Deutsche Unternehmen ächzen weiterhin unter den Kosten staatlicher Bürokratie. Laut einer aktuellen Auswertung des Statistischen Bundesamts (Destatis) belaufen sich die jährlichen Ausgaben für Berichtspflichten, Dokumentationspflichten und sonstige administrative Anforderungen auf rund 62 Milliarden Euro. Zwar habe der Aufwand im Vergleich zum Vorjahr leicht abgenommen, doch das Ausmaß der Entlastung bleibt marginal.
Unternehmen müssen regelmäßig Daten an Behörden liefern, Formulare ausfüllen und gesetzliche Fristen einhalten – Prozesse, die Zeit, Personal und Geld binden. Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sehen sich hier stark belastet.
Minimaler Rückgang der Berichtspflichten
Laut Destatis sind die Bürokratiekosten im Vergleich zum Vorjahr nur um wenige Millionen Euro gesunken. Gründe dafür seien vereinfachte digitale Verfahren in einigen Verwaltungsbereichen, aber auch neue Regulierungspflichten, die diese Einsparungen weitgehend kompensieren.
Verbände und Wirtschaftskammern fordern daher ein umfassendes Bürokratieabbauprogramm. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte, dass anhaltende Bürokratiebelastungen Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland gefährden könnten.
Regierung plant Entlastung – aber nur schrittweise
Die Bundesregierung arbeitet derzeit an einem neuen Bürokratieentlastungsgesetz, das Unternehmen vor allem bei Nachweispflichten und Berichtspflichten entlasten soll. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach sich dafür aus, digitale Meldewege auszubauen und unnötige Vorschriften zu streichen.
Allerdings zweifeln viele Unternehmer an einer schnellen Umsetzung. Sie befürchten, dass politische Kompromisse die Wirkung der Reformpläne abschwächen könnten.
Quellen
Bürokratie kostet Unternehmen 62 Milliarden Euro im Jahr
Sieben Prozent der Arbeitszeit: Bürokratie kostet Mittelstand 61 Milliarden Euro pro Jahr