Fifa steht erneut im Zentrum einesschweren Glaubwürdigkeitsproblems: Interne Dokumente zeigen, dass der kongolesische Torhüter Lionel Mpasi bei der WM 2026 und in mehreren Qualifikationsspielen formal nicht spielberechtigt war – und der Weltverband trotzdem keine sportlicheSanktion verhängte. Dieser Fall wirft fundamentale Fragen nach Gleichbehandlung, Transparenzund politischer Einflussnahme auf – und trifft die Fifa zu einem Zeitpunkt, an dem Präsident Gianni Infantino ohnehin unter Druck steht.
Was genau ist passiert?
Lionel Mpasi, 32, stammt aus Frankreich, spielte in der französischen U17 und besitzt kongolesische Wurzeln. Die Fifa-Regeln verlangen für einen Verbandswechsel ein formelles Verfahren, das laut den nun bekannten Unterlagen nie abgeschlossen wurde. Trotzdem lief Mpasi für die DR Kongo auf – nicht nur in der WM-Endrunde, sondern bereits in fünf Qualifikationsspielen, darunter das entscheidende afrikanische Playoff gegen Nigeria und das interkontinentale Playoff gegen Jamaika, das dem Kongo nach 52 Jahren wieder die WM-Teilnahme brachte.
Nach der Niederlage reichte der nigerianische Verband Beschwerde ein. Fifa-interne Juristen stellten fest: Mpasi hatte keine formelle Genehmigung. In internen Papieren wurden verschiedene Szenarien durchgespielt – von einer Wertung des Spiels für Nigeria über Geldstrafen bis hin dazu, Nigeria anstelle des Kongo gegen Jamaika antreten zu lassen. Am Ende wurde Nigerias Einspruch aus formalen Gründen abgewiesen; eine sportliche Korrektur unterblieb.
Warum dieser Fall mehr ist als ein Formfehler
Auf den ersten Blick klingt das nach Bürokratie: Ein Formular fehlt, ein Verfahren wurde nicht zu Ende geführt. Doch im Hochleistungssport entscheiden formale Zulassungen über sportliche Gerechtigkeit. Wenn ein Spieler ohne abgeschlossenen Verbandswechsel aufläuft, sind die betroffenen Spiele nach Fifa-Statuten grundsätzlich anfechtbar – das ist kein technisches Detail, sondern Kern der Regelarchitektur.
Noch brisanter wird es, weil die Fifa nach eigenen internen Einschätzungen die Spielberechtigung bereits vor der WM klären musste und dennoch keine Konsequenz zog, die den Qualifikationsweg verändert hätte. Das erzeugt den Eindruck, als habe man bewusst zwischen „möglich“ und „politisch vertretbar“ gewählt – und sich für Letzteres entschieden.
Die Infantino-Nähe und die Machtfrage
Ein weiterer Zündstoff: Der Präsident des kongolesischen Fußballverbandes, Véron Mosengo-Omba, gilt als enger Verbündeter von Infantino; beide studierten in der Schweiz und arbeiteten später bei Uefa und Fifa zusammen. Mosengo-Omba wurde im Mai ohne Gegenkandidaten zum Verbandspräsidenten gewählt – zwei Monate, nachdem der Kongo sich für die WM qualifiziert hatte. Kritiker fragen daher, ob eine Disqualifikation des Kongo auch die Position von Mosengo-Omba geschwächt und damit Infantinos Rückhalt in Afrika vor der eigenen Wahl geschadet hätte.
Die Fifa betont, ihre Gremien seien autonom und Infantino habe in solchen Entscheidungen keine Rolle gespielt. Doch selbst wenn es keine direkte Einflussnahme gab, reicht die Wahrnehmung einer Begünstigung, um das Vertrauen zu beschädigen – besonders nach anderen jüngeren Kontroversen um Spielereinsätze und Verbandswechsel.
Was ist die Fifa eigentlich – und warum zählen ihre Regeln?
Viele Fans fragen sich angesichts solcher Skandale: Was ist die Fifa überhaupt, wenn ihre eigenen Regeln scheinbar flexibel angewendet werden? Die Fifa ist der globale Dachverband des Fußballs; sie setzt die Spielregeln für internationale Wettbewerbe, verwaltet die Weltmeisterschaft und entscheidet über Zulassungen, Sanktionen und Verbandswechsel. Ihre Autorität beruht nicht nur auf Macht, sondern auf der Erwartung, dass Regeln für alle gleich gelten – sonst verliert das System seine Legitimität.
Genau hier liegt das Problem im Mpasi-Fall: Wenn interne Dokumente zeigen, dass eine klare Lücke im Verfahren bestand, aber keine sportliche Korrektur erfolgte, entsteht der Eindruck von Willkür. Für Verbände wie Nigeria, die sich an den Prozess gehalten haben, fühlt sich das wie ein doppeltes Spiel an.
Zukunft: Was bedeutet das für Fifa, Afrika und den WM-Zyklus?
Kurzfristig dürfte der Druck auf die Fifa wachsen, den Fall lückenlos aufzuklären und nachvollziehbar zu begründen, warum keine sportliche Sanktion verhängt wurde. Langfristig könnte der Mpasi-Skandal als Präzedenzfall dienen – entweder für mehr Härte bei Eligibility-Fragen oder, im schlimmsten Fall, als Beleg dafür, dass politische Rücksichten über sportliches Recht siegen.
Für den afrikanischen Fußball ist die Lage ambivalent. Einerseits feiert der Kongo eine historische WM-Rückkehr; andererseits steht ein ganzer Kontinent unter Beobachtung, weil Infantino auf afrikanische Stimmen angewiesen ist. Sollte sich der Eindruck verfestigen, dass Beziehungen über Regeln stehen, leiden gerade die kleineren Verbände – sie haben am wenigsten Lobby, aber am meisten zu verlieren, wenn Vertrauen schwindet.
Was jetzt geschehen müsste
Damit dieser Fall nicht zum Dauerthema wird, braucht es drei Dinge: eine vollständige, dokumentenbasierte Darstellung des Entscheidungswegs; eine klare Regelverschärfung bei Verbandswechseln mit verbindlichen Fristen und Sanktionen; und eine unabhängige Prüfung, ob in ähnlichen Fällen konsistent entschieden wurde. Ohne diese Schritte bleibt der Verdacht, dass die Fifa bei „fifa“ im eigenen Haus nicht dieselben Maßstäbe anlegt wie bei anderen.
Fazit: Ein Testfall für die Glaubwürdigkeit des Weltfußballs
Der Mpasi-Fall ist kein reiner Formalienstreit, sondern ein Test, ob die Fifa ihre eigene Regelordnung ernst nimmt – besonders wenn es unangenehm wird. Wenn der Weltverband hier keine transparente, nachvollziehbare Linie fährt, riskiert er mehr als Schlagzeilen: Er riskiert das Fundament, auf dem internationale Wettbewerbe stehen – das Vertrauen, dass Regeln für alle gelten.
Quellen
WM-Torwart hatte gar keine Spielerlaubnis!
Bericht enthüllt: Die FIFA wusste, dass die DR Kongo gegen Nigeria einen nicht spielberechtigten Torhüter eingesetzt hatte






