Am Freitagmittag (9. Januar 2026) begann vor dem Hamburger Landgericht ein aufsehenerregender Prozess gegen einen 21-jährigen Mann, der sich im Internet „White Tiger“ nannte. Der Angeklagte soll über soziale Medien Minderjährige zu sexuellen Handlungen und Selbstverletzungen aufgefordert haben. Der Fall löste bundesweit Entsetzen aus, da einem seiner mutmaßlichen Opfer – einem 13-jährigen Jungen – der Suizid zugeschrieben wird.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten daher nicht nur sexuellen Missbrauch und Nötigung, sondern auch Mord durch mittelbare Täterschaft vor. Das Gericht begann mit der Verlesung der Anklageschrift, die zahlreiche verstörende Details zu den Online-Kontakten offenlegte.
Vorgehensweise des mutmaßlichen Täters
Laut Ermittlungen soll der Angeklagte über Chat-Plattformen und soziale Netzwerke Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufgebaut haben. Unter dem Pseudonym „White Tiger“ habe er sein Vertrauen erschlichen, um sie zu gefährlichen Handlungen zu bringen. Die Kommunikation erfolgte meist anonym, oft mit Drohungen oder manipulativem Druck.
Besonders erschütternd ist der Fall des 13-jährigen Opfers, dessen Suizid 2023 eine intensive Ermittlungswelle ausgelöst hatte. Die Spur führte schließlich zu dem heute Angeklagten, der seit 2024 in Untersuchungshaft sitzt.
Bewertung durch Gericht und Gesellschaft
Das Verfahren gilt als wegweisend für die juristische Bewertung digitaler Einflussnahmen, die zu realen Taten führen können. Experten warnen seit Jahren vor einer zunehmenden Zahl solcher Fälle, bei denen Täter psychologischen Druck im Netz aufbauen und Opfer in gefährliche Situationen treiben.
Die Öffentlichkeit verfolgt den Prozess mit großem Interesse und wachsender Sorge über den Schutz Minderjähriger im digitalen Raum. Das Gericht plant, in mehreren Verhandlungstagen Zeugen, Gutachter und digitale Beweise zu prüfen. Ein Urteil wird frühestens im Frühjahr 2026 erwartet.
Quellen
“White Tiger”: So lief der Prozessstart in Hamburg
“White Tiger”-Prozess gestartet: Chronologie eines verstörenden Falles