Marina Squerciati gehört zu den prägenden Gesichtern von Chicago P.D.. Als Kim Burgess hat sie eine Figur geschaffen, deren Entwicklung vom unerfahrenen Streifenpolizisten zur erfahrenen Ermittlerin eng mit den großen Themen der Serie verbunden ist: Macht, Loyalität, Trauma, Mutterschaft und die moralischen Grenzen polizeilicher Arbeit. Nach der bestätigten Verlängerung von Chicago P.D. steht nun fest, dass Squerciati auch in der kommenden Staffel zum Ensemble zurückkehrt.
Vom Broadway nach Chicago
Wer Marina Squerciati ausschließlich mit Chicago P.D. verbindet, kennt nur einen Teil ihrer Karriere. Die Schauspielerin sammelte ihre wichtigsten Erfahrungen zunächst auf der Bühne. Ihr Broadway-Debüt gab sie in einer Adaption von Ernst Lubitschs „To Be or Not to Be“. Später arbeitete sie in Off-Broadway-Produktionen und regionalen Theaterinszenierungen. Diese Herkunft erklärt vieles an ihrer Spielweise: Squerciati arbeitet stark über Körpersprache, Timing und kleine Veränderungen in der Stimme.
Bevor sie als Kim Burgess bekannt wurde, übernahm sie Rollen in verschiedenen Fernsehserien. Dazu gehörten unter anderem Law & Order: Criminal Intent, The Good Wife, Blue Bloods, Damages und Gossip Girl. Auch im Kino war sie zu sehen, etwa in It’s Complicated, Frances Ha und dem Independent-Film Sparks. Außerdem spielte sie die russische Agentin Irina in The Americans, einer Rolle, die ihre Fähigkeit zeigte, widersprüchliche und schwer durchschaubare Figuren glaubwürdig darzustellen.
Diese Stationen waren keine bloßen Zwischenstopps. Sie bildeten das Fundament für eine Schauspielerin, die später in einem langfristig angelegten Netzwerkdrama nicht nur Action liefern, sondern eine Figur über viele Jahre hinweg glaubhaft verändern konnte.
Kim Burgess als emotionale Konstante
Als Chicago P.D. im Januar 2014 startete, war Kim Burgess zunächst eine engagierte, aber noch unerfahrene Polizistin. Sie musste sich in einer von Männern dominierten Einheit behaupten und gleichzeitig lernen, mit den Risiken des Berufs umzugehen. Burgess war weder unfehlbar noch unverwundbar. Genau darin lag ihre Wirkung.
Die Figur wurde nicht als unerschütterliche Actionheldin eingeführt. Burgess machte Fehler, zweifelte und musste sich die Anerkennung ihrer Kollegen erarbeiten. Ihre Entwicklung verlief deshalb nicht sprunghaft, sondern in nachvollziehbaren Etappen. Aus der Streifenpolizistin wurde eine Beamtin mit mehr Verantwortung, größerer Selbstsicherheit und einem klareren Verständnis für die Konsequenzen ihrer Entscheidungen.
Squerciati spielt diese Veränderung nicht durch große Monologe aus. Häufig genügt ein Blick, eine kurze Pause oder eine zurückgenommene Reaktion. Burgess kann in einer gefährlichen Situation entschlossen handeln und im nächsten Moment zeigen, dass ein Einsatz sie innerlich belastet. Diese Kombination aus Professionalität und Verletzlichkeit unterscheidet sie von vielen eindimensionalen Figuren des Genres.
Der Sender beschreibt Squerciati als Darstellerin von Officer Kim Burgess und hebt neben ihrer Arbeit bei Chicago P.D. auch ihre Auftritte in Chicago Fire, Chicago Med und Chicago Justice hervor. Dadurch wurde Burgess zu einem verbindenden Element innerhalb des gesamten „One Chicago“-Universums.
Warum ihre Geschichte relevant ist
Die Bedeutung von Marina Squerciati in Chicago P.D. liegt nicht allein in der Zahl ihrer Auftritte. Entscheidend ist, dass Kim Burgess eine der Figuren ist, an denen die Serie ihre eigene Entwicklung ablesen lässt.
Polizeiserien arbeiten traditionell mit klaren Gegensätzen: Täter und Ermittler, Gesetz und Verbrechen, Pflicht und persönliches Gefühl. Moderne Formate versuchen jedoch zunehmend zu zeigen, dass diese Grenzen im Alltag nicht immer eindeutig sind. Burgess verkörpert diesen Wandel. Sie erfüllt ihre Aufgabe, stellt aber zugleich Fragen nach Schuld, Verantwortung und den Folgen von Gewalt.
Besonders wirkungsvoll ist die Verbindung zwischen ihrem Berufsleben und ihrer privaten Verantwortung. Burgess ist nicht nur Kollegin und Ermittlerin, sondern auch Mutter. Dadurch erhalten gefährliche Einsätze eine zusätzliche Dimension. Jede Entscheidung kann nicht nur ihr eigenes Leben gefährden, sondern auch die Sicherheit und Zukunft ihres Kindes beeinflussen.
Diese Perspektive macht die Figur für viele Zuschauerinnen und Zuschauer zugänglicher. Burgess muss nicht zwischen „stark“ und „schwach“ wählen. Sie zeigt, dass Stärke auch darin bestehen kann, Angst zu erkennen, Hilfe anzunehmen und trotz persönlicher Belastung weiterzuarbeiten.
Für die Serie ist das strategisch wichtig. Während manche Charaktere vor allem durch spektakuläre Ermittlungen oder harte Dialoge funktionieren, bringt Burgess emotionale Kontinuität in die Handlung. Ihr persönlicher Weg sorgt dafür, dass einzelne Fälle nicht isoliert wirken. Die Ereignisse hinterlassen Spuren und verändern die Figuren.
Die Stärke von Squerciatis Schauspiel
Marina Squerciati besitzt eine besondere Qualität, die im Fernsehen oft unterschätzt wird: Sie kann Zurückhaltung spielen. In einem Format mit Schusswechseln, Verfolgungsjagden und dramatischen Wendungen besteht die Gefahr, dass leise Momente untergehen. Squerciati nutzt gerade diese Momente, um Burgess Tiefe zu geben.
Ihre Darstellung folgt häufig drei Ebenen:
- Burgess handelt als Polizistin und muss in Sekunden Entscheidungen treffen.
- Burgess reagiert als Kollegin, die Vertrauen, Enttäuschung und Loyalität erlebt.
- Burgess bleibt ein Mensch mit privaten Ängsten und emotionalen Grenzen.
Die Spannung entsteht daraus, dass diese Ebenen nicht immer miteinander vereinbar sind. Eine Entscheidung kann beruflich richtig, persönlich aber schmerzhaft sein. Ein Kollege kann fachlich unverzichtbar und menschlich problematisch sein. Genau diese Widersprüche machen die Figur glaubwürdig.
Squerciatis Theatererfahrung hilft ihr dabei, Dialoge nicht nur als Informationsvermittlung zu behandeln. Ihre Szenen leben oft davon, was unausgesprochen bleibt. Wenn Burgess schweigt, bedeutet das nicht automatisch Zustimmung. Wenn sie ruhig bleibt, heißt das nicht, dass sie unberührt ist. Diese Mehrdeutigkeit verhindert, dass die Figur zu einer bloßen Funktion innerhalb des Ermittlerteams wird.
Die Zukunft von „Chicago P.D.“
Die Verlängerung von Chicago P.D. für eine weitere Staffel ist für Squerciati und ihre Figur ein wichtiger Moment. Die Schauspielerin reagierte mit sichtbarer Freude auf die Rückkehr und deutete zugleich an, dass sie vor dem nächsten Produktionsabschnitt eine Auszeit gebrauchen könne. Die neue Staffel soll im Herbst 2026 ausgestrahlt werden.
Diese Kombination aus Vorfreude und Erholungsbedarf ist bemerkenswert. Eine lang laufende Serie verlangt von ihren Hauptdarstellern nicht nur viele Drehtage, sondern auch eine dauerhaft hohe emotionale Belastung. Für Squerciati bedeutet die Rolle, über Jahre hinweg wiederholt Szenen zu spielen, in denen Burgess Gewalt, Verlust, Bedrohung und moralische Konflikte erlebt.
Für die kommende Staffel ergeben sich deshalb mehrere interessante Möglichkeiten. Burgess könnte stärker in eine Führungsrolle hineinwachsen. Nach ihrer langen Entwicklung wäre es wenig überzeugend, sie weiterhin ausschließlich als ausführende Ermittlerin zu zeigen. Eine größere Verantwortung innerhalb der Einheit würde neue Konflikte schaffen: Wie führt man ein Team, wenn man selbst emotional involviert ist? Wie viel Nähe darf eine Führungskraft zulassen? Und wie verändert sich Burgess’ Verhältnis zu den jüngeren Kolleginnen und Kollegen?
Auch ihre Rolle als Mutter bietet weiteres erzählerisches Potenzial. Die Serie könnte stärker untersuchen, wie Burgess versucht, berufliche Pflichten und familiäre Sicherheit miteinander zu verbinden. Dabei sollte die Figur nicht auf Mutterschaft reduziert werden. Interessant wäre vielmehr, wie beide Lebensbereiche ihre Entscheidungen gegenseitig beeinflussen.
Mehr als eine Verlängerung
Die Rückkehr von Marina Squerciati zeigt, dass Zuschauerbindung bei langfristigen Serien nicht nur durch neue Fälle entsteht. Sie entsteht vor allem durch Figuren, deren Leben sich über Jahre hinweg nachvollziehbar verändert. Kim Burgess ist ein Beispiel dafür.
Squerciati hat aus einer anfänglich eher klassischen Polizeifigur eine komplexe Hauptrolle entwickelt. Burgess steht für Professionalität, aber auch für Zweifel. Sie kann entschlossen handeln und dennoch mit den Folgen kämpfen. Sie ist Teil einer Institution, ohne deren Entscheidungen unkritisch zu übernehmen.
Genau deshalb bleibt Marina Squerciati für Chicago P.D. so wertvoll. Sie bringt nicht nur Erfahrung und Bekanntheit mit, sondern eine Figur, die das emotionale Gedächtnis der Serie verkörpert. Während sich das Ermittlerteam verändert und einzelne Charaktere kommen oder gehen, erinnert Burgess daran, dass jeder Einsatz Konsequenzen hat.
Die nächste Staffel wird daher nicht nur zeigen müssen, welchen neuen Fall die Intelligence Unit übernimmt. Sie wird auch die Frage beantworten müssen, wohin Kim Burgess nach all den Jahren noch gehen kann. Für Marina Squerciati liegt darin zugleich eine Herausforderung und eine Chance: Sie kann eine etablierte Serienrolle weiter vertiefen oder den nächsten Schritt in Richtung neuer Film-, Fernseh- und Theaterprojekte vorbereiten.
Fest steht: Der Name Marina Squerciati bleibt eng mit Chicago P.D. verbunden. Doch ihre Karriere begann lange vor Kim Burgess — und gerade ihre vielseitige Vergangenheit macht wahrscheinlich, dass ihre Zukunft nicht allein in Chicago stattfinden muss
Quellen
Marina Squerciatis beruflicher Werdegang – von „Gossip Girl“ bis „Chicago P.D.“
Marina Squerciati gibt Stellungnahme ab, nachdem das Schicksal der „One Chicago“-Serien bekannt gegeben wurde

