24.10.2026
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Winter 2025/26: Warum die richtige Bereifung jetzt wichtiger ist als der Kalender

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© 2026 Patan/RND

Winter 2025/26 stellt Autofahrerwieder vor eine Frage, die oft zu spät gestellt wird: Sind die Reifen wirklich für die Bedingungen auf der Straße geeignet? In Deutschland entscheidet nicht der 1. Oktober über die Pflicht zum Wechseln, sondern die tatsächliche Witterung. Sobald Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte auftreten, sind Winterreifen oder geeignete Ganzjahresreifen mit dem Alpine-Symbol vorgeschrieben. Die frühere Faustregel „von O bis O“ bleibt eine praktische Orientierung, hat aber keine rechtliche Bedeutung.

Gerade in den Übergangswochen wird diese Unterscheidung relevant. Morgens kann Reifglätte eine Landstraßein eine rutschige Strecke verwandeln, während am Nachmittag die Fahrbahn wieder trocken wirkt. Wer sich allein am Datum orientiert, unterschätzt leicht, wie schnell sich die Rechtslage und vor allem die Sicherheit ändern können.

Kein fester Zeitraum, sondern situative Pflicht

In Deutschland gilt keine generelle Winterreifenpflicht für einen bestimmten Monat. Entscheidend ist die Verkehrslage: Bei winterlichen Straßenverhältnissen müssen Fahrzeuge mit Reifen ausgestattet sein, die für diese Bedingungen entwickelt wurden. Das gilt für Pkw, aber grundsätzlich auch für viele andere Kraftfahrzeuge; nicht jedoch, wenn das Auto bei winterlichem Wetter lediglich abgestellt bleibt.

Die Pflicht betrifft in der Regel alle vier Räder. Ein einzelner Winterreifen auf der Antriebsachse reicht nicht aus, weil Bremsverhalten, Traktion und Stabilität von einer einheitlichen Bereifung abhängen. Unterschiedliche Reifen an Vorder- und Hinterachse können das Fahrverhalten insbesondere bei Ausweichmanövern oder starkem Bremsen unpredictabel machen.

Für Autofahrer bedeutet das: Der Blick gehört nicht nur auf den Kalender, sondern auf Wetterbericht, Straßenzustand und Reifenflanke. Schon eine scheinbar harmlose Fahrt über eine vereiste Brücke oder eine schattige Waldstraße kann in den Anwendungsbereich der situativen Pflicht fallen.

Das Alpine-Symbol entscheidet

Seit dem 1. Oktober 2024 reicht die alte M+S-Kennzeichnung allein nicht mehr aus. Maßgeblich ist das Alpine-Symbol, auch 3PMSF genannt: ein Bergpiktogramm mit drei Gipfeln und einer Schneeflocke. Es zeigt an, dass der Reifen bestimmte Mindestanforderungen an seine Leistung bei Schnee erfüllt.

Das ist mehr als eine formale Änderung. „M+S“ steht für Matsch und Schnee, war aber historisch eine eher grobe Kennzeichnung, die nicht zwingend belegte, wie gut ein Reifen auf winterlicher Fahrbahn verzögert oder Traktion aufbaut. Das Alpine-Symbol setzt dagegen eine definierte Prüfung voraus.

Wichtig ist auch: Reifen, die sowohl M+S als auch das Alpine-Symbol tragen, bleiben zulässig. Problematisch sind ausschließlich ältere Modelle, die nur das M+S-Zeichen aufweisen. Für Ganzjahresreifen gilt dasselbe Prinzip: Sie erfüllen die winterliche Anforderung nur, wenn sie das Berg- und Schneeflockensymbol führen.

Profil, Alter und Reifendruck zählen mit

Eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern gilt zwar auch für Winterreifen, doch Experten raten im Winter deutlich darüber zu bleiben. Der ADAC empfiehlt mindestens vier Millimeter Profil, weil die Leistung auf Schnee, Schneematsch und nasser Fahrbahn schon vor Erreichen des gesetzlichen Grenzwerts spürbar nachlässt.

Der Grund liegt in der Physik: Profiltiefe beeinflusst, wie schnell Wasser und Schneematsch aus dem Kontaktbereich zwischen Reifen und Fahrbahn gedrängt werden. Bei zu geringem Profil steigt das Aquaplaning-Risiko, während die Lamellen weniger effektiv in Schnee und Eis greifen können. Ein optisch noch „ganz okay“ wirkender Reifen kann daher bereits sicherheitsrelevant sein.

Zusätzlich verdienen Reifendruck und Reifenalter Aufmerksamkeit. Kälte senkt den Luftdruck, und ein zu niedriger Druck verschlechtert Handling, Bremsweg und Energieverbrauch. Wer lange mit demselben Reifensatz fährt, sollte außerdem Härte, Risse und ungleichmäßige Abnutzung prüfen. Ein Reifen ist nicht allein deshalb sicher, weil er noch Profil hat.

Bußgeld ist nur ein Teil des Risikos

Wer bei winterlichen Bedingungen mit ungeeigneter Bereifung kontrolliert wird, riskiert in Deutschland mindestens 60 Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Bei Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer steigt das Bußgeld auf 80 Euro, bei Gefährdung auf 100 Euro. Nach einem Unfall können 120 Euro fällig werden.

Der finanzielle Schaden ist jedoch meist nicht der größere Teil des Problems. Bei einem Unfall kann die falsche Bereifung Fragen nach Mitverschulden aufwerfen und Konsequenzen für den Versicherungsschutz haben. Entscheidend ist dabei weniger die Frage, ob es an diesem Tag geschneit hat, sondern ob der Fahrer bei nachweislich winterlichen Straßenverhältnissen mit ungeeigneten Reifen unterwegs war.

Für Vielfahrer, Berufspendler und Familien ist das ein praktisches Argument: Die Ersparnis durch einen zu späten Reifenwechsel ist gering, während ein Unfall Kosten, Zeitverlust und mögliche haftungsrechtliche Folgen verursachen kann.

Europa: Kein einheitliches System

Wer in der Winterszeit ins Ausland fährt, sollte sich nicht auf deutsche Regeln verlassen. In Europa existiert keine einheitliche Vorschrift. Manche Länder folgen ebenfalls einer wetterabhängigen Pflicht, andere schreiben feste Zeiträume vor, wiederum andere kombinieren beides.

LandGrundregel
DeutschlandSituative Pflicht bei Glatteis, Schnee-, Eis- oder Reifglätte sowie Schneematsch.
ÖsterreichVom 1. November bis 15. April bei Schnee, Schneematsch oder Eis; alternativ Schneeketten auf mindestens zwei Antriebsrädern, sofern die Fahrbahn entsprechend bedeckt ist.
TschechienVom 1. November bis 31. März bei winterlichen Bedingungen; für Pkw gilt in der Regel mindestens 4 Millimeter Profil.
Baltische StaatenTeilweise feste Winterzeiträume, etwa in Lettland, Litauen und Estland.
Südeuropäische GebirgsregionenTeilweise reicht das Mitführen oder Anlegen von Schneeketten, je nach nationaler Regelung und Beschilderung.

Besonders tückisch sind Grenzregionen. Ein Fahrer kann in Deutschland bei leichtem Schneematsch noch rechtlich korrekt unterwegs sein und wenige Kilometer später in einem Nachbarland in eine strengere Kontrollsituation geraten. Umgekehrt kann eine Schneekette in einem Land als ausreichende Alternative gelten, in einem anderen jedoch nicht.

Ganzjahresreifen: praktisch, aber kein Universalmittel

Ganzjahresreifen haben in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Für Stadtfahrer, Pendler mit moderater Jahresfahrleistung und Menschen in Regionen mit milderen Wintern können sie eine sinnvolle Lösung sein. Voraussetzung ist jedoch das Alpine-Symbol; nur dann gelten sie rechtlich als für winterliche Verhältnisse geeignet.

Trotzdem sind sie kein Automatik-Ersatz für spezialisierte Winterreifen. In Regionen mit langen Kälteperioden, viel Schnee, steilen Straßen oder häufigem Eis kann ein echter Winterreifen weiterhin die bessere Wahl sein. Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss: Sie müssen sowohl bei Sommerhitze als auch bei Kälte funktionieren und erreichen deshalb in einzelnen Disziplinen selten das Maximum eines spezialisierten Reifens.

Wer viel auf Autobahnen unterwegs ist, regelmäßig in bergige Gegenden fährt oder im Winter längere Strecken zurücklegt, sollte die Entscheidung nicht allein über den Preis treffen. Reifen sind die einzige Verbindung zwischen Fahrzeug und Straße; ihre Qualität beeinflusst Lenkpräzision, Bremsweg und Kontrolle in kritischen Situationen unmittelbar.

Was in der Winterwoche aktuell zu tun ist

In der aktuellen Winters woche aktuell ist ein strukturierter Fahrzeugcheck sinnvoller als ein spontaner Reifenwechsel. Zunächst sollte die Reifenflanke auf das Alpine-Symbol geprüft werden. Danach zählt die Profiltiefe, idealerweise an mehreren Stellen gemessen, weil ungleichmäßige Abnutzung auf Fahrwerks- oder Druckprobleme hindeuten kann.

Ebenso wichtig sind Scheibenwischer, Frostschutz, Batterie, Beleuchtung und Scheibenreinigung. Winterliche Bedingungen belasten nicht nur die Reifen: Eine schwache Batterie entlädt sich bei Kälte schneller, verschmierte Scheinwerfer reduzieren die Sichtbarkeit und eingefrorene Düsen können die Sicht erheblich beeinträchtigen. Wer früh prüft, vermeidet den klassischen Winterstart mit Eiskratzer, leerer Batterie und ungeeigneter Bereifung.

Für die Winter 2025/26 gilt damit ein einfacher Grundsatz: Nicht das Datum macht den Reifenwechsel erforderlich, sondern die Fahrbahn. Autofahrer, die Wetterlage, Reifenkennzeichnung und Profil ernst nehmen, fahren nicht nur rechtssicherer, sondern behalten bei Glätte, Schnee und plötzlichen Kälteeinbrüchen deutlich mehr Kontrolle.

Quellen

Jetzt müssen Autofahrer an die Winterreifen denken
Winterreifen: Pflicht für Autofahrer in Deutschland?

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