US-Präsident Donald Trump hat erneut für Spannungen zwischen Washington und Ottawa gesorgt. In einer Ansprache vor Anhängern kritisierte er die kanadische Handelspolitik und warf der Regierung vor, „von amerikanischer Großzügigkeit zu profitieren“. Laut Beobachtern knüpft Trump damit an seine protektionistische Linie aus dem Wahlkampf an, in der Kanada häufig als „unfairer Wettbewerber“ dargestellt wurde.
Politikanalysten sehen in Trumps jüngsten Äußerungen den Versuch, innenpolitische Stärke zu demonstrieren. Während die US-Wirtschaft unter Druck steht, sucht der Präsident offenbar nach außenpolitischen „Sündenböcken“, um eigene Versäumnisse abzufedern.
Offenere Töne Richtung Kuba
Überraschend versöhnlich äußerte sich Trump dagegen über Kuba. Trotz des weiterhin bestehenden Embargos sprach er von „möglichen neuen Wegen der Kooperation“ mit der Führung in Havanna. Beobachter in Washington sehen darin ein vorsichtiges Signal einer Annäherung – möglicherweise mit Blick auf Energie- oder Migrationsfragen.
Ein Sprecher des Weißen Hauses betonte jedoch, dass „keine unmittelbaren politischen Schritte“ geplant seien. Dennoch könnte Trumps Aussage ein Vorgeschmack auf eine flexiblere US-Lateinamerikapolitik sein.
Iran: Gesprächsbereitschaft mit Vorbehalt
Auch im Hinblick auf den Iran zeigte sich Trump ungewohnt offen – allerdings mit einem deutlichen Vorbehalt. „Wir sind bereit zu reden, wenn Teheran ernsthaft Frieden will“, sagte der Präsident, bevor er den Iran erneut für „destabilisierende Aktivitäten im Nahen Osten“ kritisierte.
Analysten bewerten diese Worte als doppeldeutig: Einerseits signalisiert Trump Dialogbereitschaft, andererseits hält er am harten Kurs gegenüber dem iranischen Atomprogramm fest. Damit bleibt unklar, ob die USA tatsächlich auf Entspannung oder auf politischen Druck setzen.
Experten warnen vor inkonsequenter Linie
Außenpolitik-Experten kritisieren, dass Trumps gleichzeitige Angriffe und Annäherungen das internationale Vertrauen in die amerikanische Diplomatie schwächen könnten. „Wenn ein Präsident heute Partner attackiert und morgen Gegnern die Hand reicht, entsteht der Eindruck der Unberechenbarkeit“, sagte die Politikwissenschaftlerin Dr. Susan Park von der Georgetown University.
Kanada hat unterdessen diplomatisch reagiert und betont, man wolle die „engen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten“ weiterführen – trotz der rhetorischen Angriffe aus Washington.
Quellen
Trump poltert gegen Kanada – aber deutet Deals mit Kuba und Iran an
Trump droht mit Zöllen und „Entzertifizierung“ kanadischer Flugzeuge als jüngster Schritt im Handelskrieg