28.10.2026
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Susan Saint James: Eine Fernsehikone, die Freundschaft, Familie und Selbstbestimmung neu erzählte

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© 2026 Andrew Eccles

Susan Saint James ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Die Emmy-prämierte Schauspielerin, die durch McMillan & Wife und Kate & Allie zu einer der prägendsten Figuren des amerikanischen Fernsehens wurde, verstarb nach Angaben ihrer Familienach einer Krebserkrankung. Ihr Tod markiert nicht nur das Ende eines außergewöhnlichen Lebens, sondern auch den Abschied von einer Künstlerin, die zwei Jahrzehnte lang zeigte, wie Frauen im Fernsehen komplex, witzig und selbstbestimmt dargestellt werden können.

Saint James war keine Schauspielerin, die ausschließlich durch ihre Rollen in Erinnerung bleibt. Sie verkörperte einen besonderen Typus der amerikanischen Unterhaltung: charmant, schlagfertig, warmherzig und zugleich unbequem genug, um festgelegte Bilder von Ehefrauen, Müttern und Freundinnen aufzubrechen. Gerade deshalb wirkt ihr Tod wie der Verlust einer Brücke zwischen der klassischen Fernsehlandschaft der 1970er Jahre und der moderneren Familienserie der 1980er Jahre.

Ein Leben zwischen Traum und Disziplin

Geboren wurde Susan Saint 1946 in Los Angeles als Susan Jane Miller, wuchs jedoch in Rockford im Bundesstaat Illinois auf. Bereits als Kind war sie vom Kino fasziniert. Mit sieben Jahren sah sie einen Film mit Rhonda Fleming und beschloss, Schauspielerin zu werden. Diese frühe Entschlossenheit blieb prägend: Mit zehn Jahren war sie leidenschaftliche Kinogängerin, später ging sie nach New York, arbeitete kurz als Model und wagte schließlich den Schritt nach Hollywood.

Mit 20 Jahren nahm sie den Künstlernamen Susan Saint James an und erhielt einen Vertrag bei Universal. Der Weg war kein glatter Aufstieg, sondern das Ergebnis von Beharrlichkeit, Mut und einem ausgeprägten Gespür für die richtige Rolle. Ihr Durchbruch kam mit der Serie The Name of the Game, in der sie Peggy Maxwell spielte. Für diese Arbeit wurde sie mehrfach für einen Emmy nominiert und gewann die Auszeichnung einmal.

Diese frühe Anerkennung war wichtig, weil sie Saint James nicht als Nebenfigur etablierte, sondern als eigenständige Fernsehpräsenz. In einer Zeit, in der Frauen in Krimiserien häufig dekorative Funktionen erfüllten, brachte sie Energie, Intelligenz und Komik in ihre Figuren. Das machte sie für größere Projekte interessant – und legte den Grundstein für ihre bekanntesten Rollen.

Sally McMillan: Mehr als die Frau an der Seite

Der große Durchbruch kam 1971 mit McMillan & Wife. An der Seite von Rock Hudson spielte Susan Saint James Sally McMillan, die Ehefrau des San Franciscoer Polizeikommissars Stewart McMillan. Die Serie verband Krimi, Komödie und elegantes Fernsehdrama und machte Saint James international bekannt.

Sally war keine bloße Ehefrau im Hintergrund. Sie war neugierig, mutig, humorvoll und aktiv an den Fällen beteiligt. Saint James verlieh der Figur eine Leichtigkeit, die die Serie von vielen Krimiformaten ihrer Zeit unterschied. Ihre Chemie mit Rock Hudson war ein zentraler Teil des Erfolgs, doch ihre eigene Präsenz sorgte dafür, dass Sally nicht zur bloßen Verlängerung des männlichen Helden wurde.

Saint James blieb fünf Staffeln lang Teil der Serie und erhielt für die Rolle drei weitere Emmy-Nominierungen. Später verließ sie die Produktion nach einem Vertragsstreit; ihre Figur starb in der Handlung. Dieser Ausstieg zeigt, wie selbstbewusst sie ihre Karriere führte. Sie war bereit, einen erfolgreichen Platz zu verlassen, wenn die Bedingungen nicht mehr stimmten – ein Schritt, der in der damaligen Fernsehbranche alles andere als selbstverständlich war.

Kate & Allie: Eine Serie, die Familie neu definierte

Noch größer wurde ihr kultureller Einfluss mit Kate & Allie. Ab 1984 spielte Susan Saint James an der Seite von Jane Curtin die Kate McArdle. Die Serie erzählte von zwei geschiedenen Freundinnen, die mit ihren Kindern zusammenziehen und ein gemeinsames Leben aufbauen. Was heute selbstverständlich wirkt, war für das Fernsehen der 1980er Jahre eine bemerkenswert moderne Erzählung.

Die Stärke der Serie lag nicht darin, Scheidung dramatisch zu überhöhen. Kate und Allie hatten keinen perfekten Plan, sondern suchten eine praktische Lösung für ihren Alltag. Ihre Freundschaft wurde zur tragenden Familie. Damit stellte Kate & Allie die Frage, was Familie eigentlich bedeutet: nicht nur Ehe, Blutverwandtschaft oder traditionelle Rollen, sondern Verantwortung, Nähe und gegenseitige Unterstützung.

Saint James spielte Kate als lebensfrohe, spontane und pragmatische Frau, während Curtins Allie eher ordnungsliebend und vorsichtig war. Diese Gegenüberstellung funktionierte, weil beide Figuren nicht als Karikaturen angelegt waren. Sie stritten, irrten, lachten und trugen gemeinsam Verantwortung. Die Serie lief bis 1989 und brachte Saint James zwei weitere Emmy-Nominierungen ein.

Warum ihr Erbe bis heute relevant ist

Die Bedeutung von Susan Saint James liegt weniger in einzelnen Auszeichnungen als in der Art, wie sie weibliche Figuren im Mainstream-Fernsehen veränderte. In McMillan & Wife war sie die Partnerin eines Ermittlers, keine Anhängsel-Figur. In Kate & Allie war sie eine geschiedene Mutter, die nicht als tragisches Schicksal erzählt wurde, sondern als Frau mit Humor, Würde und Handlungsmacht.

Ihre Rollen kamen in einer Übergangszeit. Die Frauenbewegung hatte gesellschaftliche Debatten verändert, doch das Fernsehen brauchte noch Figuren, die diese Veränderungen für ein breites Publikum begreifbar machten. Saint James lieferte genau das. Sie machte Selbstbestimmung sympathisch, ohne belehrend zu wirken. Sie zeigte, dass eine Frau gleichzeitig Mutter, Freundin, Partnerin und eigenständige Persönlichkeit sein kann.

Spätere Serien über alleinerziehende Mütter, Wohngemeinschaften, unkonventionelle Familien und weibliche Freundschaften stehen in einer Tradition, die Shows wie Kate & Allie mitgeprägt haben. Dass solche Erzählungen heute selbstverständlich erscheinen, ist auch das Ergebnis von Schauspielerinnen wie Saint James, die diese Themen früh ins Zentrum populärer Unterhaltung rückten.

Eine Frau, die Menschen ernst nahm

Neben ihrer Karriere prägte auch ihr privates Leben das Bild von Susan Saint James. 1981 traf sie bei einem Auftritt als Gastgeberin von Saturday Night Live den NBC-Manager Dick Ebersol. Die beiden heirateten nur wenige Wochen nach ihrer Begegnung und bekamen drei gemeinsame Kinder. Zusammen mit ihren beiden Kindern aus einer früheren Ehe wuchs ihre Familie zu einem engen, unkonventionellen Zuhause heran.

Besonders tief geprägt wurde ihr Leben durch den Tod ihres jüngsten Sohnes Teddy, der 2004 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam. Die Familie erinnerte daran, dass Saint James selbst in dieser extremen Trauer zuerst an ihre anderen Kinder und ihren Mann dachte. Sie hielt die Trauerrede für Teddy und versuchte, ihrer Familie Halt zu geben. Diese Geschichte zeigt eine Seite von ihr, die weit über das Bild der Fernsehstars hinausgeht: eine Frau, die in Krisen Verantwortung übernahm, statt sich zurückzuziehen.

Ihre Familie beschrieb sie als jemanden, der Zeit und Energie höher schätzte als Geld. Sie soll Menschen unabhängig von deren Position mit derselben Aufmerksamkeit begegnet sein, ob im beruflichen Umfeld oder im Alltag. Diese Großzügigkeit war offenbar kein öffentliches Image, sondern eine Haltung, die auch ihre Kinder prägte.

Vom Star zur aktiven Bürgerin

Nach dem Ende von Kate & Allie zog sich Susan Saint James weitgehend aus dem Seriengeschäft zurück, ohne vollständig aus dem öffentlichen Leben zu verschwinden. Sie übernahm gelegentliche Rollen, engagierte sich aber zunehmend für soziale und politische Anliegen. Ihr Fokus verlagerte sich von der dauerhaften Präsenz vor der Kamera hin zu Familie, Aktivismus und einem Leben abseits der dauernden Aufmerksamkeit.

Diese Entscheidung sagt viel über ihr Verständnis von Erfolg. Saint James war nicht die Schauspielerin, die um jeden Preis im Zentrum bleiben musste. Sie hatte zwei der bekanntesten Rollen ihrer Ära gespielt, war mehrfach für Emmys nominiert worden und hatte einen Platz in der Fernsehgeschichte. Danach wählte sie eine Form von Leben, in dem Familie, Engagement und persönliche Integrität wichtiger waren als kontinuierliche Sichtbarkeit.

Gerade in einer Zeit, in der öffentliche Aufmerksamkeit oft als endgültiger Maßstab für Bedeutung gilt, wirkt diese Haltung bemerkenswert. Saint James bewies, dass eine Karriere nicht dadurch kleiner wird, wenn jemand bewusst Abstand nimmt. Im Gegenteil: Ihre zurückhaltende Präsenz nach den großen Serienerfolgen machte ihre kulturelle Wirkung umso deutlicher.

Ein Abschied, der eine Ära berührt

Der Tod von Susan Saint James trifft nicht nur langjährige Fans von McMillan & Wife und Kate & Allie. Er berührt alle, die mit dem amerikanischen Fernsehen der 1970er und 1980er Jahre aufgewachsen sind. Ihre Serien waren Unterhaltung, aber sie trugen auch gesellschaftliche Veränderungen in Millionen Haushalte. Sie machten aus Fragen von Ehe, Scheidung, Mutterschaft und Freundschaft Geschichten, die Menschen ernst nehmen konnten.

Ihr Erbe liegt in dieser Doppelwirkung: Sie war eine unterhaltsame, vielseitige Schauspielerin und zugleich Teil eines Wandels im Fernsehen. Susan Saint James bleibt als Sally McMillan in Erinnerung, als Kate McArdle, als Emmy-Gewinnerin – und vor allem als Frau, die ihre Rollen mit Wärme, Witz und einer unverwechselbaren Menschlichkeit füllte.

Quellen

Susan Saint James, Star aus „Kate & Allie“ und „McMillan & Wife“, stirbt im Alter von 80 Jahren
Susan Saint James, Aktivistin und Fernsehstar aus „Kate & Allie“ und „McMillan & Wife“, stirbt im Alter von 80 Jahren

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