Ein Zugbegleiter aus Rheinland-Pfalz, Serkan Çalar, wurde letzte Woche bei einer Ticketkontrolle von einem Fahrgast angegriffen und erlitt eine tödliche Hirnblutung. Der alleinerziehende Vater starb an den Folgen der Gewalt. Dieser Vorfall löste bundesweite Empörung aus und führte zu einer Schweigeminute bei der Deutschen Bahn.
Forderungen der Gewerkschaften
Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) fordern ein umfassendes Sicherheitskonzept. Dazu gehören Doppelbestreifungen für Zugbegleiter, mehr Sicherheitskräfte, Bodycams und verbindliche Standards statt Pilotprojekte. Die Gewerkschaften betonen, dass Übergriffe „auf keiner Strecke und zu keiner Uhrzeit“ ausgeschlossen seien und der Alltag unsicher geworden sei.
Ausmaß der Gewaltproblematik
Im Jahr 2023 meldete die Deutsche Bahn über 3.100 Angriffe auf Mitarbeiter, gegenüber 1.500 im Jahr 2014 – ein deutlicher Anstieg. In den ersten zehn Monaten 2025 waren es bereits 2.987 Straftaten, darunter 1.231 Körperverletzungen. Umfragen zeigen: 82 Prozent der Beschäftigten wurden schon Opfer von Gewalt, 40 Prozent fühlen sich unsicher.
Reaktionen von Bahn und Politik
Die Deutsche Bahn lädt zu einem Sicherheitsgipfel in Berlin ein, an dem Gewerkschaften, Politik und Sicherheitsbehörden teilnehmen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) fordert verschärften strafrechtlichen Schutz mit höheren Mindeststrafen. Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) betont die Notwendigkeit gemeinsamer Maßnahmen aller Ebenen.
Aktuelle Schutzmaßnahmen
Bestehende Ansätze umfassen Deeskalationstrainings, speziell geschulte Sicherheitskräfte und eine App zur Vorfallmeldung. Die Bahn erweitert den Bodycam-Einsatz, der sich bewährt habe, und plant mehr Personal in Modellregionen. Dennoch geben Gewerkschaften an, dass ein hundertprozentiger Schutz fehle.
Quellen
Bahn-Gewerkschaft fordert besseren Schutz der Mitarbeiter vor Gewalt
Sicherheitsgipfel der Bahn am Freitag in Berlin