Im Nordosten Syriens hat die syrische Armee Berichten zufolge ein weiteres Gefängnis übernommen, das bisher von der kurdisch dominierten Miliz Syrische Demokratische Kräfte (SDF) bewacht wurde. In der Haftanstalt von Al-Aktan, nahe der Stadt Hasaka, sollen sich mehrere Hundert mutmaßliche Anhänger und Kämpfer der Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) befinden. Nach Angaben syrischer und internationaler Beobachter fand die Übergabe Ende dieser Woche statt (Quelle: Syrian Observatory for Human Rights, SOHR, 2026).
Hintergrund des Machttransfers
Seit dem Rückzug der US-geführten Koalition aus Teilen Nordostsyriens haben die SDF schrittweise die Kontrolle über mehrere Einrichtungen an die syrische Zentralregierung in Damaskus übergeben. Ziel sei es, eine Eskalation mit der Türkei zu vermeiden, die in der Region immer wieder Militäroperationen durchgeführt hat. Nach Angaben der SDF erfolgte die Übergabe “unter Sicherheitsgarantien der russischen Vermittler“, die seit 2019 eine Pufferrolle zwischen beiden Seiten spielen (vgl. Reuters, 2026).
Besorgnis in europäischen Sicherheitskreisen
Der deutsche Verfassungsschutz und andere europäische Sicherheitsbehörden beobachten die Umstrukturierungen in Syrien mit Sorge. Laut Berliner Sicherheitskreisen befürchtet man, dass in unübersichtlichen Machtverhältnissen IS-Gefangene entkommen oder Kontakte nach Europa nutzen könnten. In den vergangenen Jahren kam es bereits mehrfach zu Ausbrüchen aus überfüllten Haftanstalten, insbesondere 2022 in Hasaka, wo hunderte IS-Häftlinge zeitweise entkamen (vgl. Tagesschau.de, BBC News).
Politische Signale aus Damaskus
Für das syrische Regime unter Baschar al-Assad bedeutet die Übernahme eine Stärkung seiner symbolischen und administrativen Kontrolle im Norden. Beobachter werten die Aktion als Teil einer langfristigen Strategie, die schrittweise Wiederherstellung der staatlichen Einheit zu demonstrieren. Zugleich sendet Damaskus ein Signal an die Türkei und internationale Akteure, dass es – trotz wirtschaftlicher Krise – militärisch handlungsfähig bleibt.
Ausblick
Wie viele IS-Gefangene sich aktuell in staatlicher Haft befinden, ist unklar. Schätzungen der UN von 2025 gehen von bis zu 10.000 inhaftierten IS-Mitgliedern in Syrien aus. Die internationale Gemeinschaft fordert seit Jahren eine geregelte juristische Aufarbeitung, doch mangels eines stabilen Rechtssystems bleibt die Situation weiterhin angespannt.
Quellen
Syrische Armee übernimmt weiteres Gefängnis mit IS-Kämpfern von Kurdenmiliz
Armee und Kurden widersprechen sich zu Lage in IS-Gefängnissen

