08.11.2026
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Lothar Matthäus staunt: Niclas Füllkrugs Rolle bei Werder wird zur taktischen Schlüsselfrage

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© 2026 picture alliance/SNS

Lothar Matthäus hat nach Werder Bremensknapper 0:1-Niederlage beim VfB Stuttgart vor allem eine Zahl im Kopf: 70 Ballkontakte von Niclas Füllkrug. Für den Rekordnationalspieler ist das mehr als eine kuriose Statistik. Sie beschreibt, wie sehr sich der Werder-Stürmer in Stuttgart vom klassischen Abschlussjäger zum zentralen Verbindungsspielerentwickelt hat – und warum Bremen trotz der ersten Niederlage nach sieben Partien Grund zur Zuversicht haben darf.

Matthäus, der als Sky-Experte das Spiel begleitete, war sichtlich beeindruckt. „Wenn ein Mittelstürmer von Werder Bremen 70 Ballkontakte hat in einem Spiel, dann weißt du, wo das Spiel hingelaufen ist“, sagte Lothar Matthäus. Besonders in der zweiten Halbzeit habe Füllkrug Bälle erkämpft, festgemacht und besser postierte Mitspieler gesucht. Für den 65-Jährigen war das kein bloßer Trost nach einer Niederlage, sondern ein Beleg für eine moderne Spielweise.

Eine Zahl, die viel verrät

Siebenzig Ballkontakte sind für einen klassischen Mittelstürmer ungewöhnlich hoch. Normalerweise wird ein Angreifer vor allem daran gemessen, wie oft er im Strafraumauftaucht, wie präzise er abschließt und wie kaltschnäuzig er Chancen verwertet. Füllkrug erfüllte diese Aufgabe in Stuttgart zwar nicht mit einem Tor, übernahm aber eine deutlich komplexere Rolle.

Lothar Matthäus erkannte darin genau das, was Werders Angriffsspiel in der zweiten Halbzeit ausmachte: Füllkrug wurde nicht nur als Zielspieler nach langen Bällen eingesetzt. Er zog aus der Spitze zurück, sicherte Bälle unter Druck, öffnete Räume und brachte seine Nebenleute in bessere Positionen. Dass Werder am Ende 58 Prozent Ballbesitz hatte und 24 Torschüsse verbuchte, war kein Zufall. Die Bremer wollten das Spiel nach dem Rückstand durch Maximilian Mittelstädt in der siebten Minute aktiv gestalten.

Genau hier liegt die interessante Wendung: Eine Niederlage kann für ein Team manchmal aufschlussreicher sein als ein Sieg. Werder zeigte, dass es nicht ausschließlich von Füllkrugs Toren lebt. Der 33-Jährige blieb zwar erstmals seit dem Saisonauftakt ohne Pflichtspieltreffer, doch seine Präsenz veränderte die Struktur des Spiels. Lothar Matthäus nannte das einen „modernen Fußball“ – und meinte damit vermutlich weniger spektakuläre Einzelaktionen als vielmehr ein geordnetes, mutiges und positionstreu gespieltes Aufbauspiel.

Füllkrug als taktischer Anker

Niclas Füllkrug ist in dieser Saison vor allem als Torjäger aufgefallen. Neun Treffer in neun Pflichtspielen machten ihn zum zentralen Angriffspunkt der Bremer. Doch gegen Stuttgart zeigte sich eine andere, ebenso wertvolle Seite seines Spiels: die des Ballhalters und Anspielpartners.

Der Stürmer lieferte sich über die gesamte Partie ein körperlich forderndes Duell mit VfB-Innenverteidiger Jeff Chabot. Stuttgart hatte offensichtlich verstanden, dass Füllkrug nicht nur mit Toren, sondern auch mit Befreiungsschlägen, Rückpässen und der Fähigkeit, lange Bälle festzumachen, Werders Spiel gefährlich macht. Chabot arbeitete diszipliniert, war körperlich präsent und verhinderte, dass Füllkrug regelmäßig im Strafraum zur entscheidenden Aktion kam.

Trotzdem blieb der Werder-Angreifer auffällig. Er war an zahlreichen Bremer Angriffsbemühungen beteiligt, spielte in der zweiten Halbzeit mehrere gute Pässe in die Tiefe und sorgte dafür, dass sein Team nach vorne gerückt blieb. Lothar Matthäus lobte genau diese Mischung aus Kampf, Übersicht und Spielintelligenz. Für einen Mittelstürmer ist das keine Selbstverständlichkeit: Viele Stürmer konzentrieren sich darauf, im letzten Drittel zu warten und auf Bälle zu lauern. Füllkrug hingegen wurde zum taktischen Anker, an dem sich Werders Spiel nach vorne orientierte.

Warum die Niederlage nicht alles zerstört

Lothar Matthäus

Die 0:1-Niederlage in Stuttgart reißt natürlich eine Serie. Werder hatte zuvor sieben Pflichtspiele ohne Niederlage absolviert und war mit Selbstvertrauen ins Topspiel gegangen. Dass ausgerechnet Füllkrug, der in den Wochen zuvor regelmäßig getroffen hatte, diesmal leer ausging, macht das Ergebnis umso bitterer.

Doch die Art und Weise, wie Bremen nach dem Rückstand reagierte, war bemerkenswert. Das Team ließ sich nicht davontragen, spielte geduldig nach vorne und schuf Druck. Die 24 Torschüsse zeigen einen klaren Willen, das Spiel zu drehen. Dass daraus kein Ausgleich wurde, lag vor allem an fehlender Effizienz im entscheidenden Moment. Werder hatte Ballbesitz, Räume und Abschlussaktionen – aber nicht den einen kühlen Moment, der ein Spiel dreht.

Julia Simic brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: Werder könne ein solch enges Spiel gestalten, brauche aber mehr Effizienz, um mindestens einen Punkt mitzunehmen oder sogar zu gewinnen. Das ist eine wichtige Erkenntnis für einen Klub, der sich in dieser Saison als kompromisslos und laufstark präsentiert. Die Werder-Serie ist gerissen, aber die Grundlage bleibt stabil.

Was Lothar Matthäus wirklich meint

Wenn Lothar Matthäus eine Leistung lobt, fällt das im deutschen Fußball nicht unbemerkt. Der frühere Weltmeister ist bekannt dafür, klare Urteile zu fällen und keine übertriebenen Komplimente zu machen. Umso deutlicher war sein Eindruck von Füllkrug. Matthäus Lothar betonte zwar, kein großer Freund von Statistiken zu sein, doch die 70 Ballkontakte waren für ihn ein sichtbarer Beweis für die Rolle des Stürmers im Spiel.

Interessant ist dabei die Entwicklung von Füllkrugs öffentlichem Image. Lange wurde er vor allem als klassischer Nummer-neun wahrgenommen: robust, gut in der Luft, gefährlich im Strafraum, aber nicht unbedingt als Spielmacher. In Stuttgart zeigte er, dass er deutlich mehr kann. Er kann ein Spiel nicht nur mit Toren, sondern auch mit Ballkontrolle, Druckresistenz und der Suche nach besser postierten Mitspielern prägen.

Für Werder Trainer Daniel Thioune ist das eine wertvolle Option. Ein Stürmer, der Bälle festmacht, gibt der Mannschaft Zeit, nach vorne zu rücken. Er entlastet die Abwehr, schafft Anspielstationen und zwingt gegnerische Verteidiger, sich zwischen Absicherung und Zweikampf zu entscheiden. Wenn Füllkrug diese Rolle zuverlässig ausfüllt, wird Werder auch dann gefährlich, wenn er selbst kein Tor erzielt.

Die nächste Herausforderung: Nationalmannschaft

Direkt nach dem Spiel in Stuttgart steht Füllkrug bereits vor der nächsten Aufgabe. Bundestrainer Jürgen Klopp hat ihn für die Nations-League-Spiele Deutschlands nominiert. Gegen Serbien in Belgrad und anschließend gegen die Niederlande in Berlin warten Aufgaben, bei denen Füllkrugs aktuelle Form gefragt sein wird.

Der Stürmer selbst wirkte nach der Niederlage jedoch noch nicht abgeholt. „Ich bin immer noch im Kopf voll hier beim Spiel“, sagte er. Die Nominierung sei für ihn in diesem Moment kein Thema gewesen. Diese Reaktion ist verständlich: Werder hatte gerade ein wichtiges Auswärtsspiel verloren, und Füllkrug hatte trotz einer starken Leistung kein Tor erzielt. Die Enttäuschung überwiegt zunächst die Vorfreude auf die Nationalmannschaft.

Für den DFB ist Füllkrugs Entwicklung dennoch ein gutes Zeichen. Ein Stürmer, der nicht nur Tore schießt, sondern auch Bälle festmacht und Mitspieler einbindet, passt gut in ein modernes System. Gerade gegen defensiv organisierte Gegner kann diese Fähigkeit den Unterschied machen. Lothar Matthäus hat mit seinem Lob daher nicht nur Füllkrug persönlich gewürdigt, sondern auch eine taktische Entwicklung beschrieben, die für Werder und die Nationalmannschaft gleichermaßen relevant ist.

Was jetzt für Werder zählt

Die Niederlage in Stuttgart ist ein Dämpfer, aber kein Alarmsignal. Werder hat gezeigt, dass es gegen einen starken Gegner mithalten kann, auch wenn das Ergebnis nicht stimmt. Die Aufgabe besteht nun darin, aus guten Leistungen auch Punkte zu machen. Ballbesitz und Torschüsse sind wichtig, doch Fußball entscheidet sich weiterhin im Strafraum.

Für Füllkrug bedeutet das: Er muss seine Rolle als Torjäger wiederfinden, ohne seine neue Funktion als Verbindungsspieler aufzugeben. Die 70 Ballkontakte gegen Stuttgart zeigen, wie zentral er für Werders Spiel geworden ist. Wenn es ihm gelingt, diese Präsenz mit wieder mehr Torgefahr zu verbinden, wird er für die Bremer noch wertvoller.

Lothar Matthäus hat mit seiner Einschätzung einen wichtigen Punkt getroffen: Füllkrug ist längst mehr als ein klassischer Mittelstürmer. Er ist ein Spieler, der ein Spiel prägen kann, auch ohne selbst zu treffen. Genau diese Vielseitigkeit könnte in den kommenden Wochen entscheidend sein – für Werder Bremen in der Bundesliga und für Füllkrug in der Nationalmannschaft.

Quellen

Lothar Matthäus total baff!
“So eine Zahl habe ich bei einem Mittelstürmer noch nie gehört”: Lothar Matthäus von Niclas Füllkrug schwer beeindruckt



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