07.10.2026
6 Minuten Lesezeit

Corona-Impfung im Herbst: Für wen der Impfstoff jetzt wirklich sinnvoll ist

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@2026 Video-Redaktion

Impfstoff ist in diesem Herbst wiederein zentrales Thema – nicht weil Corona zurück in die pandemische Lage von früher zurückkehrt, sondern weil die Ständige Impfkommission (Stiko) ihre Empfehlungen deutlich präzisiert hat. Künftig richtet sich die jährliche Auffrischimpfung vor alleman Menschen ab 75 Jahren sowie an Personenmit erhöhtem Risiko für schwere Covid-19-Verläufe. Diese Verschiebung zeigt, wie sehr sich die Einschätzung von Covid-19 verändert hat: Das Virus ist nicht verschwunden, aber sein Risiko wird zunehmend differenzierter bewertet.

Während früher breite Altersgruppen zur Impfung aufgefordert wurden, konzentriert sich der Schutz nun auf die Menschen, bei denen eine Infektion weiterhin ernste Folgen haben kann. Das ist kein Rückzug aus dem Infektionsschutz, sondern eine Anpassung an eine Bevölkerung, die durch Impfungen und frühere Infektionen inzwischen über eine erhebliche Grundimmunität verfügt.

Warum die Empfehlung sich ändert

Die Stiko hebt die Altersgrenze für die reguläre jährliche Auffrischimpfung von 60 auf 75 Jahre an. Gleichzeitig bleibt die Impfung für Menschen mit relevanten Vorerkrankungen, Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen und in der Pflege ausdrücklich empfohlen.

Der Grund liegt in der veränderten Immunlage. Ein großer Teil der Bevölkerung hat inzwischen mehrere Kontakte mit dem Coronavirus gehabt – entweder durch Infektionen, Impfungen oder beides. Dadurch sinkt das Risiko eines schweren Verlaufs für viele Menschen deutlich. Besonders gefährdet bleiben jedoch ältere Menschen, Personen mit geschwächtem Immunsystem und jene mit chronischen Erkrankungen.

Ein Impfstoff medizinisch betrachtet trainiert das Immunsystem darauf, einen Erreger oder Bestandteile davon wiederzuerkennen. Bei Covid-19 sollen moderne Präparate vor allem nicht jede Infektion verhindern, sondern schwere Erkrankungen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle reduzieren. Genau dieser Schutz ist für Risikogruppen weiterhin entscheidend.

Wer jetzt geimpft werden sollte

Die neue Empfehlung richtet sich nicht mehr pauschal an alle Erwachsenen. Stattdessen definiert die Stiko klare Gruppen, für die eine jährliche Auffrischimpfung im Spätsommer oder Frühherbst sinnvoll ist.

GruppeEmpfehlung
Menschen ab 75 JahrenJährliche Standard-Auffrischimpfung
Personen ab sechs Monaten mit bestimmten VorerkrankungenJährliche Impfung wegen erhöhten Risikos
Bewohnerinnen und Bewohner von PflegeeinrichtungenJährliche Impfung
Medizinisches und pflegerisches Personal mit PatientenkontaktJährliche Impfung wegen beruflichen Infektionsrisikos
Schwangere mit erhöhtem gesundheitlichen RisikoImpfung, vorzugsweise ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel
Enge Kontaktpersonen besonders gefährdeter MenschenImpfung zum Schutz der betroffenen Person

Zu den relevanten Vorerkrankungen zählen unter anderem chronische Lungenerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leber- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, starke Übergewichtigkeit, Immundefizite sowie aktive Krebserkrankungen. Auch bestimmte neurologische und psychiatrische Erkrankungen können das Risiko für einen schweren Verlauf erhöhen.

Für gesunde Erwachsene zwischen 60 und 74 Jahren entfällt damit die allgemeine Empfehlung. Das bedeutet nicht, dass eine Impfung in Einzelfällen unmöglich oder medizinisch falsch wäre. Wer etwa beruflich viele Kontakte hat, Angehörige pflegt oder aus persönlichen Gründen zusätzlichen Schutz möchte, sollte die individuelle Situation mit einer Hausarztpraxis besprechen.

Was ist ein Impfstoff?

Was ist ein Impfstoff? Diese Frage stellt sich im Umgang mit Covid-19 weiterhin, obwohl die meisten Menschen inzwischen mit dem Begriff vertraut sind. Ein Impfstoff ist ein medizinisches Präparat, das dem Immunsystem eine gefahrlose Übung gibt: Es lernt, einen Erreger beziehungsweise dessen charakteristische Merkmale zu erkennen, ohne zunächst eine vollständige Erkrankung durchmachen zu müssen.

Bei Covid-19 kommen vor allem mRNA-Impfstoffe und proteinbasierte Präparate zum Einsatz. Ein mRNA-Impfstoff liefert dem Körper eine vorübergehende Bauanleitung für ein Virusprotein. Das Immunsystem bildet daraufhin Abwehrmechanismen, die bei einem späteren Kontakt mit dem Coronavirus schnell reagieren können. Ein proteinbasierter Impfstoff enthält hingegen bereits ein gereinigtes Virusprotein, gegen das ebenfalls Abwehrreaktionen aufgebaut werden.

Der entscheidende Punkt: Kein Impfstoff ist eine Garantie dagegen, sich überhaupt anzustecken. Gerade bei Atemwegsviren, die sich ständig verändern, kann eine Infektion weiterhin auftreten. Der wesentliche Nutzen liegt darin, dass das Immunsystem vorbereitet ist und die Erkrankung häufig milder verläuft.

Impfstoffe im Überblick

Eine Impfstoffe Übersicht hilft dabei, die aktuelle Lage einzuordnen. Für die Saison 2026/2027 gibt es unterschiedliche Herangehensweisen: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt weiterhin Präparate, die an die Omikron-Subvariante LP.8.1 angepasst sind. Die Europäische Arzneimittel-Agentur spricht sich hingegen für eine Anpassung an die Variante XFG aus.

Das klingt nach einem Widerspruch, ist aber in der Praxis weniger dramatisch, als es zunächst wirkt. LP.8.1 und XFG gehören beide zur Omikron-Linie und sind eng miteinander verwandt. Das Robert Koch-Institut geht daher davon aus, dass ein an LP.8.1 angepasster Impfstoff ähnlich gut vor schweren Covid-19-Erkrankungen schützt wie ein Präparat, das auf XFG ausgerichtet ist.

Impfstoff-TypAnpassungErwarteter Nutzen
mRNA-ImpfstoffLP.8.1 oder XFGSchutz vor schweren Verläufen
Proteinbasierter ImpfstoffJe nach verfügbarer VarianteAlternative für Menschen, die kein mRNA-Präparat erhalten sollen
Älterer ImpfstoffFrühere Omikron-VariantenKann weiterhin Schutz bieten, jedoch nicht optimal an aktuelle Varianten angepasst

Wichtig ist dabei: Die Wahl des Präparats sollte nicht allein an der Variante festgemacht werden. Verfügbarkeit, medizinische Vorgeschichte, Alter, Kostenübernahme und die Empfehlung der behandelnden Praxis spielen ebenso eine Rolle.

Ein Impfstoff gegen Corona im Herbst

Ein Impfstoff gegen Corona ist im Herbst besonders relevant, weil Atemwegsinfekte typischerweise zunehmen. Menschen halten sich wieder länger in geschlossenen Räumen auf, lüften weniger und haben mehr engen Kontakt zu anderen. Gleichzeitig treffen Grippe, RSV und andere Erreger auf ein Gesundheitssystem, das in der kalten Jahreszeit häufig stärker belastet ist.

Die Stiko empfiehlt die Covid-19-Auffrischimpfung bevorzugt im Spätsommer oder Frühherbst. Der Grund ist einfach: Der Schutz soll aufgebaut sein, bevor die Infektionszahlen steigen. Wer den Zeitpunkt verpasst, kann die Impfung allerdings auch später in der Saison nachholen.

Zwischen einer vorherigen Impfung oder einer nachgewiesenen Corona-Infektion und der neuen Auffrischimpfung sollte nach den Empfehlungen möglichst ein Abstand von mindestens sechs Monaten liegen. Das gibt dem Immunsystem Zeit, die vorherige Immunantwort auszubilden und zu stabilisieren.

Kombination mit anderen Impfungen

Der Herbst ist nicht nur die Saison für den Corona-Impfstoff. Viele Menschen benötigen auch Schutz vor Influenza, RSV oder Keuchhusten. Diese Impfungen können grundsätzlich zeitgleich durchgeführt werden.

Praktisch wichtig: Die Spritzen sollten nicht in denselben Arm verabreicht werden. Durch die Nutzung beider Arme lassen sich lokale Reaktionen wie Schmerzen, Rötungen oder Schwellungen besser zuordnen.

Für ältere Menschen und Risikogruppen kann eine gebündelte Impfberatung sinnvoll sein. Statt mehrere Termine zu verteilen, lässt sich in einem Gespräch klären, welche Impfungen aktuell empfohlen sind, welche Abstände gelten und ob bestimmte Vorerkrankungen eine besondere Vorgehensweise erfordern.

Wo und wer zahlt?

Die Corona-Impfung wird in Hausarztpraxen, bei Fachärztinnen und Fachärzten, in vielen Betriebsarztpraxen und in zahlreichen Apotheken angeboten. Für Personen, für die die Stiko eine Impfung empfiehlt, übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel die Kosten; auch private Kassen erstatten die Leistung häufig.

Die Abrechnung erfolgt üblicherweise über die elektronische Gesundheitskarte. Voraussetzung ist, dass die Impfung aufgrund von Alter, Vorerkrankung oder beruflichem Risiko im Leistungskatalog vorgesehen ist. Bei einer medizinischen Indikation kann die Kasse die Kosten ebenfalls übernehmen.

Komplizierter kann die Lage beim konkreten Präparat werden. Berichte weisen darauf hin, dass gesetzliche Kassen in dieser Saison vorrangig ältere Impfstoffbestände erstatten, während neuere, an aktuelle Varianten angepasste Präparate unter Umständen selbst gezahlt werden müssen. Vor der Impfung lohnt sich daher eine kurze Nachfrage in Praxis oder Apotheke.

Warum Corona nicht verschwunden ist

Covid-19 entwickelt sich nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts von einer pandemischen zu einer endemischen Erkrankung. Das bedeutet: Das Virus zirkuliert weiterhin in der Bevölkerung, verursacht aber nicht mehr flächendeckend die gleichen Belastungen wie in den ersten Pandemiejahren.

Die Überwachung hat sich ebenfalls verändert. Während der Pandemie lieferten umfangreiche Tests und Meldepflichten ein sehr genaues Bild des Infektionsgeschehens. Heute geben Abwasseruntersuchungen wichtige Hinweise auf zirkulierende Varianten und Infektionswellen. Dieses Verfahren ist wertvoll, liefert aber ein weniger unmittelbares und detailliertes Bild als früher.

Genau daraus ergibt sich die neue Strategie: Statt die gesamte Bevölkerung regelmäßig zu impfen, konzentriert sich der Schutz auf jene, die im Ernstfall am stärksten gefährdet sind. Das ist ein pragmatischer Ansatz, der medizinischen Nutzen, verfügbare Ressourcen und den veränderten Immunstatus der Bevölkerung berücksichtigt.

Was künftig zu erwarten ist

Die Anpassung der Empfehlung dürfte kein einmaliger Vorgang bleiben. Corona-Varianten werden sich weiter verändern, und Impfstoffe werden voraussichtlich regelmäßig an die jeweils dominierenden Linien angepasst. Gleichzeitig wird die Debatte darüber wichtiger, welche Gruppen einen zusätzlichen Schutz benötigen und wie dieser Schutz organisiert werden kann.

Für Menschen ab 75, chronisch Kranke und Beschäftigte im Gesundheitswesen bleibt die Botschaft klar: Eine jährliche Auffrischimpfung im Herbst kann das Risiko eines schweren Verlaufs senken. Für alle anderen gilt: Die Entscheidung sollte individuell getroffen werden, insbesondere bei Vorerkrankungen, enger Betreuung gefährdeter Angehöriger oder beruflicher Exposition.

Der Impfstoff ist damit kein Symbol einer vergangenen Krise, sondern weiterhin ein praktisches Instrument des Gesundheitsschutzes. Seine Rolle hat sich jedoch verändert: Weniger als flächendeckende Maßnahme, mehr als gezielter Schutz für die Menschen, die ihn am dringendsten brauchen.

Quellen

Wem die Stiko die Corona-Impfung empfiehlt
COVID-19: STIKO passt Impfempfehlung an

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