07.08.2026
6 Minuten Lesezeit

Streit um Tauchplatz eskaliert: Mann wegen versuchter Tötung angeklagt

hose-tauchstreit-mordvorwurf-miami
@2026 nbcmiami

hose und Atemluft sind beim Tauchenkeine Nebensache, sondern eine unmittelbare Lebensversicherung. Genau deshalb sorgt ein Vorfall vor Fisher Island bei Miami derzeit für Aufsehen: Ein 51-jähriger Mann soll während eines Streits über einen begehrten Hummer-Tauchplatz die Luftversorgung eines Unterwassertauchers abgeschaltet haben. Michael Joseph Simpson Jr. muss sich wegen des Vorwurfsdes versuchten Mordes zweiten Grades verantworten. Simpson bestreitet die Anschuldigungen und will auf nicht schuldig plädieren.

Ein Streit, der unter Wasser gefährlich wurde

Der Vorfall ereignete sich am 29. Juli während der sogenannten Lobster Mini Season in Südflorida. In dieser kurzen Saison gehen besonders viele Menschen auf die Jagd nach Langusten und Hummern. Entsprechend groß ist der Andrang auf geeignete Stellen – und damit auch das Konfliktpotenzial zwischen Booten, Tauchern und Besatzungen.

Nach Angaben der Ermittler lag das Boot von Steven Del Sol vor Fisher Island vor Anker. An Bord befand sich ein junger Taucher, der unter Wasser nach Langusten suchte. Seine Luft erhielt er über ein sogenanntes „Brownie“-System, das auch als „Third Lung“ bezeichnet wird.

Dabei schwimmt ein Kompressor an der Wasseroberfläche und leitet Atemluft durch einen Schlauch an den Taucher weiter. Der Taucher trägt dabei in der Regel keine klassische Druckluftflasche auf dem Rücken. Stattdessen bleibt er über den Schlauch dauerhaft mit der Anlage an der Oberfläche verbunden. Wird dieser Schlauch beschädigt, geknickt oder die Luftversorgung abgeschaltet, kann sich die Situation innerhalb kürzester Zeit dramatisch entwickeln.

Die Behörden schildern, dass Simpsons Boot mit hoher Geschwindigkeit auf das andere Schiff zugefahren und mehrfach darum herumgekreist sei. Anschließend habe es in etwa drei Metern Entfernung geankert. Kurz darauf soll ein Streit darüber entbrannt sein, wer den betreffenden Tauchplatz beanspruchen dürfe.

Die Situation verschärfte sich offenbar, als ein weiteres Boot aus Simpsons Gruppe eintraf. Auch dieses Schiff soll in unmittelbarer Nähe geankert haben. Die Menschen auf Del Sols Boot wiesen nach eigener Darstellung darauf hin, dass sich bereits ein Taucher unter Wasser befinde und die technische Ausrüstung nicht berührt werden dürfe.

Der entscheidende Vorwurf

Der schwerwiegendste Vorwurf richtet sich gegen den Umgang mit dem Atemsystem. Simpson soll während der Auseinandersetzung angekündigt haben, den „Brownie“ abzuschalten, wenn er dies wolle. Danach sei er ins Wasser geschwommen und habe den Kompressor beziehungsweise die zugehörige Luftversorgung ausgeschaltet.

Mehrere Menschen an Bord des anderen Bootes, darunter Angehörige des Tauchers, wollen diesen Vorgang beobachtet haben. Nach ihren Aussagen wurde die Luftzufuhr dadurch unterbrochen, während sich der junge Taucher noch unter Wasser befand. Ein mit einem Mobiltelefon aufgenommenes Video soll zudem zeigen, wie Simpson nach dem Vorfall schnell von der Anlage wegschwimmt und zu seinem Boot zurückkehrt.

Für die juristische Bewertung ist dieser Ablauf entscheidend. Ein abgeschalteter Schlauch bedeutet bei einem Taucher nicht lediglich eine kurze Unannehmlichkeit. Je nach Tiefe, Sicht, körperlicher Belastung und Orientierung kann der Verlust der Atemluft innerhalb kurzer Zeit zu Panik, Bewusstlosigkeit oder Ertrinken führen.

Besonders gefährlich wird die Lage, wenn sich der Schlauch mit einer Ankerleine oder anderer Ausrüstung verheddert. Genau das soll nach Angaben des Bootsführers geschehen sein. Der junge Taucher sei mit seinem Schlauch und der Ankerleine verbunden gewesen. Als er schließlich aus dem Wasser gezogen wurde, habe er nach Luft gerungen, desorientiert gewirkt und zunächst nicht verstanden, was passiert war.

Warum der Fall strafrechtlich schwer wiegt

Die Anklage wegen versuchten Mordes bedeutet nicht, dass bereits eine endgültige Schuld festgestellt wurde. Sie beschreibt den Vorwurf der Ermittler und die rechtliche Einordnung, mit der das Verfahren zunächst weitergeführt wird. Vor Gericht müssen Staatsanwaltschaft und Verteidigung klären, was tatsächlich geschah, wer die Anlage berührte und ob sich daraus eine vorsätzliche lebensgefährliche Handlung ableiten lässt.

Simpson war zunächst wegen versuchten Mordes ersten Grades festgenommen worden. Bei der Kautionsanhörung wurde der Vorwurf nach Gesprächen zwischen Richterin, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf versuchten Mord zweiten Grades reduziert. Die Richterin setzte die Kaution auf 10.000 US-Dollar fest und bezeichnete den Vorgang als äußerst ernst.

Der Unterschied zwischen den Anklagepunkten ist für das Verfahren relevant. Die Anklage wegen versuchten Mordes setzt grundsätzlich voraus, dass eine Handlung mit Tötungsvorsatz begonnen wurde, der Tod aber nicht eingetreten ist. Ob der notwendige Vorsatz vorlag, dürfte zu den schwierigsten Fragen des Verfahrens gehören.

Das zentrale Beweismittel könnte das vorhandene Videomaterial sein. Allerdings reicht die Existenz eines Videos allein nicht automatisch für eine Verurteilung. Entscheidend sind Bildqualität, Perspektive, zeitlicher Ablauf und die Frage, ob darauf tatsächlich zu erkennen ist, wer den Schalter oder die technische Einheit bedient hat.

Auch Zeugenaussagen, die Position der Boote, die Funktionsweise des Kompressors und mögliche Spuren an der Ausrüstung können eine Rolle spielen. Die Ermittler müssen außerdem klären, ob der Schlauch vollständig von der Luftversorgung getrennt wurde oder ob es sich um eine kurze Unterbrechung handelte.

Die Verteidigung widerspricht der Darstellung

Simpsons Anwalt Howard Srebnick weist die Anschuldigungen zurück. Nach seiner Darstellung habe sein Mandant die Anlage nicht berührt. Das Video zeige angeblich nicht, dass Simpson die Luftversorgung abgeschaltet habe.

Die Verteidigung bringt eine alternative Erklärung für die Unterbrechung des Luftstroms ins Spiel. Demnach könnte eine andere Person in der Nähe des Systems gewesen sein und durch eine Bewegung an einem Seil oder an der Ausrüstung die Störung verursacht haben. Simpson selbst bezeichnete den Vorfall als vollständiges Missverständnis.

Nach seiner Darstellung sei es für ihn unvorstellbar, absichtlich einen Kompressor abzuschalten, während sich möglicherweise ein Taucher am Meeresboden befinde. Der Konflikt sei bereits vor dem eigentlichen Vorfall durch gegenseitige Beschuldigungen und Drohungen aufgeladen gewesen.

Ob diese Version Bestand hat, hängt davon ab, wie eindeutig die Aufnahmen sind und ob unabhängige Zeugen sie bestätigen können. In dem Verfahren werden daher vermutlich nicht nur die Aussagen der betroffenen Bootsbesatzungen, sondern auch technische Details eine wichtige Rolle spielen.

Brisanz durch frühere Sicherheitsfunktion

Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall, weil Simpson früher Mitglied der von Miami-Dade eingesetzten Boater Safety and Bay Education Task Force gewesen sein soll. Dieses Gremium wurde mit dem Ziel eingerichtet, die Sicherheit auf den Wasserwegen zu verbessern.

Der Landkreis erklärte, das Verhalten, das Simpson nun vorgeworfen werde, stehe im Widerspruch zu dieser Aufgabe. Wichtig ist jedoch, zwischen einer früheren öffentlichen Funktion und der aktuellen Strafsache zu unterscheiden: Die frühere Mitarbeit beweist weder die Schuld noch die Unschuld des Beschuldigten.

Sie erhöht lediglich das öffentliche Interesse, weil von einer Person mit Erfahrung im Bereich Bootssicherheit ein besonders umsichtiges Verhalten erwartet wird. Gerade auf stark frequentierten Gewässern können kleine Abstände zwischen Booten schnell gefährlich werden.

Ein Schlauch, eine Ankerleine oder ein Propeller ist dann nicht nur Teil der Ausrüstung, sondern kann über Leben und Tod entscheiden. Wer sich einem fremden Boot mit hoher Geschwindigkeit nähert, in unmittelbarer Nähe ankert oder während eines Streits technische Systeme anderer Taucher berührt, erhöht das Risiko für alle Beteiligten erheblich.

Was der Vorfall für den Tauchsport zeigt

Der Fall macht ein grundlegendes Problem sichtbar: Freizeitaktivitäten auf dem Wasser werden häufig als entspannte Unternehmungen wahrgenommen, obwohl sie technisch und körperlich anspruchsvoll sind. Ein Taucher, der über einen Schlauch mit Atemluft versorgt wird, ist vollständig auf die Funktionsfähigkeit des Systems und die Aufmerksamkeit der Menschen an der Oberfläche angewiesen.

Deshalb müssen bei solchen Tauchgängen klare Sicherheitsregeln gelten. Der Bereich um den Kompressor sollte frei bleiben. Der Schlauch darf nicht über Ankerleinen geführt oder von anderen Booten überfahren werden. Außerdem müssen Bootsführer jederzeit wissen, ob sich Personen unter der Wasseroberfläche befinden.

Im Notfall sollte die erste Reaktion nicht eine Konfrontation, sondern die Sicherung des Tauchers sein. Die Luftversorgung muss kontrolliert werden, während eine Person den Taucher beobachtet und eine weitere gegebenenfalls die Rettungskräfte alarmiert.

Auch die Kommunikation zwischen den Gruppen spielt eine zentrale Rolle. Ein Streit über einen Tauchplatz lässt sich normalerweise beenden, indem eine Gruppe Abstand hält oder eine zuständige Behörde informiert. Sobald jedoch Drohungen ausgesprochen werden, Boote gefährlich manövrieren oder jemand den Schlauch einer fremden Atemluftanlage berührt, wird aus einem Nachbarschaftsstreit eine potenziell lebensbedrohliche Situation.

Wie es weitergehen dürfte

Simpson wurde am 4. August festgenommen, nachdem er sich freiwillig den Behörden gestellt hatte. Nach Zahlung der Kaution kam er wieder frei. Sein Anwalt kündigte an, dass Simpson auf nicht schuldig plädieren werde.

Im weiteren Verfahren dürften die Videoaufnahmen, die Aussagen der Beteiligten und die technische Untersuchung des Brownie-Systems im Mittelpunkt stehen. Ebenso wichtig wird sein, ob der junge Taucher medizinisch untersucht wurde und welche Folgen der kurze Verlust der Atemluft hatte.

Dass niemand schwer verletzt wurde, nimmt dem Vorwurf nicht automatisch seine Bedeutung. Entscheidend ist auch, welche Gefahr durch die behauptete Handlung geschaffen worden sein soll. Die Justiz muss daher prüfen, ob die Luftversorgung absichtlich unterbrochen wurde und ob die betreffende Person wusste, dass sich ein Taucher unter Wasser befand.

Unabhängig vom Ausgang des Gerichtsverfahrens bleibt eine klare Lehre: Auf dem Wasser gibt es keinen „eigenen“ Platz, der das bewusste Gefährden anderer rechtfertigen könnte. Ein Streit um Langusten darf niemals dazu führen, dass ein lebenswichtiger Schlauch abgeschaltet, eine Atemluftversorgung unterbrochen oder ein Taucher unter Wasser in eine Notlage gebracht wird.

Quellen

Man charged with attempted murder in alleged lobster diving incident
Mann aus Florida wegen versuchten Mordes angeklagt; ihm wird vorgeworfen, die Luftzufuhr eines unter Wasser befindlichen jugendlichen Tauchers unterbrochen zu haben

bundesnetzagentur-solar-gebühr-2029
Vorherige Geschichte

Solarbesitzer und die neue Netzgebühr: Was ab 2029 wirklich auf Sie zukommt

fuerstin-gloria-verspottet-maffay
Nächste Geschichte

Fürstin Gloria verspottet Peter Maffay: Warum aus einem Konzertauftritt eine politische Debatte wird

Neueste von Blog

Geh zuOben