US‑Präsident Donald Trump hat Kanada mit 100‑prozentigen Zöllen auf alle kanadischen Waren gedroht, sollte das Land ein breiteres Handels‑ oder Strategieabkommen mit China schließen. In einem Post auf seiner Plattform „Truth Social“ warnte Trump, dass Kanada umgehend mit einem Zollsatz von 100 Prozent belegt werde, „wenn ein Deal mit China zustande komme“.
Der Knackpunkt ist eine neuen „strategische Partnerschaft“ zwischen Kanada und China, die nach jahrelanger Eiszeit wieder engere wirtschaftliche Zusammenarbeit vorsieht. Kanada hatte zugesagt, chinesische Elektrofahrzeuge im großen Umfang auf seinen Markt zu lassen und zugleich Zollsenkungen von China für wichtige Agrarprodukte wie Canola zu erhalten. Trump vermutet, dass Kanada zum „Umschlagplatz“ für chinesische Güter nach Nordamerika werden soll, um ohnehin bestehende Zölle auf China‑Importe zu umgehen.
Ursachen der Zolldrohung
Für Trump ist Kanadas Annäherung an Peking ein Signal, dass der nördliche Nachbar sich immer stärker unter chinesischen Einfluss begeben könnte. In seinem Beitrag drohte er nicht nur mit den extrem hohen Zöllen, sondern behauptete auch, China werde Kanada „wirtschaftlich verschlingen“ und dessen Unternehmen, sozialen Zusammenhalt und Lebensweise zerstören.
Hinter der Drohung steht vor allem die Angst vor einer Umgehung der US‑Zollpolitik gegen China. Ottawa signalisierte zuletzt, es will China nur auf wenigen Schlüsselkonflikten wie Agrarprodukten und E‑Mobilität entgegenkommen – ein umfassendes Freihandelsabkommen habe man nicht im Sinne, betonte Kabinettsmitglied Chrystia Freeland‑Leiter François‑Philippe Champagne. Dennoch genießt Trump Kanadas Nachrücken erst einmal nicht viel Vertrauen und greift wieder zu seiner bewährtesten Waffe: der Zollkeule.
Reaktionen und mögliche Folgen
Kanadas Premierminister Mark Carney hat Trumps Drohung scharf zurückgewiesen und verdeutlicht, dass Kanadas Handelsübergewicht mit den USA in den letzten Jahrzehnten trotz Handelsabkommen wie USMCA stabil geblieben sei. In einer Rede in Montreal unterstrich Carney, ein gemeinsames Vorgehen mit China biete für beide Volkswirtschaften „massive Chancen“, verwarnte aber gleichzeitig davor, dass Kanada sich nicht kommerziell oder politisch vollauf abhängig machen will.
Ein solches Szenario würde die ohnehin angespannte Beziehung zwischen Trump und Carney weiter verschärfen. Ginge Trump tatsächlich von einer Drohung zur Tat über, könnte ein Gesamtimportzoll von 100 Prozent enorme Preiserhöhungen für kanadische Stahl‑, Automobil‑ oder Agrarexporte nach den USA auslösen – mit Konsequenzen bis in nordamerikanische Belieferungsketten. Fachleute weisen bereits darauf hin, dass heimische Verbraucher in Kanada sich trotz des USA‑Marktes letztlich unvermeidlich das teurere Umfeld nach einem massiven Zollvaban nicht ersparen können würden.
Geopolitische Dimension zwischen USA, Kanada und China
Damit rückt Kanada immer stärker in den Zentrum der US‑China‑Konkurrenz. Washington verlangt von Alliierten seit Jahren, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Peking zu „entkoppeln“ oder zumindest zu kontrollieren. Trumps Forderungen und Drohungen – angefangen von Grönlandverhandlungen über Zollkriege bis hin zu der Idee eines 51. US‑Bundesstaates – überschneiden sich zunehmend mit seiner China‑Strategie.
Für Kanada bedeutet das einen Balanceakt zwischen dem Hauptmarkt USA, wachsenden ökonomischen Interessen in Asien und innenpolitischem Druck, nicht als „Hintertür für China“ zu gelten. Politische Analysten sehen in Trumps neuer Zolldrohung weniger eine ausgearbeitete Strategie als einen wiederkehrenden Versuch, durch maximale Öffentlichkeitswirksamkeit Verhandlungspositionen vor drohenden Abkommen auszuloten. Ob Kanada darauf mit Zugeständnissen, juristischen Gegenstrategien oder graduellen Beschleunigung auf dem Weg zu einem China‑Deal reagiert, dürfte in den kommenden Wochen zu einem entscheidenden Indikator im Nordamerika‑China‑Regime werden.
Quellen
Trump droht Kanada wegen Annäherung an China mit 100-Prozent-Zöllen
Wegen Handelsdeal mit China droht Trump Kanada mit 100 Prozent Zöllen