Nach dem überraschenden US-Angriff auf Venezuela wächst in Europa die Sorge, dass Washington unter Donald Trump weitere militärische Schritte ohne Abstimmung mit seinen Bündnispartnern unternehmen könnte.
Besonders brisant: In Grönland, das völkerrechtlich zu Dänemark gehört, beobachten Regierungsvertreter zunehmende Aktivitäten der US-Armee.
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen äußerte am Montagabend ernste Warnungen. Sollte die US-Regierung „Fakten auf dänischem Territorium schaffen oder ein anderes NATO-Mitglied attackieren“, wäre „die Nachkriegsordnung und das Bündnis, wie wir es kennen, am Ende“.
Sorge um Stabilität in der Arktis
Grönland spielt seit Jahren eine strategische Schlüsselrolle für die USA, da es geographisch zwischen Nordamerika und Europa liegt. Schon 2019 hatte der damalige Präsident Donald Trump Schlagzeilen gemacht, als er öffentlich erwog, Grönland zu kaufen – was Dänemark kategorisch ablehnte.
Nun mehren sich Anzeichen, dass Washington seine Militärpräsenz in der Arktis ausweiten will. In Kopenhagen löst dies Befürchtungen aus, dass sich die USA über diplomatische Absprachen hinwegsetzen könnten.
„Die Integrität unserer territorialen Grenzen ist nicht verhandelbar“, betonte Außenminister Lars Løkke Rasmussen. Auch innerhalb der EU stößt der amerikanische Alleingang auf deutliche Kritik.
NATO im Stresstest
Der Angriff auf Venezuela hat in mehreren europäischen Hauptstädten Schockwellen ausgelöst. Diplomaten sprechen von einer „beispiellosen Belastungsprobe“ für das transatlantische Verhältnis.
Während Washington seine Aktion als „präventiven Einsatz gegen ein feindliches Regime“ bezeichnet, sehen europäische Partner darin eine Verletzung des Völkerrechts.
Nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers Prof. Henrik Breitenbauch von der Universität Kopenhagen könnte eine Eskalation zwischen NATO-Mitgliedern das Ende des Bündnisses einläuten.
„Die NATO wurde gegründet, um gemeinsame Sicherheit zu garantieren – nicht, um interne Konflikte auszutragen“, sagte er dem dänischen Rundfunk DR.
Internationale Reaktionen
In Berlin und Paris herrscht diplomatische Zurückhaltung, doch beide Regierungen fordern „Aufklärung und Zurückhaltung“. Die EU-Kommission sprach von einer „besorgniserregenden Entwicklung für die globale Sicherheitsordnung“.
Moskau und Peking äußerten indes Genugtuung über die Spannungen im westlichen Bündnis – und sehen ihre Kritik an der US-geführten Sicherheitsarchitektur bestätigt.
Quellen
Dänemark warnt vor Ende der NATO
Der dänische Premierminister warnt vor dem Ende der NATO, sollte Trump in Grönland einmarschieren.