In vielen Auswahlverfahren, etwa bei Polizei, Bundeskriminalamt oder anderen öffentlichen Diensten, sind Deutschtests ein zentrales Eignungskriterium. Trotz Abitur oder guter schulischer Laufbahn scheitern immer wieder Bewerber vor allem an Rechtschreibung, Grammatik und sprachlichem Ausdruck. Behörden berichten, dass ein erheblicher Teil der Kandidatinnen und Kandidaten die Mindestanforderungen im schriftlichen Deutsch nicht erfüllt, was Stellen unbesetzt lässt.
Konkrete Beispiele aus der Praxis
Bei der Berliner Polizei fallen laut Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel viele Bewerber bereits bei schriftlichen Computertests durch; rund 80 Prozent dieser Durchfälle werden auf mangelnde Deutschkenntnisse zurückgeführt. Auch im Bundeskriminalamt (BKA) konnten viele neu geschaffene Stellen nicht besetzt werden, weil Bewerber den Deutsch‑ bzw. Rechtschreibtest nicht bestanden haben. In der Schweiz zeigen Umfragen bei Kantonspolizeien, dass bis zu 50 Prozent der Bewerber den Eignungstest wegen unzureichender schriftlicher Deutschkenntnisse nicht schaffen.
Schwächen im Bildungssystem?
Kritiker verweisen auf ein strukturelles Problem: Junge Menschen verlassen die Schule mit deutlichen Defiziten in Orthografie, Zeichensetzung, Artikelgebrauch und Zeitformen. Diese Schwächen erschweren nicht nur das Bestehen von Tests, sondern auch das Verständnis komplexer Texte und die korrekte Wiedergabe von Sachverhalten – gerade im Polizeiberuf, wo Protokolle und Berichte eine zentrale Rolle spielen. Polizeiverantwortliche sprechen daher von einem „Problem der Bildungsniveaus“, das über einzelne Schulen hinausgehe.
Reaktionen der Behörden und Ausbildungsinstitute
Als Reaktion auf die hohen Durchfallquoten setzen einige Polizeiakademien verstärkt auf Vorbereitungskurse in Deutsch, teils unterstützt durch Künstliche Intelligenz und digitale Übungsformate. In der Schweiz werden spezielle Kurse „Deutsch für Polizeiaspirantinnen und Polizeiaspiranten“ angeboten, um Lücken in Rechtschreibung, Interpunktion und schriftlichem Ausdruck zu schließen. Gleichzeitig diskutieren Behörden, ob die Deutschtests vereinfacht oder an die tatsächlichen Anforderungen des Berufsalltags angepasst werden sollten.
Fazit: Qualität der Sprachkompetenz im Fokus
Die Tatsache, dass viele Bewerber an Deutschtests scheitern, zeigt, dass sprachliche Kompetenz im Auswahlprozess zunehmend als Qualitätsmerkmal gewertet wird. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die Tests wirklich die relevanten Fähigkeiten messen oder ob sie eher eine zusätzliche Hürde darstellen, die qualifizierte Kandidatinnen und Kandidaten ausschließt. Eine sinnvolle Lösung liegt vermutlich in einer Kombination aus klareren Bildungsstandards in der Schule, gezielten Vorbereitungskursen und angepassten, berufsrelevanten Deutschprüfungen.
Quellen
Viele Bewerber bei Berliner Polizei scheitern an Deutschtests
BKA-Bewerber scheitern am Deutschtest