Eton College steht im Mittelpunkt der britischen Bildungselite – und jetzt auch im Leben von Prinz George. Am Dienstag begann der 13-jährige Thronfolger seine Schulzeit an der traditionsreichen Internatsschule in Berkshire, nur wenige Kilometer vom Familiensitz in Windsor entfernt. Doch hinter den historischen Mauern von Eton College verbirgtsich weit mehr als nur Prestige: Die Institution prägt seit Jahrhunderten die Machtstrukturen des Vereinigten Königreichs und wirft Fragen nach Klasse, Chancengleichheit und der Zukunftder Monarchie auf.
Eine Schule, die Königreiche formte
Die Entscheidung von Prinz William und Catherine, ihren ältesten Sohn auf das Eton College zu schicken, folgt einer royalen Tradition, die 1995 mit Prinz William begann. Davor besuchten Könige typischerweise das Naval College in Dartmouth oder andere militärische Akademien. Williams Wahl markierte einen Wendepunkt: Eton College wurde zur bevorzugten Ausbildungsstätte für die nächste Generation der Windsor-Dynastie.
Gegründet 1440 von König Heinrich VI., sollte die Schule ursprünglich 70 bedürftigen Jungen eine kostenlose Ausbildung und den Weg nach Cambridge ermöglichen. Heute hat sich Eton College zu einem der exklusivsten Internate der Welt entwickelt. Die jährlichen Gebühren betragen 63.298 Pfund (rund 85.000 Dollar) – ein Betrag, der die meisten britischen Familien ausschließt.
Doch Geld allein garantiert keinen Platz. Pro Jahrgang nimmt Eton College nur etwa 270 Schüler auf. Jeder Bewerber muss strenge Aufnahmeprüfungen bestehen – auch Prinz George. Berichten zufolge erhielt er keine Sonderbehandlung bei der Zulassung.
Das Leben hinter den Mauern von Eton
Das Eton College ist ein geschlossenes Universum: 25 Wohnhäuser beherbergen jeweils rund 55 Jungen im Alter von 13 bis 18 Jahren. Jeder Schüler lebt in einem eigenen Zimmer, betreut von einem Hausmeister und einem Team aus Lehrern und Mentoren. Diese Struktur soll Unabhängigkeit fördern – ein entscheidender Schritt für einen zukünftigen König, der lernen muss, außerhalb des königlichen „Bubbles” zu funktionieren.
Der Tagesablauf am Eton College ist streng strukturiert. Der Unterricht beginnt früh, gefolgt von Sport, Musik und anderen außerschulischen Aktivitäten. Die akademischen Anforderungen sind hoch: Eton College gilt als eine der herausforderndsten Schulen Großbritanniens. Prinz Harry beschrieb in seiner Autobiografie „Spare”, wie schwer es ihm fiel, mit dem Lernpensum mitzuhalten – trotz privater Nachhilfe.
Für Prinz George bedeutet das Internatsleben auch weniger täglichen Kontakt zu seinen Eltern. Obwohl das Eton College nur einen Steinwurf von Forest Lodge, dem Familienanwesen in Windsor, entfernt liegt, wird er die Woche über auf dem Campus wohnen. Wochenendbesuche sind möglich, doch die Distanz ist bewusst gewählt: Sie soll George auf ein Leben vorbereiten, in dem Pflicht und Verantwortung oft über persönlichen Wünschen stehen.
Ein Netzwerk der Macht: 20 Premierminister und eine Elite
Die Liste der Alumni des Eton College liest sich wie ein Who-is-Who der britischen Macht: 20 der 59 Premierminister des Landes besuchten die Schule, darunter Boris Johnson, David Cameron und Harold Macmillan. Mehr als ein Drittel aller britischen Regierungschefs sind „Old Etonians”.
Doch nicht nur Politiker stammen aus den Reihen des Eton College. Schauspieler wie Hugh Laurie, Tom Hiddleston und Eddie Redmayne, der Schriftsteller George Orwell und der Abenteurer Bear Grylls zählen zu den bekannten Absolventen. Das Netzwerk der Schule reicht weit über Großbritannien hinaus – in Politik, Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft.
Diese Vernetzung ist kein Zufall. Das Eton College fungiert seit Jahrhunderten als „Nursery of England’s Gentlemen” – eine Ausbildungsstätte für die Führungsschicht des Landes. Kritiker werfen der Schule vor, ein System der Privilegien zu zementieren, in dem Zugang zu Macht und Einfluss stark von der Herkunft abhängt.
Kontroversen und der Wandel einer Institution
Trotz ihres Prestiges ist das Eton College nicht frei von Kontroversen. In der Vergangenheit gab es Berichte über Mobbing, Drogenkonsum und sexuelle Übergriffe unter Schülern. Die Schule hat in den letzten Jahren Maßnahmen ergriffen, um das Wohlbefinden der Schüler zu verbessern und ein offeneres Klima zu schaffen.
Auch die Frage der Chancengleichheit bleibt aktuell. Während das Eton College Stipendien für begabte Schüler aus einkommensschwachen Familien anbietet, bleiben diese Programme begrenzt. Die überwältigende Mehrheit der Schüler stammt aus wohlhabenden Verhältnissen – ein Umstand, der in einer Zeit wachsender sozialer Ungleichheit zunehmend kritisiert wird.
Prinz George wird in diesem Spannungsfeld aufwachsen: als zukünftiger König, der einer Institution entstammt, die sowohl für ihre Exzellenz als auch für ihre Exklusivität bekannt ist. Seine Erfahrung am Eton College wird maßgeblich beeinflussen, wie er später die Monarchie führt – und ob er in der Lage sein wird, eine Brücke zwischen der traditionellen Elite und einer diverseren Gesellschaft zu schlagen.
Was bedeutet das für die Zukunft der Monarchie?
Die Wahl des Eton College für Prinz George ist mehr als nur eine Bildungsentscheidung – sie ist ein politisches Signal. In einer Zeit, in der die britische Monarchie um ihre Relevanz kämpft und die Unterstützung in der Bevölkerung schwankt, setzt die Familie Windsor auf Kontinuität. Das Eton College steht für Tradition, Stabilität und ein Netzwerk, das über Generationen gewachsen ist.
Doch die Welt hat sich verändert. Die Erwartungen an die Monarchie sind heute anders als zu Zeiten von Königin Elizabeth II. Transparenz, Diversität und soziale Verantwortung stehen im Fokus. Ob das Eton College Prinz George auf diese Anforderungen vorbereiten kann, bleibt abzuwarten.
Eines ist sicher: Die nächsten fünf Jahre am Eton College werden prägend sein. George wird Freundschaften schließen, Herausforderungen meistern und Erfahrungen sammeln, die ihn auf seine zukünftige Rolle vorbereiten sollen. Ob er dabei den Spagat zwischen Tradition und Moderne schafft, wird die Zukunft zeigen.
Ein Blick hinter die Kulissen: Uniform, Rituale und der erste Tag
Am ersten Tag am Eton College trug Prinz George zunächst einen dunklen Anzug mit Krawatte, bevor er in die Schuluniform wechselte: ein schwarzer Frack, Weste, gestreifte Hose und ein steifer weißer Kragen – eine Kleidung, die in den 1960er Jahren standardisiert wurde und bis heute getragen wird.
Die Familie überquerte den historischen Schulhof mit einer Statue von König Heinrich VI. in der Mitte, bevor sie vom Schulleiter Simon Henderson und dem Provost Nicholas Coleridge begrüßt wurden. „Willkommen, viel Glück, genieß es”, sagte Henderson zu seinem neuen Schüler.
Angesichts des großen Medieninteresses hat das Eton College neue Regeln eingeführt: „No Photography”-Schilder wurden an den Toren angebracht, um unerwünschte Aufnahmen zu verhindern. Auch Journalisten und Passanten dürfen keine Fotos mehr in der Nähe des Schulgeländes machen.
Fazit: Mehr als nur eine Schule
Das Eton College ist nicht nur eine Bildungseinrichtung – es ist ein Symbol für Macht, Tradition und Privileg. Für Prinz George markiert der Beginn seiner Schulzeit einen wichtigen Schritt in Richtung Unabhängigkeit und Verantwortung. Ob das Eton College ihn auf die Herausforderungen eines modernen Königtums vorbereiten kann, bleibt eine offene Frage.
Doch eines ist klar: Die Entscheidung für das Eton College zeigt, dass die Windsors auf bewährte Strukturen setzen – auch in einer sich wandelnden Welt. Für Prinz George beginnt damit ein neues Kapitel, das weit über die Schulmauern hinausreichen wird.
Quellen
Prinz George kommt in Eton an, der Eliteschule, die bereits sein Vater und 20 britische Premierminister besucht haben
Prinz George beginnt seine Schulzeit am Eton College: Schulgeld, Geschichte und berühmte Absolventen im Überblick






