Fifa-Präsident Gianni Infantino treibt eine Idee voran, die den internationalen Fußball stärker verändern könnte als jede Reform der letzten Jahrzehnte: eine Weltmeisterschaft mit 64 Teams. Was auf den ersten Blick wie eine bloße Erweiterung wirkt, ist in Wahrheit ein tiefgreifender Eingriff in Struktur, Bedeutung und wirtschaftliche Logik des wichtigsten Turniers der Welt.
Eine Vision zwischen Wachstum und Macht
Der aktuelle fifa-präsident ist bekannt dafür, den Fußball globaler, zugänglicher und gleichzeitig wirtschaftlich lukrativer zu machen. Schon die Erweiterung von 32 auf 48 Teams wurde als Meilenstein verkauft. Nun deutet sich an, dass dies nur ein Zwischenschritt war. Dass ein fifa-präsident nur wenige Jahre nach einer massiven Aufstockung bereits die nächste Expansion ins Spiel bringt, zeigt: Es geht nicht nur um sportliche Entwicklung, sondern um eine langfristige strategische Neuausrichtung.
Infantino argumentiert, dass mehr Nationen eine Bühne verdienen. Dieses Narrativ ist nicht neu. Bereits frühere Reformen wurden mit dem Ziel begründet, den Fußball demokratischer zu machen. Doch im Hintergrund spielen auch politische und wirtschaftliche Interessen eine entscheidende Rolle.
Die wirtschaftliche Dimension hinter dem Plan
Eine WM mit 64 Teams würde die Anzahl der Spiele auf etwa 128 erhöhen. Für den Weltverband bedeutet das vor allem eines: mehr Einnahmen. Jeder zusätzliche Spieltag bringt neue TV-Rechte, Sponsorenverträge und Werbeflächen.
Der fifa-präsident steht damit in einer Tradition, die bereits bei ehemalige fifa-präsidenten zu beobachten war. Schon frühere Amtsinhaber haben die Kommerzialisierung des Turniers vorangetrieben. Doch das Tempo, mit dem Infantino diese Entwicklung vorantreibt, ist bemerkenswert.
Für die FIFA wäre eine größere WM ein finanzieller Turbo. Für kleinere Verbände wiederum eröffnet sich die Chance auf Teilnahmeprämien und internationale Sichtbarkeit. Diese Kombination macht den Plan politisch attraktiv – besonders für Länder außerhalb Europas und Südamerikas.
Sportliche Qualität: Mythos oder echte Sorge?
Ein zentrales Argument der Kritiker lautet: Eine weitere Aufstockung könnte die sportliche Qualität verwässern. Während der fifa-präsident betont, dass das Niveau weltweit steigt, sehen viele Experten die Gefahr einseitiger Spiele und sinkender Spannung.
Tatsächlich zeigt sich schon bei der aktuellen Erweiterung, dass Leistungsunterschiede bestehen bleiben. Doch gleichzeitig entwickeln sich viele Fußballnationen schneller als noch vor 20 Jahren. Länder aus Afrika, Asien und Nordamerika investieren massiv in Infrastruktur und Ausbildung.
Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob mehr Teams automatisch schlechtere Spiele bedeuten, sondern ob die globale Leistungsdichte schnell genug wächst, um eine solche Expansion zu tragen.
Logistik am Limit
Eine WM mit 64 Teams stellt enorme organisatorische Anforderungen. Bereits das aktuelle Turnier mit 48 Mannschaften gilt als logistisches Großprojekt. Mehr Teams bedeuten:
- Mehr Stadien
- Mehr Trainingsanlagen
- Höheren Reiseaufwand
- Komplexere Spielpläne
Der fifa-präsident setzt hier offenbar auf Multi-Länder-Turniere als Standardlösung. Die Vergabe an mehrere Gastgeber könnte zur Regel werden, um die Infrastruktur zu stemmen. Doch das bringt neue Herausforderungen mit sich, etwa bei Transport, Sicherheit und Fan-Erlebnis.
Der politische Einfluss des Fifa-Präsident
Der fifa-präsident agiert nicht nur als Sportfunktionär, sondern auch als politischer Akteur. Jede Entscheidung über Turnierformate ist eng mit Machtstrukturen innerhalb der FIFA verbunden.
Mehr Teilnehmer bedeuten mehr Stimmen aus kleineren Verbänden, die wiederum den fifa-präsident unterstützen könnten. Dieses Prinzip wurde bereits von ehemalige fifa-präsidenten genutzt, um ihre Position zu stärken.
Die Erweiterung der WM ist daher nicht nur eine sportliche Entscheidung, sondern auch ein politisches Instrument. Wer mehr Nationen einbindet, erweitert automatisch seine eigene Machtbasis.
Tradition vs. Transformation
Die Weltmeisterschaft war lange ein Turnier mit klarer Struktur und begrenzter Teilnehmerzahl. Diese Exklusivität trug maßgeblich zur Faszination bei. Eine weitere Vergrößerung stellt dieses Prinzip infrage.
Viele Fans fragen sich, ob eine WM mit 64 Teams noch denselben Stellenwert haben kann. Wenn nahezu ein Drittel aller FIFA-Mitglieder teilnimmt, verliert die Qualifikation an Bedeutung.
Der fifa-präsident argumentiert dagegen, dass sich der Fußball weiterentwickeln müsse. In einer globalisierten Welt sei es logisch, mehr Nationen einzubeziehen. Diese Sichtweise spiegelt einen grundlegenden Wandel wider: weg von Elite-Turnieren, hin zu Massenformaten.
Auswirkungen auf Spieler und Vereine
Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Belastung der Spieler. Schon heute sind viele Profis am Limit. Mehr Spiele bedeuten:
- Kürzere Regenerationszeiten
- Höheres Verletzungsrisiko
- Konflikte mit Vereinswettbewerben
Der fifa-präsident hat bisher keine konkreten Lösungen präsentiert, wie diese Probleme gelöst werden sollen. Vereine könnten sich zunehmend gegen solche Reformen stellen, da sie ihre Spieler als wirtschaftliche Assets betrachten.
Ein Blick in die Zukunft
Sollte der Plan umgesetzt werden, könnte die WM in wenigen Jahren völlig anders aussehen. Denkbar sind:
- Dauerhafte Multi-Kontinent-Turniere
- Neue Wettbewerbsformate innerhalb der Gruppenphase
- Weitere Kommerzialisierung durch zusätzliche Inhalte
Der fifa-präsident positioniert sich damit klar als Architekt einer neuen Fußball-Ära. Ob diese Entwicklung nachhaltig ist, bleibt jedoch offen.
Zwischen Vision und Risiko
Die Idee einer 64er-WM ist mehr als nur eine Zahlenspielerei. Sie steht für eine grundlegende Frage: Soll der Fußball möglichst viele einbeziehen oder seine Exklusivität bewahren?
Der aktuelle fifa-präsident hat sich eindeutig für Wachstum entschieden. Dabei folgt er einer Linie, die bereits durch ehemalige fifa-präsidenten geprägt wurde, treibt sie jedoch konsequenter voran als je zuvor.
Am Ende wird nicht nur der FIFA-Rat entscheiden, sondern auch die Reaktion von Fans, Spielern und Verbänden. Denn eines ist klar: Eine solche Reform würde das Gesicht des Weltfußballs dauerhaft verändern.
Quellen
Infantino will XXL-WM vergrößern
Neuer Plan von Gianni Infantino: Fifa-Chef will sogar 48 WM-Teilnehmer

