In Israel ist es bei einem Protest ultraorthodoxer Juden gegen die Wehrpflicht zu einem tödlichen Zwischenfall gekommen. Nach Angaben der israelischen Polizei fuhr ein Bus am späten Dienstagabend in eine Menschenmenge im Jerusalemer Stadtteil Mea Schearim. Dabei wurde ein 18-jähriger Demonstrant schwer verletzt und später im Krankenhaus für tot erklärt.
Der Fahrer wurde laut Augenzeugenberichten zunächst von Demonstranten umzingelt, als diese die Straße blockierten. Unklar ist noch, ob der Mann absichtlich oder in Panik in die Menge fuhr. Die Polizei hat Ermittlungen eingeleitet, um den genauen Ablauf des Vorfalls zu rekonstruieren.
Hintergrund: Streit um die Wehrpflicht ultraorthodoxer Juden
Der Protest richtete sich gegen die geplante Ausweitung der Wehrpflicht auf ultraorthodoxe Männer. In Israel sind strengreligiöse Juden bislang weitgehend vom Militärdienst befreit, was immer wieder zu politischen Spannungen führt. Die Regierung arbeitet derzeit an einer neuen Gesetzesregelung, die diese Ausnahmeregelungen einschränken soll.
Viele Vertreter der ultraorthodoxen Gemeinden sehen darin einen Angriff auf ihre religiöse Lebensweise. Ihre Anhänger organisieren regelmäßig Massenproteste, bei denen Straßen blockiert und Verkehrswege lahmgelegt werden.
Polizeiliche Reaktion und gesellschaftliche Debatte
Nach dem Zwischenfall in Mea Schearim kam es zu weiteren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Einsatzkräfte setzten Wasserwerfer und Pfefferspray ein, um die Menschenmenge aufzulösen. Mehrere Teilnehmer wurden festgenommen.
In israelischen Medien und sozialen Netzwerken löste das Ereignis eine breite Debatte aus. Während einige Kommentatoren den Einsatz der Polizei bei den oft gewaltsamen Protesten kritisieren, fordern andere härtere Maßnahmen gegen die Blockaden.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach den Angehörigen des getöteten Jugendlichen sein Beileid aus und rief zur Ruhe auf. „Wir müssen als Gesellschaft zusammenstehen und Gewalt vermeiden“, sagte er laut israelischen Medien.
Oppositionsvertreter hingegen warfen der Regierung vor, durch unsensible Reformpläne und ihre Kommunikation die Spannungen zwischen religiösen und säkularen Gruppen weiter verschärft zu haben.
Quellen
Bus fährt in Menschenmenge, ultraorthodoxer Jugendlicher stirbt
Bus überollt Menschen bei Massenprotest gegen Wehrpflicht in Jerusalem

