeinheiten in der Nacht zum Sonntag ist unklar, wer künftig die Kontrolle im Land übernehmen wird. Während tausende Menschen in Caracas jubeln, wächst zugleich die Angst vor einem „schmutzigen Deal“ zwischen Donald Trump und Teilen der venezolanischen Machtelite.
Beobachter sprechen von einem „historischen Moment“, der jedoch jede Richtung einschlagen könnte – von demokratischer Erneuerung bis hin zu einem neuen autoritären Regime.
Trumps kryptische Ankündigungen
Der ehemalige US-Präsident, der sich aktuell um eine Rückkehr ins Weiße Haus bemüht, spielt in dieser dramatischen Entwicklung eine zentrale Rolle. Auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social kündigte Trump eine „große Ankündigung zur Zukunft Venezuelas“ an, ohne Details zu nennen.
Analysten in Washington befürchten, dass Trump einen geopolitischen Deal anstrebt, bei dem er die Kontrolle über venezolanische Ölvorkommen mit einer neuen, ihm wohlgesinnten Übergangsregierung absichern könnte. Kritiker warnen vor einem „amerikanischen Protektorat durch die Hintertür“.
Machtvakuum und Unsicherheit
Im Land selbst herrscht Ratlosigkeit. Teile des Militärs haben sich offenbar den US-Einheiten ergeben, andere sprechen von „Verrat an der Souveränität Venezuelas“. Oppositionsführer Juan Guaidó, der bereits 2019 als Interimspräsident auftrat, forderte internationale Garantien für freie Wahlen. Unterdessen berichten lokale Medien von Plünderungen, Stromausfällen und chaotischen Zuständen in mehreren Provinzen.
Einwohner schildern Szenen der Hoffnung – aber auch der Angst. „Wir wollen Demokratie, aber keine neue Kolonialisierung“, sagt eine Aktivistin aus Valencia.
Internationale Reaktionen
Die Reaktionen aus dem Ausland fallen gespalten aus. Während die EU und Kanada die Operation als „Wendepunkt für die Freiheit Venezuelas“ begrüßten, verurteilte Russland die Festnahme Maduros als „imperialistischen Akt“. Auch China fordert eine „friedliche und völkerrechtlich saubere Lösung“.
Lateinamerikanische Nachbarn wie Kolumbien und Brasilien warnen vor einem Flächenbrand in der Region, sollte es zu einem länger anhaltenden Machtkampf kommen.
Die Angst vor einem „faulen Frieden“
Politikwissenschaftler sehen in der aktuellen Lage Parallelen zu US-Interventionen vergangener Jahrzehnte. „Jedes Machtvakuum, das die USA geschaffen haben – ob im Irak, in Libyen oder anderswo – hat zu langfristiger Instabilität geführt“, sagt die Lateinamerika-Expertin Dr. Ana Rodríguez von der Universidad de Bogotá.
Die Sorge ist groß, dass Trump – ähnlich wie in früheren Geschäften – kurzfristige Vorteile über demokratische Stabilität stellt. Ein möglicher Deal könnte die Opposition spalten, während die Bevölkerung erneut die Zeche zahlt.
Quellen
Die große Angst vor einem schmutzigen Trump-Deal
Wer hat die Macht in Venezuela und wie geht es weiter?